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Adam Zagajewski, ein Großer der europäischen Literatur, kommt nach Dresden

Adam Zagajewski, ein Großer der europäischen Literatur, kommt nach Dresden

Er ist einer der Großen der zeitgenössischen europäischen Literatur. Und seit Jahren ein heißer Kandidat für den Literatur-Nobelpreis. Vielleicht hat er ihn nur noch nicht bekommen, weil der Preis schon zweimal nach Polen ging, 1980 an Czesaw Miosz und 1996 an Wisawa Szymborska.

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Adam Zagajewski

Quelle: David Brandt

Beide schätzte, beide kannte er, und wie Miosz erhebt der 1945 in Lemberg geborene Adam Zagajewski immer wieder auch in brillanten Essays seine Stimme. Eine Auswahl in deutscher Übersetzung ist im Carl Hanser-Verlag unter dem Titel "Verteidigung der Leidenschaft" erschienen, und als eine Art persönlichen Bildungsroman kann man sein wunderbares Buch "Ich schwebe über Krakau" lesen.

Krakau, das ist die Stadt seiner frühen Prägungen, dort studierte Zagajewski an der Jagiellonen-Universität Psychologie und Philosophie. Aber schon in den Jahren seines Studiums waren nicht die psychologischen und philosophischen Fachbücher seine Hauptlektüre, sondern portugiesische oder chilenische Dichter, Dichter des Mittelmeers oder auch des Mittelalters: "Ich war ein schlechter Student. Descartes verlor mit mir die Geduld, Aristoteles zog die Brauen hoch. Sie wussten bereits, dass da nicht ein junger Philosoph seine Stunden über ihren unsterblichen Arbeiten verbrachte, sondern ein Poet." Die philosophischen Abhandlungen liest er fast nie bis zum Ende. Und doch weiß er: "Der Dichter ist ein älterer Bruder des Philosophen. Ein älterer, aber dennoch von diesen mit Nachsicht und Herablassung behandelt. Einer, der nicht zehn Stunden täglich im stickigen Bibliothekssaal verbringt, kann nicht ernst genommen werden."

Zagajewski wurde und wird ernst genommen. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre schloss er sich der Opposition in seinem Land an und versuchte mit Flugblättern und Manifesten "Krakaus vorsichtige Bewohner zu einem kleinen Risiko zu bewegen. In der Rückschau sieht er diese Zeit auch kritisch, es habe an "Menschen mit Einbildungskraft" gefehlt, an Inspiration, Poesie.

Heute gilt Zagajewski als vehementer Verteidiger von Magie und Leidenschaft, als ein Anwalt des künstlerisch lebenden und denkenden Menschen. Aber er ist deswegen noch lange kein Feind der Vernunft oder des gesunden Menschenverstandes. Nur sieht er Letzteres in unserer Welt der freien Marktwirtschaft und des Internets im Vorteil, weshalb es ihm darum zu tun ist, "einen neuen Status quo auszuhandeln", das bedeutet, "mehr Platz für die Einbildungskraft, mehr Verständnis für Träume und Magie" zu schaffen. Die Welt, meint er, befinde sich "im Zustand eines unvollendeten Manuskripts".

Aber wenn dieser Dichter die Poesie verteidigt, dann verteidigt er nicht Bücher, Buchhandlungen oder exaltierte Leser. Schon gar nicht irgendeinen "Betrieb". Nein, Zagajewski verteidigt, "was im Menschen steckt, nämlich die fundamentale Fähigkeit, das Wunderbare der Welt zu erleben, das Göttliche im Kosmos und im anderen Menschen, in der Eidechse und den Kastanienblättern zu entdecken, die Fähigkeit zu staunen und lange Momente im Staunen zu verharren."

Soeben ist ein neuer Gedichtband erschienen, "Unsichtbare Hand" (in der deutschen Übersetzung von Renate Schmidgall). Nach seiner ausverkauften Lesung im Jahre 2010 ist Adam Zagajewski nun erneut in Dresden zu Gast und wird in der Reihe "Literarische Alphabete" des Literaturforums aus seinen Büchern lesen und mit Patrick Beck über Krakau, Antennen im Regen und die "erste und die zweite Wirklichkeit" sprechen. Heute stecken wir häufig, sagt Adam Zagajewski, in einer "zweiten Wirklichkeit" fest. Es ist unsere Aufgabe, die erste, die eigene Wirklichkeit wiederzufinden. Und Poesie und Literatur können dabei helfen.

Lesung morgen, 20 Uhr, Hygiene-Museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2014

Volker Sielaff

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