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An der Dresdner Semperoper gastiert im Juli das Musical "Die Schöne und das Biest"

An der Dresdner Semperoper gastiert im Juli das Musical "Die Schöne und das Biest"

Schön, definitiv schön, das sind in dem Märchen "Die Schöne und das Biest" gleich zwei. Zum einen Belle, die hält, was ihr Name verspricht, aber kein Aufhebens davon macht.

Zum anderen Gaston, gleichermaßen eitel wie oberflächlich. Er kann gar nicht verstehen, dass er bei Belle abblitzt, dass sie sich stattdessen in ein Biest verguckt. Belle hat ihm eines voraus: Sie ist in der Lage, Schönheit im Verborgenen zu erkennen, den weitaus wichtigeren Kern eines Menschen zu erfassen.

Die Geschichte von der Schönen und dem Biest ist alt, das Märchen wurde x-mal verfilmt, besonders hinreißend fiel die Zeichentrick-Verfilmung durch die Disney-Company 1991 aus. Denn in ihr tauchten Figuren auf, die der Sache einen ganz eigenen Pfiff gaben: der Kerzenleuchter Lumiére, die Pendeluhr von Unruh, das Stubenmädchen Babette, das sich in Gestalt eines umherwuselnden Staubwedels wiederfindet, und die Teekanne Madame Pottine mit ihrem Sohn Tassilo. Sowie die einstmals gefeierte Operndiva Madame de la Grande Bouche mit der legendären Wespentaille, die Kraft des Fluches zur ausladenden Barock-Kommode mutiert.

Es sind nicht zu knapp eben diese Figuren, die der in der Semperoper gastierenden Musical-Fassung ihren ganz eigenen Charme verleihen. Man gewinnt sie ebenso rasch lieb wie die Heldin Belle (Kitti Jenes). Sie sind die Diener des Prinzen, der zur Strafe dafür, dass er eine alte Bettlerin in einer Winternacht abwies, in eine Bestie verwandelt wurde. Für Dienerschaft gilt: Mitverflucht, mitverwandelt. So ungerecht kann das Leben sein.

Die Darsteller der Produktion des Budapester Operetten- und Musical-Theaters erblickten samt und sonders im Land der Magyaren das Licht der Welt, sprechen und singen auf Deutsch. Beim Gesang fallen die gelegentlich eigenwilligen Betonungen nicht allzu sehr ins Gewicht, bei den Textstellen schon. Manchmal wünscht man sich glatt Übertitel, aber das ist bei den meisten Aufführungen einer Wagner-Oper auch nicht anders. Die Musik (Alan Menken) ist mal unglaublich süßlich, dann wieder geradezu pathetisch-bombastisch. Aber was am Broadway oder in Budapest funktioniert, tut dies auch in Dresden. Man lauscht gern den Tönen, die das von László Makláry geführte Orchester fabriziert.

Und man sieht sich vor allem gern satt. Mit einer solchen Opulenz der Kostüme wird man in Opernhäusern ja nur noch selten verwöhnt, insbesondere in den Massenszenen (Choreographie: Eva Duda). Vor allem die Showeinlage "Sei hier Gast", bei der die Bühne zum Tischlein-deck-dich-Theater samt Cancan-Gehopse wird, ist einer der Höhepunkte der etwa zweieinhalbstündigen Inszenierung von György Böhm. Ansonsten wartet "Die Schöne und das Biest" mit allem auf, was eine gute Geschichte braucht. Einer Heldin, die durchaus ihren eigenen Kopf hat, weshalb sich die Erlösung des Prinzen schwierig anlässt. Und einem Anti-Helden (Sándor Barkóczi), der sich als pelziges Biest rasch in die Herzen der Zuschauer spielt. Rein stimmlich ist Attila Németh als Gaston dem Prinz-und-Biest-Darsteller etwas überlegen, während der Sopran von Jenes genauso lieblich ist, wie es dieser Part erfordert. Der Komikfaktor stimmt, durch die erwähnten Nebenfiguren sowie insbesondere Laszlo Sánta als Gastons speichelleckendem Handlanger Lefou, der wieder und wieder eins auf die Nuss kriegt.

Ein Kompliment auch den Bühnenbildern und Kostümschneidern und insbesondere der Lichtregie. Wie da plötzlich scheinbar aus dem Nichts eine neblige Sumpflandschaft auf die Bühne gezaubert wird, das ist schlichtweg atemberaubend. Christian Ruf

Bis 28. Juli, Karten Tel. 0351/4 91 17 05

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2012

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