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Altus Axel Köhler freut sich auf neue Spielstätte im Dresdner Kraftwerk Mitte

Voller Vorfreude Altus Axel Köhler freut sich auf neue Spielstätte im Dresdner Kraftwerk Mitte

Axel Köhler ist neben Jochen Kowalski der Erste gewesen, der den Countergesang im Osten Deutschlands sozusagen salonfähig gemacht hat. In Halle war er in den letzten Jahren Intendant der Oper. Nun wechselt er nach Dresden. Joachim Lange sprach mit dem Altus.

Sänger, Darsteller sowie Regisseur: Axel Köhler an seiner künftigen Wirkungsstätte, der Staatsoperette im Kraftwerk Mitte

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Axel Köhler ist neben Jochen Kowalski der Erste gewesen, der den Countergesang im Osten Deutschlands sozusagen salonfähig gemacht hat. Lange vor dem Counterboom der letzten Jahre wurde er als Altus bekannt. Köhler hat sich aber längst auch einen Namen als Regisseur gemacht. In Dresden an der Semperoper, zuletzt mit Webers „Freischütz“, zudem an der Staatsoperette. In Halle war er in den letzten Jahren Intendant der Oper. Nun wechselt er nach Dresden. Joachim Lange sprach mit dem Altus, der ab der Spielzeit 2016/17 fest zum Ensemble der Staatsoperette Dresden gehört.

Frage: Herr Köhler, Sie sind Sänger, Regisseur und waren jetzt auch einige Jahre Intendant der Oper Halle. Wie kam es, dass Sie jetzt nach Dresden gehen?

Wolfgang Schaller, Intendant der Staatsoperette, äußerte mal leichtsinnig: Wenn Du Lust hast, bei uns mal was auf der Bühne zu machen, dann sag Bescheid. Nun hatte er mir ja für die kommende Spielzeit die Regie von „Figaros Hochzeit“ angetragen. Dann ergab es sich, dass man noch eine Doppelbesetzung für den Georges in „La Cage aux Folles“ brauchte, und er fragte mich, ob das nicht was für mich wäre. Ich hab mir das angesehen und zugestimmt. Nach einer Woche Proben meinte dann der Regisseur Andreas Gergen, dass er mich gerne für eine der Hauptpartien einer Musicaluraufführung im nächsten Jahr hätte ... Na ja, und dann hat sich gezeigt, dass so viel zu tun ist, dass wir bis 2018 durchgeplant haben. Schließlich haben wir einen Vertrag gemacht. So kam das.

Sie hatten jetzt Gelegenheit, den Neubau der Staatsoperette im Kraftwerk Mitte zu besichtigen. Was haben Sie dabei empfunden?

Also ich hätte nicht gedacht, dass mich die ganze Geschichte so emotional erwischt. Das Gefühl, eine Stunde lang live dabei sein zu können und mitzuerleben, wie ein neues Theater entsteht, ist unbeschreiblich. Meine Vorfreude auf die Arbeit im neuen Haus ist riesengroß, und ich kann die Dresdner nur beglückwünschen zu dem, was da heranwächst. Die Kraft und das Durchhaltevermögen, welche der Intendant Wolfgang Schaller gemeinsam mit allen Künstlern, Mitarbeitern und Beteiligten investiert hat, haben sich gelohnt, und es wird mir eine Ehre sein, an der Eröffnung des neuen Hauses mitzuwirken.

Sie werden die Eröffnungsshow der Staatsoperette an ihrem neuen Standort in Dresdens Zentrum moderieren. Wird es mit dem Umzug ins neue Haus auch einen Operettenboom in Dresden geben?

Hoffentlich! Das Haus wird mit seinem Standort auf jeden Fall erstmal für Aufmerksamkeit sorgen. Die Produktionen werden mehr ins Blickfeld rücken, das Dresdner Publikum wird sehr neugierig sein, und sicher kommen auch mehr Touristen dazu für das neue 700-Plätze-Haus.

Wie ist Ihre Strategie? Eine Mischung aus Regie und Auftritt?

Ja, ich werde beides machen. Was die Regie angeht, da bin ich bis Sommer 2018 ausgebucht. Mit sehr viel schönen Sachen. Über das übernächste Jahr darf ich noch nicht reden. Aber es wird manches kommen, was viel mit der Leichten Muse zu tun hat. Einiges davon auch in Österreich.

Was ja im Kernland der Operette eine besondere Herausforderung ist….

