Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 19 ° wolkig

Navigation:
Google+
Abschied für Reiner Feistel - Chefchoreograf des Balletts der Landesbühnen Radebeul geht nach Chemnitz

Abschied für Reiner Feistel - Chefchoreograf des Balletts der Landesbühnen Radebeul geht nach Chemnitz

Der Tänzer und Choreograf Reiner Feistel wurde 1958 in Altenburg geboren. Zehn Jahre später wurde ein Titel zum Welterfolg, gesungen von Luis Armstrong: "What A Wonderful World".

Voriger Artikel
Christian Thielemann, Dirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden triumphiert auf den Bayreuther Festspielen
Nächster Artikel
Der "Akt um 1900" als Thema im Albertinum der Kunstsammlungen Dresden

Reiner Feistel, der Chefchoreograf des Balletts der Landesbühnen Radebeul.

Quelle: Hagen König

Wiederum zehn Jahre später schloss Reiner Feistel seine Ballettausbildung in Leipzig ab, Erstengagement in Dresden beim Ballett der Staatsoper, er wurde Solist, tanzte in der Semperoper und präsentierte hier seit 1996 erste Arbeiten als Choreograf. Reiner Feistel und die wunderbare Welt des Tanzes, das ist eine Erfolgsgeschichte, eine Lebensgeschichte, eine Liebesgeschichte sowieso, und was passte besser an einem Abend, an dem es gilt, diese wunderbare Geschichte an einem entscheidenden Wendepunkt zu würdigen und zu feiern, als eben jener Song von Armstrong, gesungen mit der unverwechselbaren rauen Zärtlichkeit in der Stimme eines gestandenen Mannes, der das Leben kennt.

Nach seiner Karriere als Tänzer beim Ballett der Semperoper übernahm Reiner Feistel die Position des Chefchoreografen des Balletts der Landesbühnen Sachsen. Waren seine Auftritte als Tänzer stets ein großes Vergnügen, so wurden es die vielen, vielen Choreografien, die er für die 13-köpfige Kompanie kreierte, erst recht.

Am Sonntag wurde Reiner Feistel nach 16 Jahren mit einer Gala im Radebeuler Stammhaus verabschiedet. Unter dem Titel "Danke" ging eine große Show über die Bühne mit Ausschnitten aus 16 Jahren, in denen für die große Bühne, die Studiobühne, die Felsenbühne in Rathen, die Bühne im Dresdner Zwinger, für Kirchen und viele, viele Spielorte bestimmt an die 50 Choreografien entstanden sind, die in weit über 1500 Vorstellungen getanzt wurden. Das Publikum kam. Das Ballett war die sichere Bank der Landesbühnen, besonders beliebt die Handlungsballette von Reiner Feistel, seine Art auch, Klassiker wie "Schwanensee", "Giselle", "Coppélia", "Romeo und Julia" oder Strawinskys Welterfolge "Der Feuervogel" und "Le Sacre du Printemps" zeitgemäß zu tanzen.

Immer wieder erschuf er jene wundervollen Welten, nutzte die Mittel und Maße der neoklassischen Tanzsprache und suchte erfolgreich Verbindungen zu den aktuellen Stilen der Zeit. So gelang es ihm, mit der Zeit zu gehen, man konnte gar nicht auf die Idee kommen, dass hier ein Künstler der Zeit hinterher springe. Elemente des HipHop, die Technik des Moonwalk, dann wieder, humorvoll gebrochen, Machoelemente stolzer Tangotänzer oder die Belebung der Tanzpantomime bis in den Schleudergang der absurden Groteske, fügten sich in die Tanzpoesie der großen Geschichten oder gaben den kleinen Geschichten des Alltags in den intimen Studioproduktionen ein besonderes Maß der Würdigung.

Das weiß das Publikum nicht nur in Radebeul zu würdigen. Zur Abschiedsgala ist der Saal ausverkauft, an der Kasse steht eine Warteschlange, es werden zusätzliche Stühle in den Saal gestellt. Erinnerungen an 16 Jahre, manche im Film, die meisten original, getanzt von den 13 Mitgliedern des Balletts der Landesbühnen Sachsen. Und Reiner Feistel, dem dieser Abend gilt, ist mittendrin, als Kabarettist interviewt er sich selbst, als verschusselter Handwerker macht er Slapstick in Slow Motion und in Erinnerung an die Zeit als Tänzer in der Semperoper kommt er auf dem Fahrrad auf die Bühne. Am 18. Juni 1995 drehte er hier auch fröhlich seine Fahrradrunden in John Neumeiers Choreografie Mozart und Themen aus "Wie es Euch gefällt". Fast 20 Jahre später stellt er das Fahrrad ab auf der Bühne in Radebeul, und als gelte es, verträumt zurückzublicken auf die Stationen in jener wunderbaren Welt des Tanzes, beginnt er wieder zu tanzen. Und jetzt eben zu jenem Song mit der unverwechselbaren Stimme von Armstrong.

Aber, wie Reiner Feistel in diesen Momenten tanzt, in Hochform kommt, springt und dreht, das ist wohl der wunderbarste Moment an diesem Abend voller wunderbarer Momente. Am Ende dieses Abschiedsabends noch einmal solistische Poesie und die elementare Kraft der Radebeuler Kompanie in Szenen aus der letzten Choreografie, "Carmina Burana". Dann zurück zum Beginn, in die Sommernachtsträume des Zauberschelms Puck und dann noch mal mit Gefühl, die Kompanie bildet ihrem Zaubermeister eine Gasse, ein Solist kommt mit der Laterne, Reiner Feistel bläst das Licht aus.

Er geht als Ballettchef nach Chemnitz, wird dort neue, wunderbare Welten schaffen. Fortan mit 22 Tänzerinnen und Tänzern, auf wesentlich größeren Bühnen. Also, dann, glückliche Reise, auf nach Chemnitz.

Und ebenfalls glückliche Reise, dieser Wunsch gilt dem Choreografen Carlos Matos, er wird künftig neue Tanzwelten mit 13 Tänzerinnen und Tänzern in Radebeul schaffen. Und das hat ja diese Abschiedsshow auch bewiesen, die 13 ist ganz und gar keine Unglückszahl, jedenfalls nicht wenn es sich um 13 Tänzerinnen und Tänzer handelt, wie sie an diesem Abend zu erleben waren.

Boris Michael Gruhl

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2013

Boris Michael Gruhi

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr