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Absolventen der Palucca Hochschule im neuen Ballettabend

Dresden Frankfurt Dance Company Absolventen der Palucca Hochschule im neuen Ballettabend

Der neue Abend der Dresden Frankfurt Dance Company verbindet einen Klassiker, eigentlich einen regelrechten Reißer der Moderne von William Forsythe aus dem Jahre 2000 mit der ersten Aufführung einer Choreografie des Spaniers Rafael Bonachela, die im Februar dieses Jahres von der Sidney Dance Company uraufgeführt wurde.

Aus Dresdner Schule: Michael Joshua Tucker, Zoe Lenzi (Praktikantin), Felix Berning, Michael Ostenrath (Praktikant), Ulysse Zangs und David Leonidas Thiel (v.l.).

Quelle: Raffaele Irace

Dresden. Der neue Abend der Dresden Frankfurt Dance Company verbindet einen Klassiker, eigentlich einen regelrechten Reißer der Moderne von William Forsythe aus dem Jahre 2000 mit der ersten Aufführung einer Choreografie des Spaniers Rafael Bonachela, die im Februar dieses Jahres von der Sidney Dance Company uraufgeführt wurde.

Forsythes „One Flat Think“, bereits bei einem Gastspiel mit der eigenen Company 2006 im Dresdner Schauspielhaus gezeigt, damals wie heute mit dem Zusatz „reproduced“ im Titel, ungewöhnlich schon weil es ein Stück für 14 Tänzer und 20 Tische ist, wird von den Fans, und die gibt es in beträchtlicher Anzahl, auch liebevoll „Table Dance“ genannt.

Nach dieser Koproduktion der Dresden Frankfurt Dance Company mit der Dresdner Palucca Hochschule für Tanz dürfte sich die Anzahl der Fangruppen vergrößern. Fünf Absolventen der Dresdner Hochschule gehören jetzt zum Ensemble der Company und tragen wesentlich zum Erfolg des neuen Abends bei.

War es zunächst ein Praktikant aus Dresden, so sind jetzt mit Zoe Lenzi und Michael Ostenrath zwei dazu gekommen. Zoe kommt aus Kenia und studierte zunächst klassisches Ballett in Italien, u.a. bei ausgezeichneten Lehrern des Balletts der Mailänder Scala. Nach Dresden kam sie 2012 und schloss vier Jahre später ihr Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Nach Workshops bei Ohad Naharin und intensivem Kennenlernen der Techniken William Forsythes erscheint es logisch, dass sie jetzt in der Dresden Frankfurt Dance Company tanzen darf und mit einem Stück des Meisters ihr Debüt geben kann. Dass sie jetzt in Hellerau, jenem Ort, der so wichtig wurde für die Entwicklung des modernen Tanzes, auftreten darf, das empfindet sie wie ein großes Geschenk und ist sich der Herausforderung bewusst.

Michael begann sein Studium an der renommierten Folkwang Universität der Künste in Essen, wechselte aber schon nach einem Jahr nach Dresden, schloss die Ausbildung ebenso erfolgreich ab wie seine Praktikumskollegin und kann begeistert darüber sprechen, wie sich hier für ihn der Horizont des Tanzes erweitert hat, wie wichtig es für ihn war, nach den stark von Pina Bausch geprägten Erfahrungen in Essen neue Eindrücke zu gewinnen. Moderner Tanz ja, aber kein Verzicht auf klassisches Training, und das schätzen beide an Godanis Konzept.

Der Franzose Ulysse Zangs war der erste Praktikant aus Dresden in der neu begründeten Company von Godani. An der renommierten Ballettschule der Opéra national de Paris hatte der jetzt Zwanzigjährige bereits ein sechsjähriges Studium in der Strenge des klassischen Balletts absolviert, die Moderne spielte nur eine Nebenrolle. Das war es auch, was ihn bewog, sein Studium im modernen und zeitgenössischen Tanz um weitere vier Jahre in Dresden fortzusetzen. Er ist dankbar für die Unterstützung des Fördervereins Palucca e.V, der ihm das Praktikum ermöglichte und glücklich, dass er nun in die Company übernommen wurde.