In Mörbisch werde ich den „Vogelhändler“ inszenieren, darauf freue ich mich schon. Das ist das Bregenz der Operette mit den 6000 Open-air-Plätzen und einer Bühne mit 60 Metern Portalbreite! Es ist eine tolle Herausforderung, so ein Stück auf so eine Bühne zu bringen. Da will man ja auch intimere Kammerszenen hinkriegen. Aber mit Frank Philipp Schlössmann als Bühnenbildner an meiner Seite mache ich mir da keine Sorgen.

Ein großartiger Bühnenbildner, den man allerdings nicht sofort erkennt …

Ja, und das ist sein Credo. Er will nicht mit einer Handschrift in Verbindung gebracht werden.

Was reizt Sie an der Operette?

Operette war ja seinerzeit immer Gegenwartskunst. Und das sollte sie heute auch in irgendeiner Weise sein. Man kann sicher nicht alles in die Gegenwart zerren, aber schon Bezüge herstellen. Den „Vogelhändler“ kann ich allerdings nicht in die Gegenwart holen. Das ist so mit der Zeit verhaftet, da würde man das Stück vergewaltigen. Das macht keinen Spaß – da muss man einen anderen Schlüssel finden. Aber bei „Gräfin Mariza“ ist mir das gelungen.

Und bei Ihrer Fledermaus in Halle! Operette bleibt in Ihrem Fokus?

Ja schon, das hat was mit meinem Humor zu tun und dem Hang zur Ironie. Da bietet sich diese Musik mit ihrer Sentimentalität an. Da gibt es haufenweise Ansätze für Reibungen.

Das eine ist die Neigung. Das andere das Handwerk – wie kommt man dazu?

Bei mir ist neben der Erfahrung als Sänger viel Instinkt dabei. Wenn ich als Regisseur ein Stück angeboten bekomme, dann schau ich es mir an und frage mich, warum muss gerade ich gerade dieses Stück und an diesem Ort machen. Wenn ich einen Zugang finde, dann gehe ich mit meinem Bühnenbildner ran und versuche das umzusetzen. Wenn ich dabei dramaturgisch ins Stottern komme, dann suche ich natürlich entsprechenden Rat. Aber die große Linie plane ich schon von Anfang bis Ende selber durch.

Haben Sie schon mal was abgesagt?

Ich sollte an der Muko in Leipzig mal die „Zirkusprinzessin“ machen. Doch damit konnte ich nichts anfangen. Ich nehme nichts an, wenn ich denke, dass ich das nicht schaffen könnte. Bei einem Angebot nehme ich mir vier Wochen Zeit und schaue, ob ich eine emotionale Affinität dazu finde. Und wenn ich merke, das könnte klappen, dann sage ich zu!

Wenn man so Ihre jahrzehntelange Sängerkarriere überblickt, dann fällt die Mischung aus Barock und Moderne auf. Ist das der besondere Reiz für einen Altus?

Mich hat auch die Moderne immer sehr interessiert. Zumal ich ja von der Geige komme und eine Methode entwickelt habe, wie man diese modernen Sachen lernt. Als Geiger hat man immer seine eine Stimme und lässt sich von links und rechts nicht beirren. Bei moderner Musik ist das gut. Wenn man da anfängt, auf andere zu hören, kommt man schnell raus. Deswegen war ich relativ schnell und sicher im Lernprozess. Und wenn man dann auf Größen wie Hans Werner Henze trifft, die einen bitten, eine Rolle zu übernehmen, und man sogar an dem Schaffensprozess noch ein bisschen teilhaben kann, dann ist das faszinierend.

War die Begegnung mit Henze etwas Besonders?

Ja, die war schon bedeutend. Auch, weil man in sein Haus nach Italien gebeten wurde, um Dinge zu besprechen. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf „Phaedra“ habe ich so den letzten Lebensabschnitt Henzes aus seinem eigenen Munde gehört. Wie er dazu kam, den zweiten Teil zu schreiben. Er hat mit erzählt, wie er in London schon fast für tot erklärt wurde, dass Fausto den Sarg für ihn gekauft hat. Doch dann starb sein Partner und wurde in diesem Sarg beerdigt. Er hat auch von der immer noch herrschenden Homophobie der italienischen Gesellschaft erzählt, die ihn dazu brachte, in seinem eigenen Haus in die oberen Stockwerke auszuweichen, als Faustos Familie kam. Das hat er mir alles früh bei einem Martini geschildert. So etwas vergisst man nicht. Die Arbeit an der Partitur ging dann relativ schnell, aber die zwei drei Stunden Lebensgeschichte davor, das war schon beeindruckend.

