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Am Mittwoch beginnt der Dresdner Orgelzyklus 2016

Viel Reger und mehr Am Mittwoch beginnt der Dresdner Orgelzyklus 2016

Dresden ist – zum Glück – unglaublich reich an Kultur. In der Regel findet, wer selbige genießen will, ein ihm behagendes Angebot. Manchmal hat man gar die Qual der Wahl. Und geht zum Orgelzyklus.

v. l. Kreuzorganist Holger Gehring, Johannes Trümpler, Frauenkirchenorganist Samuel Kummer).
 

Quelle: Oliver Killig

Dresden.  Dresden ist – zum Glück – unglaublich reich an Kultur. In der Regel findet, wer selbige genießen will, ein ihm behagendes Angebot. Manchmal hat man gar die Qual der Wahl und fragt sich, warum sich die Veranstalter nicht besser abgesprochen haben. Das ginge manchmal, aber nicht immer, schlimmstenfalls nimmt man sich gegenseitig Publikum weg.

Um dies zu vermeiden, haben die drei so nahe beieinanderliegenden Innenstadtkirchen Kreuzkirche, Frauenkirche und Kathedrale einen gemeinsamen – den „Dresdner Orgelzyklus“ kreiert. Der startet mit einem Konzert Matthias Eisenbergs am Mittwoch in seinen elften Jahrgang, und Kreuzorganist Holger Gehring spricht wohl im Namen auch der beiden anderen Organisten, wenn er nicht ohne Stolz auf das gute Miteinander verweist: „Es ist ja nicht damit getan, dass man ein gemeinsames Plakat macht, es hängen unheimlich viele Absprachen innerhalb der einzelnen Gemeinden und untereinander dran.“

Unterschiedliche Charakteristik der drei Orgeln

Dabei steht im Fall Dresdner Orgelzyklus im Mittelpunkt, dass man der so unterschiedlichen Charakteristik der drei Orgeln in den nicht minder charakteristischen Kirchenräumen gleichberechtigt Raum zur Entfaltung gibt. Dem Liebhaber der Orgelmusik ist damit, so betont es Domorganist Johannes Trümpler, „die ganze stilistische Bandbreite an Orgelmusik“ garantiert. Was nicht zuletzt die hauseigenen Organisten ausnutzen, indem sie die Orgelbänke tauschen und auch in den Schwesterkirchen spielen.

Neben ihnen sind, so berichtet Trümpler, für die 43 Konzerte des Jahres 2016 über 30 Organisten aus Europa, den USA, Australien und Russland eingeladen. „Viele bringen Musik aus ihren Heimatländern mit“, kündigt Trümpler quasi eine musikalische Weltreise an. Vor allem in den Sommermonaten können Hörer sich diesbezüglich neue Eindrücke holen, wenn vom 13. Juli bis 14. September die „Internationalen Orgelwochen“ mit vielen Gastmusikern stattfinden.

„Reger-Fan“

Neben der stilistischen Vielfalt werden zwei thematische Schwerpunkte den Orgelzyklus prägen. Ein solcher kommt im Jahr 2016 nicht aus, ohne an den 100. Todestag Max Regers zu erinnern. In der Frauen- und der Kreuzkirche steht das Orgelwerk des Komponisten im Fokus: „14 Konzerte in der Frauenkirche werden nahezu alle großen und bekannten Orgelkompositionen Regers aufbieten“, blickt Frauenkirchenorganist Samuel Kummer voraus. Los geht es am 17. Februar mit einem Konzert Christoph Bosserts, der relativ früh entstandene Choralfantasien und Sonaten zu Gehör bringt. Kummer selbst spielt am 9. März das populäre Opus 59, in dem Reger zwölf weltlich und geistlich intendierte Stücke vereinte – für Kummer die Verkörperung von Regers Credo, dass alle Musik absolut sei. Nach ersten intensiven Höreindrücken im Alter von 14 Jahren ist Kummer nach eigener Aussage „Reger-Fan“. „Auf der Kern-Orgel der Frauenkirche ist das natürlich eine Herausforderung, weil es eben kein deutsch-romantisches Instrument jener Zeit ist, wo die Musik zweifelsohne am aussagekräftigsten klingt. Aber es ist mir persönlich wichtig, Reger hier trotzdem umfänglich zu würdigen“, sagt der Frauenkirchenorganist.

