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Altes, Neues und ein Abschied beim Adventskonzert der Hochschule für Kirchenmusik Dresden

Altes, Neues und ein Abschied beim Adventskonzert der Hochschule für Kirchenmusik Dresden

Eine merkwürdige Konstellation, mitten in der Adventszeit Abschied nehmen zu müssen: Christfried Brödel, Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden feierte gestern seinen 65. Geburtstag und übergibt nach dem Ende des Wintersemesters das Amt an seinen Nachfolger.

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Christfried Brödel

Das Adventskonzert mit dem Chor der Hochschule, dem Dresdner Barockorchester und Solisten am Vorabend war damit auch der musikalische Abschied des Dirigenten Christfried Brödel als Rektor der Hochschule.

Für das Konzert in der Annenkirche zum 3. Advent hatte Brödel ein Programm zusammengestellt, das explizit zeigte, wie Kirchenmusik zwischen Tradition und Zukunft lebendig wird. Das Konzert mit dem Titel "Bereitet die Wege" spannte sich zwischen Johann Sebastian Bach als größtem Meister evangelischer Kirchenmusik und neuen Kompositionen, die Bachs Werke aus heutiger Sicht ganz unterschiedlich reflektierten.

Gleich die Kantate "Bereitet die Wege, breitet die Bahn" (BWV 132) am Beginn zeigte Christfried Brödels bewegliche, frische Art, die Musik Bachs aufzufassen. Das Werk verlangt bei aller Kürze vier Solisten für anspruchsvolle Arien, und erst am Schluss steht hier ein Choral, gesungen vom Chor der Hochschule. Mit Barbara Christina Steude (Sopran), die wegen einer kleinen Indisponierung einige Spitzentöne zurückhalten musste, Dorothea Zimmermann (Alt), Falk Hoffmann (Tenor) und Friedemann Klos (Bass) gab es adäquates Solistenquartett, Konzertmeisterin Margret Baumgartl spielte das Violinsolo zur Altarie ausgesprochen klangvoll.

"Aufbruch" von Matthias Drude (geb. 1960) antwortete auf Bachs Kantate und hatte einen "poetischen Kommentar" von Carola Moosbach als Ausgangspunkt. Die energische, harmonisch klar umrissene, stark farbige Akkorde nutzende Komposition verteilt den Text in kleinen Abschnitten auf Chor und Solisten. Ein Motiv als Zäsur, das der Komponist von der Orgel (Martin Strohhäcker) über die Streicher weiter in die Instrumente laufen lässt, leitet zu einem fröhlichen Charakter über, der schließlich in einem Choral (mit der Melodie "Vom Himmel hoch") mündet.

Die Weihnachtskantate "Ich freue mich im Herrn" (BWV 133) gab dem Chor mehr Gelegenheit, seine sehr klaren, gut konturierten Klang zu präsentieren. Zu den Solisten kam Gertrud Günther (Sopran) hinzu. Als zeitgenössischer Kommentar (Text: Carola Moosbach) stand hier als zweite Uraufführung des Konzertes "...wie wir klar werden" von Reiko Füting (geb. 1970). Füting setzt die Musik in völligen Kontrast zum lichten, inhaltlich linearen Text, indem er extreme dynamische Gegenbewegung erzeugt. Nur einzelne Phrasen, Worte, kurze Abschnitte klingen im eigentlichen Sinn, viele Teile wirken in Geräuschen und verfremdeten Silben fast zerrissen. Der Titelvers steht schließlich als Sopransolo (Gertrud Günther) mit wiederholten Worten ganz allein, und selbst ein scheinbar versöhnlicher Epilog der hohen Streicher (erstaunliche Farben entstehen, wenn zeitgenössische Musik auf "alten" Instrumenten erklingt) entschwindet in einem ausgehaltenen Geigenton wie ein Verlöschen.

Bachs Magnificat D-Dur gab dem Adventskonzert einen strahlenden Schluss. Christfried Brödel fand frische, doch nie überzogene Tempi, mit denen die Bildhaftigkeit der Sätze lebhaft zum Tragen kam. Der Hochschulchor glänzte mit vollem Klang und genauer Reaktion, aber auch vielen feinen Details der Dynamik. Großartige Farben und emotional tiefe Momente hatten vor allem das Duett (Et misericordia) und das Terzett (Suscepit Israel), und im Gloria Patri bündelte sich die ganze Strahlkraft des Werkes bis in den prächtig gesetzten Schlussakkord. Dann gab es Blumen - einen riesigen Strauß aus Rosen für Rektor Christfried Brödel, jede einzeln überreicht von seinen Studenten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.12.2012

Hartmut Schütz

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