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Angriff zweier Oralakrobaten: "Talk in der Taverne" im Dresdner Theaterhaus Rudi

Angriff zweier Oralakrobaten: "Talk in der Taverne" im Dresdner Theaterhaus Rudi

Er hat alles gehabt, der werte Herr Gottschalk: die ganz großen Namen auf seiner Couch und die ganz großen Einschaltquoten beim ZDF. Doch jetzt dümpelt der Thommy seit Wochen im Vorabendprogramm der ARD, und nichts will dem ehemals Unantastbaren so recht gelingen.

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Gisbert Knock (Christoph Stelzner, l.) und Wolfram Brechtel (Martin Bauer) in Aktion.

Ein Zustand, den die Moderatoren-Urgesteine Wolfram Brechtel und Gisbert Knock nicht mehr mit ansehen wollen. "Es braucht neue Köpfe", sagt das Duo und bläst mit einem Gegenprogramm zum Angriff auf die deutsche Medienlandschaft. Ihr "Talk in der Taverne" feierte im Theaterhaus Rudi Premiere.

Das Motto: Gute Gespräche brauchen ihre Zeit. So weit, so gut. Und eine gute Talkshow braucht eben auch gute Gäste. Das ist obligat, um Premium-Content zu schaffen, wie es heute ach so modern ausgedrückt wird. Gute Inhalte zu liefern reicht als Devise eben nicht mehr aus. Und so versammelte sich eine illustre Gästeschar im Studio: ein stark sächselnder Zeugwart im Swingerclub mit der Devise "Untenrum sind alle gleich", Roderich Keil, der sich nur von Licht ernährt und dennoch ziemlich umnachtet wirkte, ein bayrisches Orakel, das die Lottozahlen mit Hilfe von Weißbiergläsern vorhersagen kann (müssten dann nicht alle Bayern Millionäre sein?), ein peruanischer Schlagersänger, Mr. Gymnastik Jim Nasty aus Amerika und sogar der Papst. Und sie wurden interviewt in guter alter deutscher Talkshow-Manier - mit Streicheleinheiten à la Gottschalk, mit Beckmann'schen, an den Haaren herbeigezogenen Vergleichen und mit ein wenig Musizieren, wie es auch der nette Herr Lanz bisweilen gerne tut.

So überfüllt, wie es jetzt den Anschein zu haben vermag, war es auf der Bühne freilich nicht. Lediglich zwei Personen waren auf den Talkstühlen auszumachen: der Dresdner Christoph Stelzner und Martin Bauer aus München. Aber was ist denn mit den Moderatoren Knock und Brechtel, was mit den Gästen, wird sich der ein oder andere vermutlich fragen. Alle waren sie da und doch irgendwie nicht - denn alle wurden von Stelzner (Knock, Zeugwart, Lichtnährer, Schlagersänger, Jim Nasty) und Bauer (Brechtel, Orakel, Papst) zum Leben erweckt.

Das Konzept erinnert natürlich an den legendären "RTL Samstag Nacht"-Talk "Zwei Stühle, eine Meinung" mit Olli Dittrich und Wigald Boning, auch wenn diese Fußspuren doch etwas zu groß schienen. Die Parodien von Stelzner und Bauer saßen, die Pointen nicht immer. Es mag an der besonderen Situation einer Premiere gelegen haben, dass sich die beiden mitunter anschauten, als wüssten sie selbst nicht so genau, was sie hier gerade taten. Aber dennoch: Gerade durch den schnellen Wechsel der unterschiedlichen Rollen, der verschiedenen Dialekte und durch das fantasiereiche Geflecht der Charaktere wusste das Programm der selbsternannten Oralakrobaten und sprachlichen Deckhengste durchaus zu überzeugen. Ein kurzweiliger Abend, und bessere Unterhaltung als bei Thomas Gottschalk allemal.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2012

Christin Grödel

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