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A Forest spielten im Thalia Dresden

A Forest spielten im Thalia Dresden

Tourauftakt, das erste Konzert zum neuen Album - und im Saal sind alle Plätze besetzt, Leute stehen im Gang. Ausverkauft. Die Leipziger Drei-Mann-Band A Forest haben wohl einiges richtig gemacht.

"Grace" heißt die Scheibe, die sie den Besuchern präsentiert haben. Und die kam in Dresden richtig, richtig gut an. Sympathisch und sich der eigenen Aufregung ob des wichtigen Konzertes bewusst, gaben sich A Forest ganz natürlich, wie die Kumpeltypen von nebenan. Richtige Entscheidung, denn so wurde das Konzert zu einem ganz privaten Erlebnis (die gemütlichen Kinosessel erledigten dabei noch das Übrige). Minimalistisch und dennoch sehr beeindruckend auch das "Bühnenbild" - vier dünne Birkenstämme, an die Glühbirnen statt Blätter angebracht waren. Wunderbar warmes Licht an den richtigen Stellen - so viel Wirkung kann so wenig Ausstattung haben.

"Es geht um verschwundene Bilder" - das sagen A Forest über die Songs auf ihrem Album. Der Höreindruck bestätigt, was man darunter vermuten mag. Assoziationen, die sich in der eigenen Gedankenwelt auftun, schwirren einem die ganze Zeit über vor dem geistigen Auge umher. Alle Songs besitzen eine klare Richtung, den gleichen Charakter, ähnliche Erkennungsmerkmale. Dennoch sind sie in sich unterschiedlich, schimmern, wie in diffuses Licht getaucht. Mal klingt ein Song wie ein ungeschliffener Diamant, mal wie ein klares und besonders ausgeklügeltes, kleines Kunstwerk. Jede Facette wird genossen und ausgekostet, die sich durch die doch recht minimalistische Instrumentation bietet. Denn drei Männer mit Keyboards und Drums - das gibt es nicht besonders häufig.

Schlagzeuger Friedemann Pruß fällt durch sein abwechslungsreiches und perfekt getimtes Spiel auf - dass hier ein studierter Profi am Werk ist, merkt nicht nur der Kenner. Sein Beat hält die Songs wie ein Gerüst zusammen. Arpen, Sänger und Tastenheld an Keyboard und Musik-Computer, legt die Basis für die meisten Lieder. Atmosphärisch, geheimnisvoll, melancholisch. Die perfekte Grundlage für Fabian Schütze, der meist am Mikro steht und sich hin und wieder ebenfalls an ein Keyboard stellt. A Forest hätten keinen besseren Sänger für diese Band finden können. Schleierhaft und sonor zugleich, sensibel und teils auch verletzlich gibt Schütze den Songs ihren ganz eigenen Charakter.

Kontrastreich bewegen sich A Forest zwischen Klarheit und Verwegenheit, wie auf einem Weg durch einen verwunschenen Wald. Einflüsse aus HipHop, Electronica, Indie und Minimal Techno blitzen hin und wieder durch. Auf einen Stil festlegen will man sich (zum Glück!) nicht. Die Drei sind genau zu diesem Wald geworden, der ihnen den Namen gegeben hat. Mit Wurzeln, Stamm und Blättern. Schillernd, sich wandelnd, bodenständig und geheimnisvoll.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2014

Annette Thoma

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