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Alexander Marschner aka Dj Funkost kennt sich aus in der Dresdner Party-Szene

Alexander Marschner aka Dj Funkost kennt sich aus in der Dresdner Party-Szene

Wie wird der DJ-Name von Alexander Marschner denn nun gesprochen? "Funk-Ost" oder "Fun-Kost"? Seit zehn Jahren wandert der studierte Politikwissenschaftler schon durch die Dresdner Partylandschaft.

Rätselraten.

Mittlerweile kümmert sich der 32-Jährige um das Booking der Neustadt-Disko, die in Katy's Garage jeden Samstag über die Bühne läuft. Früher hat er selbst drei mal pro Woche aufgelegt. Heute reichen ihm auch drei Mal im Monat. Neben seiner DJ-Leidenschaft zeichnet und schreibt Alexander auch gerne. Jugendfrei-Mitarbeiterin Laura Thiele hat Alexander getroffen und wollte von ihm wissen, was er aus zehn Jahren DJ-Erfahrung alles mitgenommen hat.

Frage: Funk-Ost oder Fun-Kost?

Antwort: Beides. Das ist je nach Betrachter unterschiedlich. Wobei früher wahrscheinlich mehr Leute "Funk-Ost" gesagt haben als heute.

Ist der Name Programm?

Das war er auf alle Fälle mal. Vor zehn Jahren habe ich im Flower Power angefangen. Dort habe ich eigentlich nur Funk-Platten gespielt. Und mein Herz schlägt auch immer noch für diese Musik. Mit der Zeit haben sich viele Clubs dann aber weiteren Musikstilen geöffnet und dementsprechend musste ich mich da etwas anpassen.

Wie bist du denn vor zehn Jahren zum Auflegen gekommen?

Eigentlich schon viel früher mit 16. In Dresden bin ich aber mittlerweile zehn Jahre aktiv. Damals wohnte ich noch in einer Kleinstadt und bin mit meinen Kumpels ins Rathaus, weil wir zusammen etwas auf die Beine stellen wollten. Die haben uns dann eine Turnhalle gegeben und dort haben wir Partys gefeiert. Von da an war ich verantwortlich für die Musik.

Worauf legst du beim Auflegen Wert?

Auf den Blick für das Publikum. Definitiv. Ich will das Publikum abholen und mitnehmen. Es gibt DJs, die machen einfach nur ihr Ding und haben kein Gespür dafür. Zu denen zähle ich mich nicht.

Mixen gelingt ja auf verschiedenen Wegen. Welchen Weg hast du gewählt? Wie legst du auf?

Mit Platten habe ich das Auflegen gelernt und anfangs auch so praktiziert. Da aber immer mehr verschiedene Stile gefragt sind, bin ich auf CDs umgestiegen. Den digitalen Umstieg mache ich nicht mit. Aber ich respektiere das total. Nur brauche ich das Gefühl, im CD-Koffer zu wühlen. Der verrät mir dann auch oft, was ich als nächstes spiele.

Nun bist du ja schon eine Weile im Geschäft und kennst dich aus in der Dresdner Party-Szene. Wie haben sich Publikum, Club-Landschaft und Feier-Atmosphäre in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Alles extrem. Da gab es die Indie-Welle, die mit dem Kooks-Album einschlug. Dann wurde elektronische Musik populär und es gab keinen Abend, an dem sich nicht einer Paul Kalkbrenner gewünscht hat. Die Clubs kommen und gehen, bis auf ein paar Selbstläufer. Was mir außerdem aufgefallen ist: Mit der Einführung des Bachelor-/Master-Systems gehen die Leute auch weniger oder weniger lang feiern. Die müssen mehr lernen und bleiben durch den Leistungsdruck eher zu Hause. Das merke ich daran, dass die Schlangen vorm Club nicht mehr so lang sind.

Du bezeichnest dich selbst als Kreativkopf. Was macht diesen Kreativkopf alles aus?

Er denkt quer. Macht all das, was nicht rational ist und das macht er gerne. Und neben meiner Tätigkeit als DJ zeichne ich auch leidenschaftlich gerne und schreibe Lyrik. Wenn ich Rentner bin, werde ich bestimmt auch mal einen Gedichte-Band veröffentlichen. Geld verdienen möchte ich damit nicht. Auch die Malerei möchte ich gerne noch ausbauen und plane bereits meine dritte Ausstellung.

Inwiefern beeinflusst das Musizieren die Malerei oder umgekehrt?

Ich höre eigentlich fast immer Musik, ganz oft Jazz. Und dann passiert es, dass mir eine CD total Lust auf Zeichnen macht. Häufig male ich dann gleich drei Bilder auf einmal. Mir geht es dabei immer um den Moment.

Was inspiriert dich dazu? Du produzierst ja auch eigene elektronische Musik...

Visuelles inspiriert mich zum Zeichnen. Ich gehe oft in die Alten Meister, suche mir aus den Werken einen Ausschnitt aus und bastele aus einem Gesichtsausdruck etwas völlig anderes. Klänge, wie zum Beispiel das Läuten der Kirchturmglocken inspirieren mich wiederum zu Klängen, die ich dann in Loops umwandle.

Welcher Song ist ein echter Dauerbrenner? Welches Lied geht gar nicht?

"Banquet" von Bloc Party ist ein Lied, wozu die Leute immer abgehen. Aber wenn sich jemand Helene Fischer von mir wünscht, dann antworte ich immer: "Da seid ihr hier im falschen Club."

Mittlerweile bist du verantwortlich für das Booking der Neustadt-Disko im Katy's. Wie überzeugt man dich?

Extrem wichtig ist, gute Musik sinnvoll aneinander zu reihen und ein Auge für's Publikum zu haben.

Was ist für dich das Schönste am Auflegen? Und was nervt dich?

Das Schönste ist für mich persönlich, den Weg mit den Gästen zu gehen und die Nacht so zu gestalten, dass beide Seiten glücklich sind. Außerdem kommt da noch ein Gefühl dazu, das fast nicht zu beschreiben ist: Der Augenblick, wenn dein Übergang toll funktioniert und das Publikum genau das feiert. Nervig ist eigentlich nur, dass ich manchmal sechseinhalb Stunden am Stück spielen muss. Und ich bin auch echt empfindlich, wenn mir jemand ins Mischpult greift.

Hättest du gerne einen eigenen Club?

Auf keinen Fall würde ich alleine einen Club aufbauen. Das ist mir zu viel Verantwortung. Aber prinzipiell bin ich offen für so etwas, wenn die richtigen Leute mitmachen. Ab und zu gucke ich mich auch in der Neustadt um, aber es ist echt wenig frei. Ein Club, wo Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, auszustellen und dazu kreative Musik zu spielen - das wäre ein Traum!

DJ Funkost am Sonnabend in Katy's Garage, Alaunstr. 48. Los geht's 20 Uhr. Bis 22 Uhr Eintritt frei, danach 4 Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2014

Laura Thiele

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