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Am Sonnabend beginnt das Kunstprojekt Dresdner Totentanz 2014

Am Sonnabend beginnt das Kunstprojekt Dresdner Totentanz 2014

Die mächtigsten Männer, die schönsten Frauen, die klügsten Geistesgrößen, alle wissen, dass Sterben etwas Ultimatives anhaftet. Daran erinnert auch der 1534 entstandene Dresdner Totentanz.

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Ausschnitt aus dem 1534 entstandenen Dresdner Totentanz-Relief.

Quelle: Faltblatt

Ursprünglich befand sich das zwölf Meter lange Relief mit seinen 27 Figuren als Teil eines großen Bildprogramms an der Fassade des Georgentores. 1701 wurde das Schloss allerdings bei einem Brand massiv lädiert und später dann vollkommen umgebaut. Der schon zu dieser Zeit berühmte Totentanz blieb Dank der Initiative des damaligen Pfarrers der Dreikönigskirche erhalten und kam als Geschenk Augusts des Starken in deren Besitz. Seit 1721 wechselte das Bildwerk mehrfach seinen Standort. Zuletzt befand es sich auf dem Inneren Neustädter Friedhof, ehe es nach langwierigen Konservierungsarbeiten einen Platz in der Dreikönigskirche unter der Orgelempore fand.

Der Totentanz ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, die in Bild und Text dem Menschen dessen unausweichliche Sterblichkeit vor Augen führt. Angeführt vom personifizierten Tod, tanzen Mann und Frau, Kaiser und Bettler, Reich und Arm, Alt und Jung dem Gericht Gottes entgegen. An der Friedhofsmauer des Inneren Neustädter Friedhofs war übrigens u.a. folgendes zu lesen: "Ihr seid hier alle gleich: / Wenn einer wär vom Adel, / ein Ratsherr bei der Stadt,/ ein Meister ohne Tadel, / Sold und Bauersmann, / ein Mann mit einem Bein, / muss er doch in Person / mit an den Tanze sein." Jedenfalls prägten diese vor allem unter dem Eindruck der großen Pestepidemien entstandenen, mit Texten versehenen Bilderzyklen auf Friedhofsmauern, in Kirchen, auf Brücken und in frühen Drucken bald das Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten.

Besondere Beachtung verdient der Dresdner Totentanz vor allem dadurch, dass er unter den zahlreichen Totentanzdarstellungen des späten Mittelalters als plastische Gestaltung in dieser Dimension in Mitteleuropa einmalig ist. Auch zeigt der Dresdner Totentanz nicht - wie sonst üblich - den Tod im paarweisen Zwiegespräch mit dem Todgeweihten, sondern als Anführer eines langen Reigens von Vertretern verschiedener Stände.

Unter dem Motto "Liebe, Macht & Reformation" steht nun die diesjährige, wieder von den Dresdner Neuesten Nachrichten präsentierten Ausgabe des Dresdner Totentanz(-Festivals). Am Sonnabend, 8. März, 15 Uhr, wird zunächst zu einem Rundgang mit Stefan Mertenskötter vom Umweltzentrum Dresden e.V. über den Alten Matthäusfriedhof an der Bremer Straße 17 eingeladen (Eintritt frei, Spenden erbeten). Das Umweltzentrum Dresden e.V. betreibt seit Juni 2013 offiziell den Äußeren Matthäusfriedhof in der Friedrichstadt, einen der weniger bekannten historischen Friedhöfe Dresdens, der heute aufgelassen ist. Im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages übernahm der Verein für die kommenden 30 Jahre die Verwaltung und Pflege des ca. 28000 Quadratmeter großen Grundstücks und seiner Bauten und Anlagen.

Musik von Hildegard von Bingen (1098-1179) erklingt dann am Sonntag, 9. März, 15 und 20 Uhr, in der Dreikönigskirche. Vor fast neunhundert Jahren versuchte die Ordensfrau, Klostergründerin und "Prophetissima teutonica" die mystische Harmonie der Welt in Töne zu fassen. Maria Jonas und Thomas Friedlaender wagen unter dem Motto "Stärker als der Tod - Klänge der Liebe" mit Gesang, Zink, Perkussion und Glockenspiel eine Neubegegnung. Die Musik soll mit Sphärenklängen auf den Toten-tanz regieren und auf das Relief beziehen, das auch eine Gruppe von Frauen zeigt: eine Äbtissin, eine Bürgerin und eine Marktfrau.

"Fegefeuer der Eitelkeiten. Ein klingendes Kaleidoskop der Reformationszeit unter dem Totentanzrelief" lautet dann das Motto des (Doppel-)Konzerts am Sonnabend, 15. März, 15 und 20 Uhr ebenfalls in der Dreikönigskirche. June Telletxea (Sopran), Christoph Burmester (Tenor), Thomas Friedlaender (Zink und Schlagwerk), Andreas Arend (Laute) sowie Niklas Trüstedt (Viola da Gamba und Sprecher) bringen Musik von Heinrich Isaac, Josquin des Prez, Georg Rhaw, Martin Luther u.a. zu Gehör. Chansons, Frottole, Motetten - Klänge, die mit Kaiser Karl V. oder Papst Leo X. in engem Zusammenhang stehen, aber auch die beißenden Satiren eines François Rabelais finden Platz und stehen der Musik um Luther gegenüber.

Dabei wird laut Ankündigung auch spezifisch Dresdner Musik zu hören und erleben sein. Im Bild, in dem Herzog Georg der Bärtige erscheint, der Erbauer des Georgentores mit dem Totentanz, wird ein Satz aus der Messe für den vorzeitigen Tod von Moritz von Sachsen erklingen.

@www.dresdner-totentanz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.03.2014

Christian Ruf

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