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Analoges Schauinsland: Fotos von Winfried Melzer als "Deutsche Bilder" in der Galerie Falkenbrunnen

Analoges Schauinsland: Fotos von Winfried Melzer als "Deutsche Bilder" in der Galerie Falkenbrunnen

In diesem Jahr feiert die Galerie Falkenbrunnen ihr 15. Jubiläum. Gegründet von einer Künstlerinitiative, zu der unter anderem Dieter Weise und Günther Schöttner gehörten, wird sie seit zehn Jahren vom Dresdner Fotografen Winfried Melzer betreut.

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Kein Wunder, dass in den 48 Ausstellungen deutschlandweit und international geschätzte Fotografen wie Claus von dem Busche, Kurt Buchwald, Thomas Kläber, Thomas Lübke, Ute Mahler, Olaf Martens, Manfred Paul, André Reiser, Rudolf Schäfer und Helfried Strauss, Melzers einstiger Lehrer, präsentiert wurden. Aber auch zahlreiche bekannte Maler und Grafiker waren vertreten: Klaus Dennhardt - mit fotografischen Bildern -, Hubertus Giebe, Johannes Heisig, Jean Kirsten, Michael Morgner, Wolfgang Petrovsky, Jürgen Schieferdecker, Lothar Sell, Frank Voigt, Horst Zickelbein. Die Verbindung zu vielen der Letzteren entstand in den 1980-er Jahren, als Melzer seine bekannte Porträtserie von Dresdner und Leipziger bildenden Künstlern aufnahm. Ungewöhnlich war, dass die Porträtierten parallel einen Abzug bearbeiteten. So entstanden spezielle "Doppelselbstbildnisse": Eins, dass auf der Sicht des Fotografen beruht, und eins, das von der subjektiven Handschrift des Porträtierten im Wortsinn überzeichnet ist.

Im Mittelpunkt der aktuellen Schau stehen nun "Deutsche Bilder", großteils aufgenommen in den vergangenen zehn Jahren. Sie entstanden - nach wie vor generelles Arbeitsprinzip Melzers - auf analoger Basis, während der Computer Hilfsmittel der Bearbeitung bleibt. Ausgeführt sind sie als Pigmentdrucke auf unterschiedlichen Bildträgern - meist Papier, aber auch PVC. Sichtbar werden verschiedene thematische Schwerpunkte, die auf die eine oder andere Art zur deutschen Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung stehen, sich in diesem Rahmen auch mit jüngsten Entwicklungen in der Kunst auseinandersetzen. Einige ältere Arbeiten schließlich greifen auf eine Serie zurück, die sich mittels der Aktfotografie darstellbaren menschlichen Beziehungen und Verhaltensweisen widmet.

Titel wie "Unterm Westwind" oder "Abgewickelt" weisen programmatisch auf das heutige, vereinte Land. Einmal wird der Verfall, der wohl eher keine "Goldene Aussicht" darstellt, als solcher sichtbar, ein anderes Mal zeigt sich dieser als willkommene ruinöse Kulisse für ein Kunst-Projekt, das wiederum als Location für Werbefotografie nutzbar ist. Ein anderes "Deutsches Bild" hält Bamberg bereit - auf den ersten Blick Romantik pur, auf den zweiten entpuppt sich diese als Militärobjekt mit hochgezogenen Mauern, Stacheldraht und Scheinfenstern.

"Deutsche" Dimensionen spiegeln auch ein Hünengrab oder der Oybin im Schnee - beide wiederholt Gegenstand der Malerei der Romantik. Formell dem Hünengrab verwandt, real von den ägyptischen Pyramiden inspiriert und in der Epoche nah an Friedrich, sind die von Fürst Pückler aufgeschütteten Grabpyramiden in Muskau und Branitz. Wiepersdorf wiederum, das Landschloss der von Arnims, zog die Literaten dieser Zeit an. Der hier und anderswo auftauchende Zwerg, eine Figur auch in den Märchensammlungen der zur literarischen Romantik gehörenden Brüder Grimm, mauserte sich schließlich zum Inbegriff deutscher Kleinbürgerlichkeit - als deutscher Michel wie als Gartenzwerg.

Ein anderes "Bildkapitel" ist dem "deutschesten" aller Bäume - dies ebenfalls vermittelt über die Romantik, etwa das von Heine gesammelte Volksliedgut - gewidmet. Und es hat natürlich seinen Sinn, wenn die "Deutsche Eiche" mit ihren - verheilten - Verletzungen fotografiert ist. Nicht zuletzt weist das auch auf den teils chauvinistischen Touch dieser wie anderer Überlieferungen, die später der emotionalen Fundierung imperialer Weltbilder dienten. Gerade das Bild dieses Baum-Symbols unterstreicht den konzeptionellen Ansatz in der Fotografie Melzers. Natürlich kann man hierin zuerst ein Naturfoto sehen, zeigt sich die Eiche in der Reihe doch durch die Jahreszeiten und damit auch im Kontext des Themas der Vergänglichkeit. Per Titel und Kontext kommt aber die Ebene der deutschen Geschichte hinzu.

Andere Fotogruppen offenbaren eine kritische Sicht auf den Kunstbetrieb. Da sind die zum Designelement gewordenen, bekannten (leuchtenden) Männchen Bruce Naumans, die oft im öffentlichen Raum der großen Metropolen leuchten. Ein Dreiergespann - "Hommage à Havekost", "Se la Forma" und "Modern art photography 30011" - nimmt Bezug auf die aktuelle Malerei mit ihren flächenhaften Gebilden, während die Serie "Modern Art (Hamburg)" die verschiedentlich empfundene Leere und Langeweile in Ausstellungen sichtbar macht.

Insgesamt vermitteln die "Deutschen Bilder" neben der Ästhetik in einer zweiten Ebene willkommene geistige Anregungen. Für die Zukunft ist auf weitere Ausstellungen dieser Art und Resonanz der Öffentlichkeit zu hoffen, ebenso auch auf die anhaltende Unterstützung des hinter dem Objekt stehenden Unternehmens Bayern Immobilien. Lisa Werner-Art

bis 22. Dez., geöffnet Mo.-Fr. 9-18 Uhr

www.artfoto-wm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2011

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