Große emotionale Bandbreite

In der Kreuzkirche, wo Reger übrigens zu Lebzeiten einmal selbst konzertierte, wird laut Holger Gehring in neun Programmen je eins seiner Werke erklingen, mehrere Male liefert es dabei das Motto für jeweils das gesamte Konzert. So stellt der Kreuzorganist in seinem ersten Orgelzyklus-Konzert an der Jehmlich-Orgel am 10. Februar neben Regers Vertonung von „Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern“ solche von Buxtehude, Bach und Reimann. Auch Gehring hat eine intensive Beziehung zum Regerschen Orgel-Opus: „Es gibt nur wenige Komponisten, die für eine so große emotionale Bandbreite von innig bis urgewaltig stehen, wie Reger es tut“, schwärmt der Kreuzorganist. Sein Kollege aus der Kathedrale gibt zu: „Manchmal reibe ich mich ein bisschen an Regers Musik, denke: Müssen das jetzt wirklich zwölf Stimmen sein? Aber sein Umgang mit der Orgel, mit Harmonien, mit Texten hatte schon etwas Visionäres, das hat seinen ganz eigenen Stellenwert“, so Johannes Trümpler, der freilich seine barocke Silbermannorgel aus dem Reger-Jubel raushält. „Das überlasse ich den prädestinierteren Instrumenten“, spricht der Domorganist, um auch selber die Gelegenheit zu ergreifen und am 6. Juli in der Frauenkirche Toccata und Fuge a-Moll zu interpretieren. Freilich wird es auch an der Silbermannorgel bei weitem nicht nur Barockes zu hören geben – Trümpler etwa hält Messiaen parat, der Brite William Whitehead musiziert Zeitgenössisches von Jacques van Oortmerssen und John Frandsen.

800-jähriges Bestehen der Kreuzkirche

Neben dem Themenschwerpunkt Reger spielt im Orgelzyklus natürlich das 800-jährige Bestehen der Kreuzkirche eine Rolle. Drei opulente Abende „Orgel plus…“ kündigt Gehring zur entsprechenden Würdigung an: Am 20. April einen sich anlässlich des Festes der Kreuzauffindung in der illuminierten Kreuzkirche Orgel und Ausdruckstanz u.a. für die Uraufführung eines bei Gunther Martin Göttsche in Auftrag gegebenen „Dresdner Magnificats“, das zeitgleich auch in der Erlöserkirche Jerusalem erklingt. Gemeinsam mit der Dresdner Philharmonie und unter Leitung Martin Haselböcks interpretiert Gehring am 14. September Franz Liszt. Und zum Abschluss des Orgelzyklus-Jahrgangs am 30. November – und damit schon in der Adventszeit – ist ein weihnachtliches Orgelkonzert geplant, in dessen Rahmen per Großbildprojektion drei Kunstwerke in die Kreuzkirche zurückkehren, die sich heute an anderen Orten befinden. Gehring spielt dazu Orgelmusik aus fünf Jahrhunderten.

Und längst werden zu diesem Zeitpunkt die drei Organisten in bewährter Weise über den Planungen für den Dresdner Orgelzyklus 2017 gesessen haben. Auf dass auch weiter die drei Orgeln zu einem lebendigen und sinnvollen klingenden Miteinander finden.

Dresdner Orgelzyklus 2016

Auftakt am Mittwoch, 20 Uhr in der Frauenkirche: Matthias Eisenberg spielt Reger, Bach und Rheinberger
danach immer mittwochs, 20 Uhr (bis November) wechselnd in Kreuzkirche, Frauenkirche und Kathedrale

Kartenverkauf für Frauen- und Kreuzkirche an den jeweiligen Konzertkassen und Abendkasse; für die Kathedrale nur Abendkasse, kein Vorverkauf

Von Sybille Graf

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