Hat er denn auf Einwände, was die Partie betrifft, gehört?

Henze kann ja hervorragend für Soprane und Tenöre schreiben. Das ist extrem gut. Aber den Counter hielt er für eine Art Wunderwaffe. Er hat mir die Partie mit 4 Oktaven Umfang geschrieben, da musste ich sagen: Sorry, das ist einfach nicht zu schaffen. Dann haben wir ausprobiert, was geht, und er hat es geändert.

Was bevorzugen Sie als Sänger – eher Barock oder eher Moderne?

Inzwischen würde ich lieber was Modernes machen, wenn da noch etwas käme. Für den heute üblichen Feinschliff bei den barocken Partien finde ich, dass meine Stimme nach 25 Jahren Countersingen dafür nicht mehr so gut geeignet ist. Jochen Kowalski und ich, wir konnten damals gar nicht alles singen, was wir an großen Häusern angeboten bekamen. Jetzt machen es die großen Häuser nicht mehr so sehr, sondern die Festivals. Da gibt es inzwischen so viel tolle junge Leute.

Sie waren aber mit Jochen Kowalski Pioniere fürs Countersingen…..

Das wird mir immer wieder mal gesagt, aber persönlich sehe ich es eher als glücklichen Umstand. Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Voraussetzungen und Fähigkeiten, wenn ich heute anfangen würde, eine ähnlich interessante Karriere hinbekommen würde. Vor einiger Zeit habe ich mir noch mal die Jephta-CD angehört und die h-Moll-Messe. Dazu kann man zu 100 Prozent stehen. Aber ich bin dennoch froh, dass es damals war. Eigentlich habe ich 2012 aufgehört mit dem Countersingen. Weil ich meinem eigenen Anspruch nicht hinterherlaufen will. Aber vielleicht mache ich in der Operette nochmal eine Ausnahme mit dem Styx. Es ist schön zu sehen, was alles auf mich zukommt. Für Rollen mit Mikroport hab ich meine Baritonstimme wiederentdeckt. Zum Beispiel für den George – das macht Spaß und funktioniert. Die Technik, die ich für den Countergesang immer gebraucht habe, hilft mir jetzt, und der Bariton ist nach wie vor geschmeidig.

Was ja zu Ihrer Tätigkeit als Regisseur passt… Intendant ist noch mal was anderes. Wie ist da Ihr Fazit?

Sagen wir so: Um die 7 Jahre Erfahrung wäre es schade, wenn da nicht noch mal etwas in der Richtung käme. Bewerben werde ich mich aber nicht. Im Moment jedenfalls nicht. Wenn noch mal eine Intendanz, dann müsste auch das drin sein, was drauf steht. In Halle war das im Grunde keine Intendanz, da bei dieser GmbH-Konstruktion weder die finanzielle Autonomie noch die echte Gestaltungshoheit bei mir lag. Der Geschäftsführer war in dieser Hierarchie kein Partner auf Augenhöhe, sondern ein Vorgesetzter, und das würde ich so nicht noch einmal machen. Es hängt ja auch von den individuellen Persönlichkeiten ab, wie ein Hierarchisches Konstrukt mit Leben erfüllt wird, und es ist jetzt bereits absehbar, dass das neue Team an der Spitze der GmbH und der Oper dem Risiko und der künstlerischen Autonomie mehr Raum geben wird.

Was halten Sie für Ihre wichtigsten Erfolge?

Als Intendant habe ich mich über den „Ring“ gefreut. Es ist gelungen, den durchzusetzen, und es hat, auch beim Publikum, funktioniert! Auch die Linie bei den Händelinszenierungen der letzten Jahre halte ich für gelungen. Und dass wir den Kinder- und Jugendchor etabliert haben – das ist wirklich eine große Sache, die in die Stadt hineinwirkt. Da war das Musical „13“ wie ein Urknall….

Sie leben in Dresden und kennen die Stadt, gibt’s da Unterschiede zu Halle?

Anders als in Halle gehört in Dresden Kultur immer noch in annähernd allen gesellschaftlichen Schichten zum guten Ton. Sie können mit jedem auf irgendeiner Party drüber reden. In Halle ist das eher selten. Mit der Uni als Publikumspotenzial hat man es schwer – es gibt keine Konzernzentralen in Halle. Es ist schwierig.

Von Joachim Lange

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