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Akram Khan und Israel Galván in Dresden im Festspielhaus Hellerau

Akram Khan und Israel Galván in Dresden im Festspielhaus Hellerau

Was für ein Abend! Spannung vom ersten Augenblick an, ein Sextett großartiger Tänzer, Sänger, Musiker. Und das in der einzigartigen Mixtur von Leidenschaftlichen und Besessenen, von Grenzgängern in jeglicher Hinsicht.

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Zwei Ebenbürtige: Akram Khan und Israel Galván in "Torobaka".

Quelle: Jean Louis Fernandez

Da wird nicht eben etwas vorgeführt oder dargestellt - das ist gelebt und lustvoll im Moment errungen. Große Kunst eben - große Künstler! In einem Bühnenraum, der sich wie ein Chamäleon den jeweilig Auftretenden anpasst, in einem von Stéphane Déjours gezauberten Lichtkreis changierender Farben und Stimmungen. Eine Art Arena mit außergewöhnlichen Energien, Konstellationen, Temperamenten.

Was da im Großen Saal vom Festspielhaus Hellerau in einer intensiv ausgelebten reichlichen Stunde passiert, fasziniert die Zuschauer, und es besitzt ganz besonders den Charme und die Kraft zweier Ebenbürtiger. Die in der internationalen Tanzwelt längst Fixsterne und dafür bekannt sind, ihr Metier auf eine Weise zu beherrschen, die ihnen auch die Freiheit gibt, damit atemberaubend eigenwillig umzugehen. Das lässt sich mit nichts und niemanden vergleichen, wurzelt in der Natur ihrer Biografien und Entwicklungen.

Dass sich Akram Khan, als Kind bengalischer Eltern in London aufgewachsen und als Tänzer und Choreograf mit vielen Kulturen und Grenzüberschreitungen befasst, für diesen so ungewöhnlichen Abend mit dem international gefragten spanischen Flamencotänzer Israel Galván verbündet, ist weniger eine Konfrontation von Gegensätzen. Hier geht es vielmehr um ein Ausreizen individueller Möglichkeiten, ein wunderbar launiges, lustvolles, nuanciertes Spiel mit Leib und Seele, wo die Sprache des Körpers, der Hände und Füße beredter ist, als es Worte je sein könnten. Beide kosten dieses Aufeinandertreffen genussvoll aus bis hin zur totalen Erschöpfung, lassen noch in den Fingerspitzen erahnen, dass es kaum um einen konkurrierenden Zweikampf auf Leben und Tod geht, eher um eine spannungsreiche Auseinandersetzung zu Haltungen, Charakteren, Lebensentwürfen.

Akram Khan erhielt bereits als Siebenjähriger Unterricht in Kathak und führte seine langwierigen Studien des nordindischen klassischen Tanzstils auch nach der europäischen Tanzausbildung intensiv weiter. Israel Galván de los Rayes, geboren in Sevilla als Sprössling einer Tänzerfamilie, sucht im Flamenco stets nach dem Ursprünglichen, dem Impuls, befreit ihn gewissermaßen vom Ballast des Erwarteten. Beide arbeiten seit vielen Jahren auch mit eigenen Kompanien. Das macht sie zumindest künstlerisch unabhängig, lässt ihnen auch Freiraum für die Wahl bewährter Partner auf der Bühne.

Denn so eigenwillig wie die beiden Tänzer sind an diesem Abend ebenso die Sänger und Musiker, was im Schlussapplaus deutlich auch vom Publikum honoriert wird. Mit B C Manjunath ist ein höchst sensibler Könner auf den Kathak-Instrumenten dabei, der auch mit seinen unglaublichen Stimmkaskaden verblüfft. Und Bobote bringt in das vorrangige Kathak-Geschehen auf der Bühne gekonnt Flamenco-Elemente ein. Die Umkehrung des Gewohnten hingegen beweisen David Azurza und Christine Leboutte, wenn sie mit ihren Stimmen einen erheblichen Spielraum in den Ober- sowie tiefen Tönen auskosten, und sie alle besitzen ebenso eine darstellerische Präsenz.

Es ist schon ein geschickter Schachzug von Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden (oder auch eine zeitliche Erfordernis), das koproduzierte neue Stück "Torobaka" (uraufgeführt am 2. Juni 2014 in Grenoble, ein spanisches Wortspiel aus Stier und Kuh) justament als krönendes Finale einer erfolgreichen Spielzeit herauszubringen, die im Herbst 2013 bereits mit einem Gastspiel von Akram Khan eröffnet wurde. Und zudem ist es eine Deutsche Erstaufführung, hervorgegangen aus der über Jahre währenden Partnerschaft. Man darf das nicht unterschätzen; das Festspielhaus Hellerau besitzt in seiner Besonderheit eine enorme Anziehungskraft! Und Dieter Jaenicke hat als überglücklicher, stolzer "Hausherr" an beiden Abenden das Publikum begrüßt mit der Hoffnung auf kommende Begegnungen: "und dann hoffentlich als Weltmeister"!

Verknüpfungen zwischen der europäischen Tanzmoderne und den musikalischen und Tanz-Einflüssen Indiens haben übrigens eine ausgeprägte Tradition. Bereits vor mehr 80 Jahren gab zum Beispiel Uday Shankar, der Begründer des modernen indischen Tanzes, mit seiner Gruppe gefeierte Gastspiele in Europa. Und eine indische Schülerin von Mary Wigman in Dresden, Zohra Segal, schloss sich aufgrund dieses Erlebens 1935 der Gruppe von Shankar an, war später in Indien eine verehrte Tanzpädagogin. Spuren aus jüngerer Zeit finden sich auch im Gastspiel der berühmten indischen Choreografin Chandralekha mit ihren Tänzerinnen und Musikern im Festspielhaus Hellerau vor rund 20 Jahren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.07.2014

Gabriele Gorgas

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