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Anarchie in der Dresdner Neustadt

Neustadt Art Festival Anarchie in der Dresdner Neustadt

Das Neustadt Art Festival versucht, Kunst und Kultur in die entlegensten Winkel des Szeneviertels zu tragen. Einen roten Faden, der sich durch das Programm zieht, gibt es nicht.

Jan Kossick ist einer der Hauptorganisatoren des Neustadt Art Festivals.
 

Quelle: Foto: Hauke Heuer

Dresden..  Jan Kossick wirkt gelöst wie selten, wenn er in den neuen Räumen der Blauen Fabrik an der Eisenbahnstraße sitzt. „Die Flyer und Poster sind gedruckt und verteilt. Das Programm steht. Jetzt muss es nur noch losgehen“, sagt der Tausendsassa, der in den vergangenen zehn Jahren eigentlich schon alles gemacht hat: Klavierspielen in mehreren Bands, Demonstrationen für kulturelle Freiräume und gegen Rechte anmelden, Hörsäle besetzen, Swingparties organisieren, Webseiten programmieren. Seit 2014 ist das Neustadt Art Festival sein Baby, das von Freitag bis zum Sonntag in Dresdens Szeneviertel stattfindet.

„Die Gründer mussten nach zwei Jahren das Handtuch werfen. Die waren einfach ausgebrannt. Bei so einer Veranstaltung gilt es viel zu bedenken. Genehmigungen müssen eingeholt und Finanzierungen gestemmt werden. Da braucht man einen langen Atem und viel Erfahrung. Um die ganze Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen, haben wir uns sofort mit der Projektschmiede zusammengetan, die zum Beispiel die Kommunikation mit den Behörden übernimmt“, erinnert sich der junge Mann.

An dem ursprünglichen Konzept des Neustadt Art Festivals hat sich jedoch seit der ersten Ausgabe im Jahr 2012 nichts geändert. „Wir halten uns fast komplett aus der Organisation der einzelnen Programmpunkte heraus. Jede Kultureinrichtung, jedes Geschäft, jeder private Teilnehmer ist völlig frei in der Gestaltung des Wochenendes. So erschaffen wir eine Vielfalt, die anders kaum zu erreichen ist“, erklärt Kossick.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick in das Programmheft. Eine rote Linie, die sich durch das ganze Wochenende zieht, gibt es nicht. In der Nikkifaktur in der Lößnitzstraße 14, wo sonst T-Shirts bedruckt werden, gibt es während des gesamten Wochenendes Livemusik und am Sonnabend um 21 Uhr ein Unplugged-Konzert. Die alles andere als ruhigen Off-Beat-Rocker von Radiophone versuchen sich im Leisetreten. In der Kunstgilde Hansa 3 an der Hansastraße werden am Sonnabend Märchen gelesen. Am Freitag ab 16 Uhr öffnen die Mieter der Frühlingsstraße 17 ihre Wohnung für Gäste. Was es da gibt? „Das weiß ich auch nicht“, sagt Kossick und fügt schelmisch lachend hinzu, „genau darum geht es bei diesem Festival. Wir wollen nicht die großen Locations, wie etwa die Scheune, bespielen, sondern die kleinen Winkel des Viertels entdecken und ein wenig Anarchie wagen.“

Eine Ausnahme unter 25 Veranstaltungsorten ist die große am neuen Standort wieder sehr aktive Blaue Fabrik. Hier wird während des Wochenendes nicht nur die Ausstellung „parablau – to pick“ gezeigt, sondern auch an allen drei Tagen Livemusik aller Couleur gespielt. Einer kleiner Geheimtipp: Hier findet am Sonnabend ab 20 Uhr eine Aftershowparty mit allen Beteiligten statt.

Trotz aller Vorfreude, ist die Stimmung der Organisatoren noch ein wenig getrübt. Das Festival wird rein ehrenamtlich organisiert. Dennoch fehlt Geld für Materialen, Verpflegung und Werbekosten. Auf der Plattform Startnext läuft noch bis Donnerstag eine Crowdfundingkampagne. Die Projektschmiede hat eigens ein Spendenkonto eingerichtet.

Programm: neustadt-art-festival.de
 
Crowdfunding: startnext.com/naf16
 
Spenden an: Projektschmiede GmbH, Ostsächsische Sparkasse Dresden,
IBAN: DE58 8505 0300 3100
Betreff: NAF2016

Von Hauke Heuer

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