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Andris Nelsons dirigiert Schostakowitschs 8. Sinfonie im Konzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden

In der Semperoper Andris Nelsons dirigiert Schostakowitschs 8. Sinfonie im Konzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden

In sächsischen Gefilden wird er demnächst öfters auftauchen, denn der weltweit gefeierte lettische Dirigent Andris Nelsons ist ab 2017/2018 der neu ernannte Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Doch seit seinem Debüt bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden 2013 ist er auch in der Semperoper ein gern gesehener Gast.

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Andris Nelsons dirigiert die Staatskapelle Dresden.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. In sächsischen Gefilden wird er demnächst öfters auftauchen, denn der weltweit gefeierte lettische Dirigent Andris Nelsons ist ab der Saison 2017/2018 der neu ernannte Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Doch seit seinem Debüt bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Jahr 2013 ist er auch in der Semperoper ein gern gesehener Gast, und nach dem 7. Symphoniekonzert kann man nur hoffen, dass er auch bei einem straffen Terminkalender zwischen Boston und Leipzig in Zukunft den Weg nach Dresden finden wird.

Für das Konzert mit der Staatskapelle hatte Nelsons ein anspruchsvolles, auch den Hörer forderndes Programm zusammengestellt. Auf den ersten Blick mögen Werke von Britten, Zimmermann und Schostakowitsch großen Kontrast versprechen, auf einer Linie lagen die Stücke jedoch, wenn man Nelsons immense Qualitäten im Herausfordern der Bild- und Geschichtenkraft der Musik bedenkt. Schon die kurze Passacaglia aus Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ geriet zu einer überzeugenden Demonstration von Intensität, nicht zuletzt durch Sebastian Herbergs empfunden ausgeführtes Bratschensolo. Die Unumkehrbarkeit des Schicksals wurde von Nelsons mit fein ausgearbeiteter Klangfarbe im ständig präsenten Thema unterstützt.

Die sich hier bahnbrechende Einsamkeit, aus der heraus Gesang und Gedanken entstanden, war überhaupt ein Motto des gesamten Konzertes, so auch in Bernd Alois Zimmermanns Trompetenkonzert „Nobody knows de trouble I see“. Hier ist es eine vom Komponisten in mehreren Ebenen angelegte Synthese zwischen Jazz und Kunstmusik, hervorragend artikuliert durch den Solisten Håkan Hardenberger, der mit tiefem Ernst und kolossalem Klanggespür an die Partitur heranging. So war das im Hintergrund sanft swingende Orchester niemals ein Showact, sondern Basis für alle weitgefächerten Emotionen, die Hardenberger seiner Trompete anvertraute. Ob die Verbrüderung der Stile oder einer hinter den Noten zu spürende Zerrissenheit letztlich überwog, blieb eine offene und legitime Frage – eindeutig war, dass die Entfaltung der Ausdruckskraft der Werke eindeutig im Fokus stand.

Das setzte sich bei Dmitri Schostakowitschs 8. Sinfonie eindrucksvoll fort. Zwar ist Andris Nelsons bekannt dafür, am Pult körperlich energisch und kreativ zu agieren, doch steht die Idee der Plastizität der Musik bei ihm immer im Vordergrund, gleich ob er Peitschenhiebe mit dem Arm verteilt, im zweiten Satz kraftvoll den Marcia-Charakter unterstreicht oder das Largo lediglich mit Augen und Händen zum Höhepunkt des ganzen Konzertes formt. Nelsons Arbeit mit der Staatskapelle Dresden zeigt, dass eine extreme Partitur, die diese von den Kriegserfahrungen gezeichnete, 1943 entstandene 8. Sinfonie zweifellos ist, auch einen extremen Nachvollzug verträgt. Mit fast schon überbordender Spannung legte Nelsons Steigerungen an, die etwa nach dem gemessen-streng exerzierten 3. Satz förmlich explodierten. Auch der Finalsatz erhielt seine groteske Farbe vor allem durch die an die Schrecken der vorherigen Sätze gemahnende Eruption in der Mitte des Satzes. Was beim Hören tröstet und Nelsons endgültig zu einem Kenner und Könner der Musik von Schostakowitsch macht, ist der sorgsame Umgang mit den vielen endlos scheinenden und hier wunderbar ausmusizierten Soli dieser Sinfonie, die allesamt Trauer, Glück, Einsamkeit und Entsetzen in sich vereinen – vom Englisch-Horn, nach welchem der 1. Satz in absteigender Linie nahezu vertropft, über Flöte, Klarinette und Horn bis hin zum Cellosolo im letzten Satz – dies alles hallte auch lange nach dem Konzert noch nach.


MDR Figaro überträgt das Konzert am 1. März ab 20.05 Uhr live.

Von Alexander Keuk

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