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Adel Tawil, der am 30. August im Großen Garten in der Jungen Garde spielt, über seinen Erfolg als Solo-Künstler

Adel Tawil, der am 30. August im Großen Garten in der Jungen Garde spielt, über seinen Erfolg als Solo-Künstler

Aus fünf mach zwei mach einen: Sänger Adel Tawil aus Berlin ist als Solokünstler erfolgreicher denn je. Nun singt der frühere Boygroup-Teil (The Boyz) und Ich+Ich-Kopf auch live seine "Lieder", so der aktuelle Albumtitel.

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Startet nicht nur mit Ich+Ich sondern auch Solo durch: Adel Tawil kommt in wenigen Tagen nach Dresden.

Quelle: Archiv/Wolfgang Zeyen

Der 36-jährige Deutschpopper mit Soulstimme und Lockenkopf stand im Spreewald Marco Mach Rede und Antwort.

Frage: Eine ihrer Singleauskopplungen heißt "Weinen". Darf ein Mann das?

Adel Tawil: Ich finde schon. Nicht täglich. Aber wenn man mal Gefühle zeigt, ist das voll in Ordnung. In dem Song geht es darum, dass der Mann total verzweifelt vor dieser Frau steht. Er weiß, er hat Mist gebaut, und er will sie unbedingt wiederhaben. Er würde alles dafür machen, auch vor ihr weinen, was Männer naturbedingt gerne verstecken, um keine Schwäche zu zeigen. Es ist ein Entschuldigungslied.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Auch vor einer Frau?

Bei einem Film, und zwar bei "Hachiko" mit Richard Gere in der amerikanischen Fassung. Ein total kitschiger Film über einen japanischen Hund. Der holt sein Herrchen jeden Tag zur gleichen Zeit am Bahnhof ab und wartet dort sogar noch nach dessen Tod jahrelang auf ihn. Das ist so eine rührende und wahre Geschichte über die Treue eines Tieres zum Menschen, dass ich Tränen in den Augen hatte. Ich habe ja selbst einen Hund - Jacki, einen Jack-Russell-Mischling.

Gerade dürften Sie aber aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommen. Die Single "Lieder" lief gerade im vergangenen Jahr im Radio rauf und runter, das gleichnamige Album hat Goldstatus erreicht. Sie haben den Echo für den besten Newcomer des Jahres erhalten.

Absolut. Besser kann es nicht laufen. Ich kann mich gar nicht mehr an eine glücklichere Zeit erinnern. Es fällt viel von einem ab. Dass der Song "Lieder" solche Dimensionen annimmt, hätte ich nie gedacht. Eher, dass die jungen Hörer nichts damit anfangen können, weil sie die darin verarbeiteten Lieder, Lieblingslieder von mir, nicht kennen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die jungen Leute googeln danach, fragen ihre Eltern.

Sie haben jetzt einen Echo in der Kategorie "Newcomer national". Etwas komisch für einen, der wie Sie schon 17, 18 Musikerjahre auf dem Buckel hat, oder?

Klar. Aber ich fühle mich derzeit wie ein Newcomer und alter Hase zugleich. Das erste Mal alleine ein Album zu machen, war schon komplett neu für mich. Auf der anderen Seite kenne ich das Geschäft natürlich schon lange. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber den Echo für den besten Künstler nehmen. Aber ich beschwere mich nicht, wenn es anders kommt.

Über vielen Songs könnte noch Ich+Ich stehen, manche kommen etwas konstruiert daher. Wollten Sie an der profitablen Erfolgsmusik nichts ändern oder sind Sie bei ihr voll angekommen?

Genau das ist es. Ich habe meine musikalische Identität und die deutsche Sprache mit Ich+Ich einfach gefunden. Viele haben 2011 gedacht, dass ich was völlig anderes machen will. Aber warum? Ich+Ich war für mich nicht nur ein Projekt, sondern Musik, die ich liebe. Anfangs habe ich mich sogar von den Stimmen ein bisschen verwirren lassen, wollte auf Teufel komm raus ganz anders klingen. Aber das war ich nicht, die hippe Sprache zu jung, die Themen zu emotionslos.

Ihr zweites Ich Annette Humpe hat für Ihr Solowerk mitgeschrieben und -gesungen. Wird es irgendwann noch mal eine Ich+Ich-Platte geben?

