Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Google+
An Dresdens Kunsthochschule hat der Ausstellungsparcours zum Semesterende begonnen

An Dresdens Kunsthochschule hat der Ausstellungsparcours zum Semesterende begonnen

Für den elitären Frauenkirchenblick aus dem Panoramafenster des sogenannten Feldbauerateliers oder den Elbeblick diverser terrassenseitiger Ateliers würde manch ein solventer Dresdenbesucher sicher einiges hinlegen.

Voriger Artikel
"Bewegtbilder" in Dresden: Die deutsch-amerikanische Konzeptkünstlerin Maria Nordman lädt zur Interaktion im Albertinum
Nächster Artikel
"Power sucht Frau" bei Breschke und Schuch

Ein "Rollendes Kaleidoskop" zieht in den HfBK-Räumen der Dresdner Johannstadt die Aufmerksamkeit auf sich.

Quelle: Amac Garbe

Wenn er zufällig erfährt, dass er noch bis 20. Juli kostenfrei in den Genuss kommen kann - und dies sogar lediglich als Beiwerk zu spannender bis spannungsreicher Malerei, Grafik, Fotografie und Installation - wäre er selber Schuld, wenn er dies nicht wahrnehmen würde.

Für die Studierenden der HfBK ist es ein gewohnter Anblick. Tagtäglich arbeiten sie in den Ateliers entlang der verwinkelten Gänge um die "Zitronenpresse" an der Brühlschen Terrasse sowie an den anderen beiden Hochschulstandorten auf der Pfotenhauerstraße, in deren großen Ateliers die Bildhauer residieren und auf der Güntzstraße, dem Domizil der Bühnen- und Kostümbildner. Einen Ausschnitt ihres Jahresschaffens präsentieren sie nun der Öffentlichkeit.

Wie in jedem Jahr wurde der Ausstellungsstaffelstab zunächst von den Bildhauern aufgenommen, die bereits am Freitag mit einer großen Vernissageparty in ihre Ateliers einluden. In dem Rahmen wurde auch der DAAD-Preis an einen ausländischen Studierenden vergeben: Der gebürtige Syrer Manaf Halbouni erhielt für seine herausragenden Studienleistungen und sein darüber hinaus gehendes soziales Engagement, unter anderem beim Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen, die mit 1000 Euro dotierte Honorierung. Seine stets politisch aufgeladenen Arbeiten sind aber erst im Rahmen der Diplomausstellung ab 19. Juli zu sehen.

In den großen, lichtdurchfluteten Ateliers tummeln sich derweil figürliche Plastiken neben Materialschlachten ähnlichen Gebilden, multimedialen Installationen und Grafiken, allesamt von Studierenden der ersten vier Jahrgänge. Manch ein Werk hinterlässt Fragezeichen, viele eröffnen den Raum für spannendes Weiterdenken. Herausragend sind auch diesmal einige Arbeiten der Honert-Klasse, darunter die Werkgruppe von Lisa Poelker. Die 22-Jährige schuf drei "Flurstücke" aus Materialien, die sie auf jeweils einer bestimmten Brachfläche gefunden und teilweise mit viel Aufwand in ihr Atelier geschleppt hatte. Entstanden sind eine Autoreifeninstallation, in der hinter Glas die Fundstücke im Wasser treiben und zwei Kaleidoskope aus Bilder erzeugenden Überbleibseln verlassener Urbanität. Damit verweist sie auf die häufig verfehlten stadtplanerischen Interessen, die Anwohnerwünsche und Bausubstanz oft außen vor lassen. Ein "Flurstück" speist sich deshalb aus Fundstücken des Geländes hinter dem Neustädter Bahnhof, auf dem der umstrittene Globus-Markt entstehen soll. "Ich wünsche mir, dass da auch etwas entsteht, das einbezieht, was schon da ist", erklärt Lisa Poelker.

Hinter ihr hat Simon Mann mit Pippi sowie Max & Moritz die "Helden meiner Jugend" jeweils als wenig kindgerechten Torso an der Wand aufgehängt und Moe Matsuhashi präsentiert eine Art reliefverzierten Gipstriumphbogen mitten im Raum, um nur einige Beispiele des geradezu überbordenden Outputs dieser Klasse zu nennen.

Die Bosslet-Klasse präsentiert sich äußerst heterogen. Man mag kaum glauben, dass all diese Arbeiten unter einem Dach entstanden sind: Kerstin Gommlich lässt den Betrachter dank ihres Titels "Intim (Vagina-Abdrücke 1-8)" nicht im Ungewissen darüber, was ihre Siebdruckarbeiten abbilden, Daniel Grams schuf mit "l'ocre" eine monumentale Skulptur samt großformatiger Grafitzeichnungen aller Perspektiven auf das undefinierbare Gebilde und Tobi Keck entführt mit "Duty Now For The Future" in ein Silberfolienszenario mit Waffen- und Schutzhelmproduktion. Auch die Klasse Wolff steht dem nicht nach, indem Johannes Specks Haarsträhnen auf einen Kleiderständer hängt und Meltem Arslan sowie Dominik Schäfer mit ihren eindrücklichen, lebensgroßen Figuren dafür sorgen, dass sich die Besucher bis in den hintersten Ateliernebenraum drängen.

Doch auch die anderen beiden Hochschulstandorte haben am Samstag den Staffelstab übernommen und geben Einblicke in ihr Schaffen. Die Bühnen- und Kostümbildner öffnen ihre materialstrotzenden Ateliers auf der Güntzstraße 34 und zeigen ihre Entwürfe und den facettenreichen Weg von der Idee zum fertigen Bühnenbild oder Kostüm. Großer Höhepunkt ist hier das Sommerfest mit Kostümschau am Sonnabend, das in diesem Jahr unter dem Motto "Drahtseilakt" steht.

Aus den schier unzähligen Arbeiten auf der Brühlschen Terrasse ragen zumeist ganze Klassen heraus. Die Kerbach-Klasse aus zwölf Studierenden hat sich zum Beispiel den Vorwurf ihres Professors, nicht politisch genug zu sein, gleich bis ins Mark einverleibt und im Raum 111 die Rauminstallation "BND-Akten" geschaffen. Dazu sind sie morphogenetisch in das Innere des BND eingedrungen und zeigen ihre Ergebnisse in Aktenordnern, auf Notiztafeln und per Computer. Die Klasse Grossarth geht ebenfalls ungewöhnliche Wege und kuratierte gemeinsam einen einzelnen Meisterschüler: Dmitri Krenzers hingehauchte Pinselabdrücke auf Papier sind nun die einzigen, in ihrer Einfachheit bewegenden Arbeiten im Raum 109.

Letztlich ließen sich in jedem Atelier unzählige vielversprechende und ein paar weniger überzeugende Arbeiten aufzählen. Unter dem Strich scheint es ein ertragreiches Jahr für die Kunststudierenden gewesen zu sein, das die Erwartungen an ihre weitere Entwicklung hoch ansetzt und die Vorfreude auf die Arbeiten des Diplomjahrgangs 2014 ab Freitag schürt.

Jahresausstellung der HfBK Dresden, bis Sonntag, geöffnet täglich 11 bis 18 Uhr, kostenfrei an allen drei Hochschulstandorten (Brühlsche Terrasse, Pfotenhauerstr. 81/83, Güntzstr. 34)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2014

Susanne Magister

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr