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"Abendlandmaschine" - Ausstellung von Gregor Kunz in der Galerie Mitte Dresden

"Abendlandmaschine" - Ausstellung von Gregor Kunz in der Galerie Mitte Dresden

Der Dresdner Künstler und Dichter Gregor Kunz beschäftigt sich schon lange mit den archaischen und antiken Mythen und nimmt mit ihnen die Gegenwart aus höchst aktueller Sicht in den Griff.

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Gregor Kunz. Fremde Stimmen, Medeia, 2015

Quelle: Repro: Kunz

Bild und Wort bilden dabei eine Einheit, bedingen einander bedingenden. Nun zeigt er in einer Ausstellung der Galerie Mitte ein umfangreiches Konvolut aus Collagen und Fotomontagen, denen dichterische Partien aus seinen Gedichtbänden beigefügt sind, die sein konzeptuelles Herangehen verdeutlichen.

In der Collage hebt Gregor Kunz den Diskurs von Gegenwart und Vergangenheit ins Sichtbare. Sie ist für ihn die wichtigste Form, ein Spiegel, der ihm die künstlerische Aneignung von Welt und Geschichte möglich macht, wo aber auch Zufälliges die Bildfindung bestimmt. Durch die provokante Anordnung ihrer optischen Versatzstücke werden Bild-und Wort-Konstellationen möglich, die das historische Geschehen als Folie für die Gegenwart kommentieren. In diesem Sinne ist die Kunst von Gregor Kunz immer engagiert, wenn nicht sogar politisch.

Wege zwischen Kunst und Dichtung

Gregor Kunz ist Dichter und zugleich bildender Künstler. 1981 bestand er die Eignungsprüfung an der HfBK Dresden, bekam aber keinen Studienplatz. Sein schriftstellerisches Schaffen dagegen begann er 1979 mit Gedichten und Essays. 1997 bis 2010 war er als freiberuflicher Autor und Journalist tätig. Seit 2000 arbeitet er wieder an Bildern, Collage-Romanen, Serien und Fotomontagen. Seit 2010 ist er auch als Kurator und Laudator tätig. Zwei schmale, aber überzeugende Gedichtbände entstanden im Abstand von 20 Jahren. Ganz unter dem Eindruck der Auseinandersetzung mit der Antike, ihren Zentralfiguren Odysseus und Herakles, Jason und Medea steht der Gedichtband "Fersensprung 7". Recherchen auf Reisen in Griechenland (Kreta) lieferten den realen Bezug, auf dem die Poeme in einer expressiven Sprache gedeihen konnten.

Herakles zieht gegen den Tod

In dem Gedicht "Ich der Jahre" vollzieht Gregor Kunz den Mythos von Herakles an seinem Dichter-Ich, durch Selbstidentifikation und gleichzeitiger Distanz. Eine Anregung zur Beschäftigung zum Thema kam von den großformatigen Bildern von Steffen Fischer. 12 Initiationen hatte Herakles, der Halbgott zu bestehen, die ihm letztlich einen Platz im Olymp sicherten und ihm zum Gott machten. Kunz berichtet in dem Gedicht aus einer angenommenen Perspektive des Helden mit einer distanzierten Empathie, gleichzeitig aber ist nichts mehr von einer Glorifizierung zu spüren. Ekel und Todesgedanken beherrschen den antiken Helden. Wut und Zürnen mit den Göttern finden sich in den Zeilen: "Ich/zerre, was mich zerrt (...) Aufwärts den uralten Sack. Es gibt keinen anderen. Ich:// Aber dem Tod auf die Fresse." Für die Serie "Herakles-Material" (2012) entnahm Gregor Kunz Ausschnitte aus aktuellen und historischen Zeitschriften und Journalen, darunter imposante Fotos von der Revolution und dem Bürgerkrieg in Russland, dem allgemeinen Umbruch im 20. Jahrhundert. Kunz ergänzt seine Massenaufzüge durch ein Personal antiker Figuren, Puppen und mythischen Fantasiegestalten (Geryon).

Für seine Serie von Fotomontagen "Abendlandmaschine" (1-12), die der Ausstellung ihren Titel gab, hat Gregor Kunz authentisches Fotomaterial mit 4000 Fotografien zum 1. Weltkrieg gesichtet. Das historische Material zeigt kaum Kriegshandlungen, eher Anekdotisches und Zufälliges, Schnappschüsse am Rande, wie die beiden Soldaten, die sich gegenseitig Feuer für ihre Zigarellos geben (siehe Einladungskarte). Gregor Kunz hat durch die Fotomontagen den Aufnahmen dieses Anekdotische, Zufällige entzogen und sie zu einem gültigen Ausdruck verdichtet, versucht, das Wesen des Krieges ins Bild zu bringen. In großen Massenszenen, die zum Teil gespiegelt wurden, öffnet sich dem Blick ein Dämon. Der Begeisterung für den Heldentod folgte die Ernüchterung. Geschwärzte Schatten überziehen wie Pulverdampf die minutiös geklebten Blätter. Eine Serie von Soldatenporträts ergänzt das Thema und gibt dem "Menschenmaterial" ein emblematisches, konkret belassenes Gesicht.

Die Argonauten: Glück und Reichtum im Anderland

Neben dem Odysseus-Mythos und der Bezugnahme auf die literarische Fassung von Homer (dazu war jüngst ein Zyklus von Gregor Kunz in der Alten Feuerwache zu sehen) bietet sich die Argonautensage für eine aktuelle Aufarbeitung geradezu an. Unter dem Titel "Fremde Stimmen, Jason und Medea" (2015) werden die Themen Glück, Fremdheit und die Suche nach Reichtum in der Fremde aufgenommen: Jason, einer der 49 Argonauten, in Kolchis, im "Anderland" angekommen, erhält durch die Liebe und Zuneigung der Königstochter Medea eine wesentliche Hilfe. Das Ziel der Sehnsucht vieler heutiger Flüchtlinge, die Megastadt mit ihrer Skyline, befindet sich in Auflösung wie nach einer nuklearen Explosion. Ein anderes Blatt zeigt Flüchtlinge im Boot, dahinter die Nummer eines Kriegsschiffes, im Dunst sich auflösend, der Schatten eines Soldaten.

Im Kabinett der Galerie Mitte werden Druckgrafiken von Angela Hampel ausgestellt, in denen sich durchaus Bezüge zur Antikenrezeption von Gregor Kunz herstellen lassen.

Bis 16. Mai. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, Tel. 0351 / 459 00 52. Die-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Gedichtbände: "Poets Corner 13", "Fersensprung 7", Poesiealbum. www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2015

Heinz Weißflog

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