Felix Berning begann seine Tanzausbildung am Gymnasium in Essen-Werden und kam 2014 an die Palucca Hochschule. Mit Beginn dieser Saison gehört er zur Dresden Frankfurt Dance Company. Ja, die Herausforderungen für den jungen Tänzer sind hart, er möchte sie aber keinesfalls missen auf seinem Weg, der jetzt zu seiner großen Freude in diese Company geführt hat, nicht zuletzt wegen der tollen Kolleginnen und Kollegen, zum Teil auch schon mit wesentlich größeren und vor allem sehr unterschiedlichen Erfahrungen, die für ihn einerseits Ansporn bedeuten zum anderen aber immer wieder die intensive Besinnung darauf, den eigenen Weg zu gehen und genau das, was diese Company ausmacht, mit zu befördern: Präsenz der Gruppe durch die unverwechselbare Kraft der Individualität ihrer Mitglieder. Und da stimmen die drei „Neuen“ alle überein, sie fühlen sich gut angenommen von den „Alten“.

Und auch hier führte für zwei der Tänzer, bevor sie sich beim Ballett Mainz oder beim Semperoper Ballett ein beträchtliches Repertoire erarbeiten konnten, der Weg nach Dresden.

David Leonidas Thiel begann seine Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule in Berlin und wechselte mit dem hier verinnerlichten klassisch grundierten Fundus nach Dresden, wo er seine Ausbildung nach sieben Jahren erfolgreich abschloss und von Pascal Touzeau ins Ballett des Staatstheaters in Mainz geholt wurde. Hier lernte er Jacopo Godani kennen und folgte gern dessen Ruf nach Dresden und Frankfurt.

In der Compagny machte der Tänzer für ihn völlig neue Erfahrungen und ist angesichts der glänzend bestandenen Herausforderungen im aktuellen Ballettabend mit den Choreografien von Forsythe und Bonachela am Tag nach der Premiere bei unserem Gespräch noch regelrecht berührt. Ja, so David Leonidas, das verdanke er schon der Zeit in Dresden. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder mit dankbarer Anerkennung der Name des Rektors der Palucca Hochschule, Prof. Jason Beechey.

Michael Joshua Tucker kommt aus Austin, in Texas. Hier begann er auch mit seiner Ausbildung als Tänzer, die er dann an der berühmten School of American Ballet am Lincoln Center in New York erfolgreich abschloss. Aber das reichte ihm nicht aus, bei New York City Ballet und beim Semperoper Ballett setzte er die Ausbildung fort, studierte gleichzeitig an der Palucca Hochschule, begann seine Tänzerkarriere im Corps de Ballet an der Semperoper, wurde zweiter Solist und machte bereits mit eigenen Choreografien auf sich aufmerksam. Jetzt kann man ihn mit seiner so kraftvollen wie sensiblen Präsenz, ganz besonders im aktuellen Ballettabend, der die neue Saison der Dresden Frankfurt Dance Company eröffnet, nicht übersehen.

Ja klar, da sind sich alle einig, der Abend fordert, das geht bis an die Grenzen, aber wenn es so etwas gibt wie produktive Erschöpfung, dann empfinde man sie nach diesen beiden Stücken, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist das Stück von Forsythe, nicht mal 20 Minuten dauert es, aber man muss alles geben, man muss den Anspruch zwischen minutiösen, exakten Vorgaben und minimalen Momenten eigener Kreativität, in eine tänzerische Einheit führen, die Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer müssen dennoch erkennbar sein.

Und auf ganz andere Weise fordert Bonachelas Spiel mit dem Licht und der Dunkelheit das tänzerische Können weit über die Beherrschung der choreografischen Vorgaben hinaus. Hier gilt es etwas davon herüber zu bringen, was es heißt, durch den Tanz einen Einblick zu gewähren in die Weite innerer menschlicher Empfindungen, ihrem Wechsel aus Licht und Dunkelheit, aufzutreten und abzutreten, aufzuhören und immer wieder zu beginnen.

Unser Gespräch am Tag nach der Premiere findet im Saal des Bockenheimer Depot statt, auch hier ist es Zeit aufzuhören, die Ballettstangen für das Training werden montiert, der Pianist stimmt sich ein, in wenigen Stunden beginnt die zweite Vorstellung der neuen Produktion.

Also, danke, bis bald, in Dresden, in Hellerau, dem Europäischen Zentrum der Künste, bei Forsythes „Table Dance“ und Bonachelas Tanz um Licht und Finsternis, „One Flat Thing“ und „Lux Tenebris“.

Michael Joshua Tucker hat das Schlusswort, augenzwinkernd, „Na ja, das erste Stück ist Mathematik, das zweite ist Literatur, Lyrik und Prosa.“

Informationen:

Premiere am 29. 09., weitere Aufführungen: 30.09.; 1., 2., 5., 6., 7., 8., 9., 10.10.

www.hellerau.org

www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

Von Boris Gruhl

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