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Abwegiges mit Dog-Horse-Bear-Band: Karl May am Dresdner Puppentheater

Abwegiges mit Dog-Horse-Bear-Band: Karl May am Dresdner Puppentheater

Es ist bekannt, dass Puppenspieler im Theater jene darstellende Spezies sind, für die einfach nichts, aber auch gar nichts unmöglich ist. Die jegliches Geschöpf hervorzaubern, aus Sprachbildern erstaunliche Theaterrealität machen können.

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Szene mit Patrick Borck.

Quelle: Klaus Gigga

Somit haben sie die allerbesten Voraussetzungen, um ebenso ein Buch von Karl May als kapitales Ross aufzusatteln und es gewitzt-variiert auf leicht abwegige Abenteuerfade zu lenken. Fantasie kommt da zu Fantasie, und das hebt sich auch nicht gegenseitig auf, sondern lässt etwas so Vergnügliches entstehen, dass Karl May im 21. Jahrhundert mitten unter uns ist.

Kein Wunder, dass ein solches Experiment mit dem Puppentheater vom Theater Junge Generation gelingen kann, wenn die mit Puppenspiel so erfahrende Theaterfrau Astrid Griesbach für Regie und Fassung die Zügel übernommen hat. Und zudem mit Patrick Borck, Christian Pfütze und Uwe Steinbach drei Spieler den Gaul nicht etwa zu Schanden reiten, sondern zu schönster Hochform auflaufen lassen. Sie haben spürbar selbst viel Spaß an diesem rasanten Ausritt, sind wie große Jungs und inspiriert von der Regisseurin mit Leib und See dabei. Und wenn Wildwestromantik liebenswert einfallsreich auf die Schippe genommen wird, dann scheint auch das Publikum entzückt zu sein, wobei die Altersbegrenzung ab 12 Jahre schon ganz sinnvoll angesetzt ist.

Sympathisch ist auch, dass die Geschichte von Karl May in der uraufgeführten Theaterversion keinesfalls auf der Strecke bleibt, deutlich sogar mit einem gewissen Respekt behandelt wird. Sie ist eingebettet in große Zeitereignisse, nimmt biografische Bezüge auf und lässt Sachsen zu Ruhm und Ehre kommen. Nun ja, der Roman erscheint etwas verdichtet - im Gegensatz zu Restaurierungen ist hier die Maxime angesagt, dass an der Originalsubstanz nur so viel zu erhalten ist, wie unbedingt nötig. Aber das ist dann auch gelungen. Und die an ihren allwissenden Kommentaren im Domizil vom Puppentheater im Rundkino erkennbaren Karl-May-Fans im Premierenpublikum haben das offenbar freundlich akzeptieren können.

Ein Fantasiefeuerwerk hat bei dieser Aufführung Grit Wendicke mit ihren Ideen für Bühne, Kostüme und Puppenentwurf eingebracht. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das leicht gealterte Exemplar von einem kleinen Wohnmobil, das sich schon bald in einen knarrenden Raddampfer verwandelt, mit Lametta am Fenster stürzende Wassermassen assoziiert, mit aufgestelltem "Skalp" Aktionsraum für das Figurenspektrum á la May bietet oder sich in eine Kutsche verwandelt. Das hinreißende Darstellertrio bringt große Köpfe und kleine Handspielpuppen ins Spiel, lässt Indianer auftanzen und hat so rasante Wechsel drauf, als wäre da eine Riesenhorde zu Gange. Wenn aber Held Winnetou auftritt, herrscht vollkommene Stille - die kleine Plastikfigur auf der Hand, begleitet von einem gewichtigen Howgh, schlägt alle Feinde in die Flucht.

Zuschauerliebling ist spürbar jenes zweigeteilte Pferd, das nur dann ein Ganzes bildet, wenn das Wohnmobil dazwischen ist. Und welches so genüsslich mit den Augen klimpern, die Nüstern blähen, mit den Ohren wackeln und säuselnd singen kann, dass alle dahin schmelzen. Hinzu kommen der Klavierspieler-Hund und der Blues-Bär, und schon ist die Dog-Horse-Bear-Band geboren, deren Kultstatus mit wenigen Tönen anvisiert und mit einer Zugabe zum Schluss absolut gesichert war.

Dass Karl May etliche Jährchen gleich um die Ecke in Radebeul lebte, aus dem naheliegenden Hohnstein-Ernstthal stammt, muss man ja hierzulande keinem mehr erzählen. Und es gibt viele Spuren, Geschichten und Orte, die auf ihn verweisen, Landschaften, die ihm als Inspirationsquell für die Schilderung ferner Welten dienten. Was den "Schatz im Silbersee" anbelangt, so hat Karl-May-Forscher Christian Heermann unlängst preisgegeben, dass den Autor eine Legende vom Moritzburger Großteich zur Schilderung des Tunnels in seinem Roman angeregt haben soll. Wenn das kein Hinweis für neue Abenteuer, für heutige Schatzgräber ist.

Übrigens entstand die Inszenierung als ein Gemeinschaftsprojekt vom Theater Junge Generation mit den Landesbühnen Sachsen. Und sie soll auch im Rahmen des Festivals "Karl May Total" Anfang Mai in Radebeul zu sehen sein. Und sicherlich ebenso an weiteren Orten. Diese Inszenierung mit Wohnmobil ist absolut reisefähig.

Aufführungen: heute bis Mittwoch, jeweils 10 Uhr, Puppentheater

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.03.2013

Gabriele Gorgas

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