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Abschlusslesung des Dresdner Stadtschreibers Ralph Hammerthaler

Abschlusslesung des Dresdner Stadtschreibers Ralph Hammerthaler

"Eine Schönheit, die sich selbst genügt" - mit diesem Klischeebild sei er nach Dresden gekommen", erzählt Ralph Hammerthaler. Jetzt jedoch, nach einem halben Jahr, sei das gründlich zersetzt worden.

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Ralph Hammerthaler.

Quelle: Volker Derlath

Diese Zeit als Dresdner Stadtschreiber hat einiges verändert in dem Autor.

Begegnungen vor allem haben das bewirkt. Reichlich Gelegenheit dazu hatte er. Viel unterwegs gewesen ist er. Auf Festen zum Beispiel. Was ihm aufgefallen ist: "Es wird nirgendwo so viel gefeiert wie in Dresden. Festivals ohne Ende. Eine Art Dresdner Festitis." Woher das rühren könnte? "Vielleicht ist die Stadt so schön und der Anblick löst eine Lust am Feiern aus."

Als sehr angenehm hat er die Gastfreundschaft hier empfunden. Ob es der Nachbar im Haus war, der ihn einfach auf ein Bier einlud, weil er den Stadtschreiber kennenlernen wollte, oder eine kleine Initiative in der Friedrichstadt, die ihn zum "Sofa-Gespräch" lud, aus dem eine stundenlange Diskussion wurde. "Auf den Festen habe ich viele Menschen getroffen, das hat mir die Stadt in ihrer Breite gezeigt. In ihrer Tiefe wiederum haben sie mir die vielen intensiven Zwiegespräche erschlossen."

Mit aufgeschlossenen, neugierigen Bewohnern ist er zusammengekommen, auch solche, die ihre Stadt kritisch sehen. Die ebenso wie Ralph Hammerthaler beunruhigt darüber sind, dass Ausländer, die äußerlich als solche zu erkennen sind, Angst in dieser Stadt haben. "Obwohl man kaum welche sieht. Mir, der ich in Berlin-Kreuzberg lebe, fällt das besonders auf. Diese skeptische Atmosphäre Fremden gegenüber halte ich schon für erstaunlich in einer Stadt von dieser Größe. Diese Haltung macht Dresden provinziell."

Sechs Mal ist Ralph Hammerthaler bei Lesungen aufgetreten. Intensive Kontakte hat er, der auch für die Bühne geschrieben hat, zum Staatsschauspiel geknüpft. Die sollen ausgebaut werden. "In der nächsten Saison ist die Uraufführung eines Theatermonologs von mir geplant."

Erstaunlich schnell für ihn selbst hat Dresden Eingang gefunden in seinen Roman mit dem Arbeitstitel "Wut und Ruhe", an dessen Manuskript er hier geschrieben hat. Von etwa dreihundert auf fünfhundert Seiten ist es gewachsen. "Zwei Kapitel spielen in Dresden, inspiriert von Menschen, die ich hier getroffen habe."

Ein Roman über Künstler, die unterschiedliche Kunstformen pflegen und aus verschiedenen Teilen der Welt stammen. In einem Künstlerhaus treffen sie aufeinander. Keiner von ihnen ein Star. "Sie stehen am Rand der Gesellschaft, führen eine prekäre Existenz. Nicht nur materiell, auch geistig." Der eine kippt in die Kriminalität, in die Politik, in die Religion oder eben in den Wahnsinn. Ein in der Süddeutschen Zeitung vorab gedrucktes Kapitel spielt in einer Irrenanstalt. Da heißt es: "Hanna sagte: Sirius ist verrückt, und Ben entgegnete: er ist ein großer Künstler." Bis Sommer 2012 hofft Hammerthaler die rund 600 Seiten so weit fertig zu haben, dass der Roman erscheinen kann.

Auch um die Kunst der Fotografie wird es in dem Buch gehen. Treffende Konstellation für Hammerthalers Abschiedslesung, die in einer Ausstellung stattfand: der Berliner Ingar Krauss, Jahrgang 1965, Dresdner Fotostipendiat 2010, präsentiert in den Technischen Sammlungen die Ergebnisse von drei Monaten Arbeit in der Stadt. 61 Schwarzweißporträts, zusammengefasst unter dem Titel "Dresdner Jugend um 2010".

Der Fotostipendiat ist längst wieder weg. Auch Ralph Hammerthaler kehrt zurück nach Berlin. "Aber es ist kein Abschied für immer. Dazu bin ich zu tief in diese Stadt reingekommen." Tomas Gärtner

Technische Sammlungen, Junghansstr. 1-3, Fotoausstellung bis 26. Februar 2012, geöffnet Di.-Fr. 9-17 Uhr, Sa., So., Feiertage 10-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2011

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