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Als Napoleon sein Waterloo erlebte

Als Napoleon sein Waterloo erlebte

Bevor die Schlacht bei Waterloo überhaupt begann, wurde schon fleißig geschossen. Denn es hatte heftig geregnet, so dass die Gefahr bestand, dass das Schießpulver feucht geworden war.

Deshalb feuerten die Soldaten beider Seiten ihre Musketen ab, um die Ladung loszuwerden, die über Nacht im Lauf gesteckt hatte. Es wäre dumm gewesen, mit einer Waffe in die Schlacht zu ziehen, die womöglich erst mal versagen könnte.

Das ist nur eines von vielen interessanten Details, auf die der Brite Bernard Cornwell in seinem Buch über die Schlacht von Waterloo hinweist, die geschlagen wurde, weil Napoleon aus dem Exil auf der Insel Elba floh und noch einmal alles auf eine Karte setzte. Selbst all diejenigen, die mit Militärgeschichte nichts am Hut haben, dürften bei vielen Informationen aufhorchen. Nun ist auch Cornwell klar, dass an Darstellungen dieser am 18. Juni im Schlamm Flanderns geschlagenen Schlacht kein Mangel herrscht. Schon damals wusste jeder Überlebende um die Bedeutung des Gemetzels, entsprechend Legion ist die Zahl an Biografien und Briefen, aus denen der Autor nicht zu knapp auch zitiert, was ein plastisches Bild des Geschehens vermittelt.

Im Blickpunkt stehen zum einen die einfachen Soldaten, zum anderen die Oberbefehlshaber der jeweiligen Armeen. Wie man erfährt, verachtete der Herzog von Wellington den Menschen Napoleon, bewunderte jedoch den Soldaten Napoleon, der so viele Siege errungen hatte, es im Gegensatz zu manchem seiner Generale bislang aber noch nie auf dem Schlachtfeld mit Wellington zu tun gehabt hatte. Wellington war ein Meister des "Gegenhangs", hält Cornwell fest. Das heißt, dass er seine Einheiten gern hinter einem Hügel verbarg, was sie der "grausam effizienten" französischen Artillerie ein bisschen entzog. Auf taktische Fragen wird immer wieder eingegangen. So befindet der Autor, dass der sich über ungefähr zwei Stunden hinziehende Angriff der französischen Kavallerie auf die britischen Stellungen eine Katastrophe war, "die den Großteil von Napoleons Kavallerie vernichtete, ohne viel auszurichten, und wertvolle Zeit kostete". Und das alles, weil Marschall Ney auf einer Taktik bestand, die nicht aufging.

Auch der lange grassierenden Debatte, wer denn nun den "Feldzug" gewonnen habe, widmet sich Cornwell. Er hält fest, dass Wellington wohl niemals hier in Stellung gegangen wäre, wenn er nicht geglaubt hätte, dass die von Marschall Blücher angeführten Preußen zu seiner Unterstützung kommen würden, und Blücher hätte den Marsch nach Waterloo nach einer deftigen Schlappe von Ligny zwei Tage zuvor niemals riskiert, wenn er nicht geglaubt hätte, dass Wellington die französischen Angriffe bis zum Erscheinen der Preußen abwehren konnte. Die preußische Intervention war überaus entscheidend, aber Ursache des Zusammenbruchs der französischen Linien war die Niederlage der Garde impériale - und die Garde wurde von Wellingtons Streitkräften zusammengeschossen.

Bernard Cornwell: Waterloo. Eine Schlacht verändert Europa. Wunderlich Verlag, 479 Seiten, 24,95 Euro (E-Book: 21,99 Euro)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.08.2015

Christian Ruf

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