Annette und ich arbeiten ja nach wie vor zusammen, ich sitze mit ihr immer noch im Studio. Wir texten und überlegen uns neue Sachen. Und wenn es sich gut anfühlt, wenn wir was Neues zu sagen haben, dann kann es wirklich sein. Wenn es unseren Ansprüchen nicht genügt, dann lassen wir es. Ich+Ich hat ja immer besondere Konzeptalben herausgebracht.

Sie sagten einmal, Annette Humpe habe Sie nach Ihrem Boygroup-Absturz als Musiker gerettet. Inwieweit?

Sie hat mich befreit. Ich habe so viel von Annette gelernt. Ich habe gelernt, wie man Songs schreibt. Sie hat mir gezeigt, dass der Inhalt immer vor der Form kommt und der Text das Allerwichtigste für einen Song ist. Ihr Rat ist mir heute noch wahnsinnig wichtig und wenn sie mir sagt, dass ich mich auf mein Gefühl konzentrieren soll, dann versuche ich das auch umzusetzen.

Spielen Sie Ich+Ich-Songs auf Ihrer Solo-Tour?

Ja natürlich. Es macht Riesenspaß, diese Hits abzufeiern. Es hätte jetzt auf dem Plakat genauso stehen können: Adel Tawil und Ich+Ich kommen auf Tour. Es ist auch die Band, mit der ich bei Ich+Ich unterwegs war.

Sie standen schon immer allein mit Band auf der Bühne, weil Annette Humpe starkes Lampenfieber hat. Wie unterscheidet sich ein Adel-Tawil- von einem Ich+Ich-Konzert?

Es ist wie das Album etwas groove-, schlagzeug-, beatlastiger. Meine Frau Jasmin ist mit dabei und singt zwei Songs mit.

So, wie sie ja auch schon auf Ihrem Album "Dunkelheit" in einem Lied mitsingt. Einzelfall oder der Anfang einer beruflichen Zusammenarbeit?

Das war jetzt erst mal ein Lied, bei dem hat sie sich einfach wunderbar angeboten. Vielleicht wird das auch wieder mal passieren. Aber wir sind jetzt kein Duo oder so.

Stimmt es, dass Sie ein Schuh-Fetischist sind und eine Großfamilie wollen? Und was sagt Ihre Frau dazu?

Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Und zwar, was beides betrifft. Zum einen die Großfamilie: Ich habe damals eine Lieblingsserie gehabt, das war Bill Cosby. Der hatte ja fünf Kinder, einen Sohn und vier Töchter. Und diesen Trubel im Haus fand ich so toll, dass ich mir immer gewünscht habe, so ein Papa zu sein und so viele Kinder zu haben. Das wird jetzt zeitlich natürlich etwas schwierig. Ich wäre froh, wenn wir erst mal irgendwann ein Kind haben und das gesund und munter ist.

Und die Schuhe?

Da ist meine Frau auch nicht so begeistert von, weil die extrem viel Platz wegnehmen. Also ich habe halt einen kompletten Schrank, wo nur Schuhe drin stehen - so rund 300 Paare. Ich bin aber umweltbewusst, kaufe nicht Unmengen Neue und schmeiße fast keine weg. Ich habe wirklich Schuhe, die sind 15 Jahre alt, besondere Sneakers. Zum Beispiel gab es diesen tollen Basketballspieler Michael Jordan. Seine Schuhe musste man haben, die sind heute nicht mehr zu bekommen und die sind eben immer noch im Schrank. Das ist wie mit alten Schallplatten. Klar ist auch: Wenn ich einen Schuh sehe, der mir gefällt, dann muss ich den kaufen. Ich habe immer Angst, wenn ich unterwegs bin, dass ich nach Hause komme und Jasmin die Schuhe verbrannt hat. Das wäre der Alptraum.

Ihr Vater ist Ägypter. Verfolgen Sie die Entwicklung in dem Land?

Schon sehr intensiv, obwohl ich kein Politik-Junkie bin.

Sind Sie öfters dort?

Ja, vor der Revolution und danach. Weihnachten bis Silvester war ich zuletzt in Kairo, nach der Tour fliege ich sicher wieder hin. Was ich merke, ist, dass das Land langsam den Bach runter geht, und mit ihm der wichtige Tourismus und deshalb leider auch die eh schon arme Bevölkerung. Man kann aber ja immer helfen. Ich möchte gerne ein Musikstudio in Ägypten eröffnen. Damit die Zusammenarbeit mit den vielen talentierten Künstlern und Bands, die damals auch auf dem Tahrir-Platz gespielt haben, fördern. Da bin ich gerade auf der Suche nach einem geeigneten Objekt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2014

Marco Mach

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