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Abschluss der Dresdner Musikfestspiele

Abschluss der Dresdner Musikfestspiele

Dass der Abschluss der Dresdner Mu- sikfestspiele von regelrecht englischen Regenfällen begleitet wurde, passt zum diesjährigen Thema; dass das Konzert nicht mit absoff, sondern Gegensätzliches zusammenbrachte, verdankte sich dem Programm.

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Rufus Wainwright, kanadisch-amerikanischer Sänger, beim Abschluss der "Empire"-Musikfestspiele.

Quelle: Oliver Killig

Im Kampf um Auf- merksamkeit betreibt der Musikmarkt verstärkt die Ausweitung des Cross- over-Segments, jener um den Schulterschluss zwischen U- und E-Musik bemühten Nische, in der Andrea Bocelli und Lindsey Stirling um die besten Sofaplätze streiten. Sowohl auf als auch vor der Bühne heißt das Kompromiss: Das kleine Einmaleins des Applaudierens ist zwar bekannt, dafür sitzt die Fotohandy-Hemmschwelle beängstigend niedrig.

Die Kluft zwischen geschmetterter Arie und Schema-Pop zu schließen, hatte man den Amerikaner Rufus Wain- wright nach Dresden geladen, seines Zeichens Komponist und Berufsmelancholiker mit phänomenaler Stimme, die am besten in eigenhändig am Klavier begleiteten Liedern zur Geltung kommt. Da der Crossover-Einkäufer seines Zeichens aber "value for money" erwartet, gehört ein Begleitorchester ins Handgepäck. Zum warmen Streichersatz des von Joana Carneiro energetisch geleiteten Residentie Orkest aus Den Haag gab Wainwright einen zweistündigen Querschnitt durch sein Schaffen, das von Pianoballade über große Oper bis hin zur flexiblen Stilkopie reicht - oder, um mit Wainwright selbst zu sprechen, Plagiarismus als Hommage an Vorbilder wie Giuseppe Verdi.

Der Gastgeber kommt damit durch, denn er ist ein sympathischer Conférencier des eigenen Programms, ein Dandy im Auftritt, divenhaft in der sängerischen Deklamation, die über jeden Zweifel erhaben ist. Vor allem die durchkomponierten Sololieder liefern geistvolle Miniaturen - "Little Sister" ein gewitzter, vor der fragwürdigen Geschlechterpolitik der Musikindustrie warnender Gruß an die Schwester Martha, "This Love Affair" ein im Weltschmerz ertrinkender Blues für alle Verlassenen, zu dem der aufs Dach des Albertinums fallende Regen die ideale Perkussion bietet.

Dass Wainwright als Komponist zu Großem imstande ist, beweisen diese spartanischen Songs besser als seine andauernde Liebesaffäre mit der Opernliteratur des 19. Jahrhunderts, die ihn gelegentlich Klangbrei der weniger subtilen Art anrühren lässt. Wird in einem Auszug aus der Wainwright-Oper "Prima Donna" etwa Feuerwerk besungen ("Les feux d'artifice"), macht es der frankophile Komponist nicht unter der Marseillaise mit schmissigen Harfen-Arpeggien, zum frenetisch bejubelten Leonard-Cohen-Cover "Hallelujah" im Zugabenblock muss die Sopranistin Sarah Fox als sphärische Background-Putte die Engelsgeduld der Zuschauer überstrapazieren und schrammt nur haarscharf am Kitsch vorbei. Da gerät Wainwrights Reputation als Allround-Diva zum Fallstrick: unnahbar auf der Bühne, aber musikalisch im Bett mit allen. Stimmiger geraten die von Fox dargebotenen Vertonungen einiger Shakespeare-Sonette - auch hier widerfährt dem Quelltext zwar gelegentlich die Franz-Lehár-Behandlung im 3/4-Takt mit viel Schmelz und jenseits der Ironie, doch die Schönheit von Wainwrights eigenem, nuancierten Gesang entschädigt im Programmverlauf (u.a. beim Rodgers/Hammerstein-Cover "If I Loved You") für vieles.

Dass der drei Wochen währende Dresdner Salut ans britische Empire mit Wainwrights hinreißender Rezitation des imperialismuskritischen "Tired of America" ausklingt, darf man sich gefallen lassen - Ovationen für den Solisten, Vorhang für die Musikfestspiele.

Wenn schon draußen keine Sonne scheint, so tat sie es im Hygiene-Museum. Für ein paar Minuten wenigstens. Titania hatte sich und das Publikum mit zwei, drei Winken in den Zauberwald versetzt. Feen, Elfen und Kobolde beschworen mit ihren Instrumenten sirrende Sommerluft, wärmende Sonnenstrahlen und jede Menge Vogelgezwitscher. So einfach kann das sein.

Wenn man Phantasie hat. Die forderte das diesjährige Kinderkonzert der Dresdner Musikfestspiele auf vielfältige Weise heraus. Bedient hatte man sich dafür - auch für die Jüngsten dem diesjährigen Thema "Empire" gemäß - bei Shakespeare und Purcell, sprich beim "Sommernachtstraum" des Dichters, zu dem der ein knappes Jahrhundert später geborene Komponist die Semi-Opera "The fairy Queen" geschaffen hatte. "Die Feenkönigin" also wurde vom Elbipolis Barockorchester Hamburg, Christine Marx (Titania, Bearbeitung, Regie), Hans-Dieter Heiter (Oberon), Carla Linné (Puck, Barocktanz) und Jörg Bittner (Licht) in Szene gesetzt.

Damit verfolgte das zwei Mal gebotene Kinderkonzert in diesem Jahr nicht explizit einen pädagogischen Ansatz, sondern bot einfach eine vergnügliche Stunde bei witzigem Spiel, bildhafter Musik und so unaufwändiger wie wirkungsvoller Ausstattung. Ihren Anfang nahm die Geschichte damit, dass Titania und Oberon zu spät zum Konzert kommen. Die ahnungslose und schnippische Titania benimmt sich wie die Axt im Walde, bis sie alle in diesen versetzt, wo sie sich wesentlich wohler fühlt. Oberon seinerseits hält nicht viel von musizierenden und tanzenden Elfen, dabei spielten die Damen und Herren vom Elbipolis Barockorchester Hamburg die Purcellsche Musik exquisit. Bis Puck auf den Plan tritt, die Töne gehörig durcheinanderwirbelt, alle in einen seltsamen Schlaf versetzt und dem Konzertmeister Eselsohren verpasst. Am Schluss sind alle versöhnt, Puck kobolzt davon, aus ist die Geschichte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2013

Wieland Schwanebeck, Sybille Gr

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