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Andreas Reimann wird "Poet in Residence" im Kulturhaus Dresden-Loschwitz

Andreas Reimann wird "Poet in Residence" im Kulturhaus Dresden-Loschwitz

Was zum dritten Mal stattfindet, darf Tradition genannt werden. Der Lyrikpreis "Poet in Residence" wurde jetzt zum dritten Mal ausgelobt, er beinhaltet noch immer ein dreimonatiges Aufenthaltsstipendium im Kulturhaus Loschwitz, wird noch immer vom selben Sponsor getragen, der für sein Engagement noch immer nicht genannt werden mag.

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Der Schriftsteller Andreas Reimann wird 65 - hier im Cafe Maitre

Quelle: Wolfgang Zeyen

Nach den in Leipzig lebenden Autoren Carl-Christian Elze (2013) und Bertram Reinecke (2014), die ursprünglich aus Berlin bzw. Güstrow stammen, wird im Januar 2015 der originär Leipziger Schriftsteller Andreas Reimann für drei Monate nach Loschwitz ziehen. Er will die Zeit nutzen, um sich auf die Spuren seiner Dresdner (!) Großmutter zu begeben, die eine Zeitlang mit dem berühmten Großvater Hans Reimann ("Die Feuerzangenbowle") verheiratet war. Doch ehe der Leipziger Dichter am Freitag zum Loschwitzer Poeten auf Zeit gekürt wurde, gab's eine spannende Auswahl. Wie in den Jahren zuvor bewarben sich erneut rund 50 Autorinnen und Autoren um dieses mit monatlich 900 Euro dotierte Stipendium und reichten der Jury jeweils fünf Gedichte ein. Ins Finale hatten Kulturhaus-Chefin Susanne Dagen, Ostra-Gehege-Herausgeber Axel Helbig sowie DNN-Autor Tomas Gärtner die aus Westfalen kommende Monika Littau (Jahrgang 1955), den Leipziger Andreas Reimann (Jg. 1946) sowie den Graz Christoph Szalay (Jg. 1987) geladen.

Diese Endrunde wurde nach gründlicher Sichtung der eingereichten Arbeiten gekürt, die teils heftig diskutiert worden sein sollen. Das Los hingegen entschied über die Reihenfolge der Lesungen sowie über die Vorstellungsgespräche der Juroren mit den Favoriten. Tomas Gärtner machte den Anfang und befragte Monika Littau, die seit 2007 freie Autorin ist und zuvor Lehrerin sowie Kulturbeauftragte von Nordrhein-Westfalens Staatskanzlei war. Ihre Arbeiten atmeten jede Menge Natur, kündeten von Reisen und Bahnhofsszenen sowie von bildenden Künstlerinnen.

Axel Helbig stellte den über Leipzigs Literaturszene hinaus noch immer zu wenig bekannten Andreas Reimann vor, der zu DDR-Zeiten zwei schmale Gedichtbände veröffentlichte, zwischenzeitlich aus politischen Gründen im Knast saß und noch immer viele frühe Texte und Notizen in den Händen einstiger Stasi-Mitarbeiter weiß. Einige seiner von den Spitzeln konfiszierten Arbeiten hat er jedoch zurückerhalten und inzwischen publizieren können. Mehr als 15 Lyrikbände sind bis heute erschienen. Am Freitag überzeugte er mit sprachmächtigen Texten voll hintersinniger Tiefe, untergründigen Bildern und starken Wortschöpfungen.

Als Jüngster der Runde wurde Christoph Szalay von Susanne Dagen porträtiert. Der Niederösterreicher studiert derzeit in Berlin, war Leistungssportler im Skisprung und trat für das Dresdner Lyrikstipendium mit zwei Gedichtzyklen an, die sehr artifiziell wirkten und etwas maniriert vorgetragen wurden.

Absolut demokratisch wurde über den Residenz-Poeten entschieden. Die Mehrheit war von Andreas Reimanns metaphorisch gereiften Stimmungsbildern angetan. Der Leipziger Dichter wird nun von Januar bis März 2015 in Dresden zu Gast sein, um die Stadt zu erkunden und hier womöglich Spuren der eigenen Herkunft ergründen zu können. Der seit Jahrzehnten lyrisch sowie als Liedtexter arbeitende Autor wagt sich dazu in ein neues Genre und will nun auch prosaisch schreiben. Ob der Großmutter-Text in einem Roman oder eher in erzählerischen Miniaturen mündet, sei derzeit noch dahingestellt. Die Tradition jedenfalls, die ist begründet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2014

Michael Ernst

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