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75 Künstlerinnen stellen im Erlweinsaal der Messe Dresden aus

„Visionen des Weiblichen“ 75 Künstlerinnen stellen im Erlweinsaal der Messe Dresden aus

75 Künstlerinnen in geballter Zusammenkunft könnten Furcht einflößen, doch genau das umgeht die Ausstellung im Erlweinsaal der Messe Dresden auf respektable Weise. Ein Werk von jeder Teilnehmerin, selbst ausgewählt, und das Resultat überzeugt mit Vielstimmigkeit und Individualität, ohne anzugreifen.

Blick in die Ausstellung „Visionen des Weiblichen“.

Quelle: Karin Heyne

Dresden. Eine Schubkarre, beladen mit einer überdimensionierten Wärmflasche aus Keramik, begrüßt die Ausstellungsbesucher und stellt die richtigen Fragen: Wer wärmt, wer trägt, wer speichert Energien? „ Mobiler Akkumulator“ heißt das Werk von Heidemarie Dreßel. Wärme wird nicht durch Anbellen erzeugt, sondern durch Reibung, das ist einfache Physik. Frauen bellen selten, sagt die Statistik. Eigentlich schade. Aber sie wärmen gern.

75 Künstlerinnen in geballter Zusammenkunft könnten Furcht einflößen, doch genau das umgeht die Ausstellung auf respektable Weise. Ein Werk von jeder Teilnehmerin, selbst ausgewählt, und das Resultat überzeugt mit Vielstimmigkeit und Individualität, ohne anzugreifen. Gestandene Künstlerinnen zeigen 2016 ihre Werke mit Souveränität, Gelassenheit und Ruhe, so der Eindruck von der Ausstellung. Auseinandersetzungen mit feministischen Positionen und Statements von Künstlerinnen zu dieser Thematik seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts scheinen weit zurück zu liegen und werden nicht mehr direkt thematisiert. Im Subtext mancher Arbeiten schwingen sie jedoch sehr wohl noch mit, und auch das Ausstellungskonzept lässt sich durch die Abwesenheit der männlichen Künstler in dieser Tradition sehen. Dass sich Frauen ebenso wie ihre Kollegen mit den neuesten technischen Möglichkeiten beschäftigen, ist bekannt und spiegelt sich z.B. in Charlotte Sommer-Landgrafs digitalen Computergrafik-Experimenten der neunziger Jahre, von den Resultaten ist eine sehr reduzierte Arbeit zu sehen. Die Wiederbegegnung mit der Arbeit der früh verstorbenen Christiane Just überzeugt ebenso wie das filigrane Wiesenstück, ausgeführt im Siebdruck, von Gerda Lepke. Gern würde man von vielen Teilnehmerinnen mehr sehen, aber das Ausstellungskonzept ist eine Reminiszenz an das 20. Jubiläum der Galerie der Kreativen Werkstatt Dresden e.V.

 Karin Heyne

Karin Heyne

Quelle: Archiv

Die gezeigten Arbeiten stammen aus der Zeit von ca. 1994 bis heute und sind auf Einladung von Karin Heyne zusammengekommen. Die Initiatorin und immerwährende Triebkraft der Kreativen Werkstatt hat mit dem Aufbau und der Etablierung des Kunst- und Vermittlungsbetriebs im ehemaligen Galvanohof in Pieschen ein Meisterstück hingelegt, das in Dresden nur einige wenige Vereine mit vergleichbarem Erfolg verbuchen können. Besonders das generationenübergreifende Miteinander von jungen Absolventen der Kunsthochschulen, Vertreterinnen der mittleren Generation bis hin zur Nestorin der Dresdner Kunstszene, der mit 99 Jahren immer noch aktiv tätigen Ann Siebert, ist ein bemerkenswertes Merkmal der Arbeit des Vereins. Dieser Austausch zwischen den sehr divergenten, meist alterstypischen künstlerischen Positionen gelingt, wenn auch stets nur temporär, offensichtlich immer seltener auf breiter Basis.

 Heidemarie Dreßel, Mobiler Akkumulator

Heidemarie Dreßel, Mobiler Akkumulator

Quelle: PR

Mit der Ausstellung „Visionen des Weiblichen“ macht sich Karin Heyne selbst ein frühes Abschiedsgeschenk, denn zum Ende des Jahres wird sie die Arbeit in der Kreativen Werkstatt aufgeben. Sie hat selbst an der HfBK Dresden in den 1960er Jahren Kunst studiert, u.a. bei Jutta Damme, und sehnt nun nach fast 25 Jahren Vermittlungsarbeit den neuen Lebensabschnitt herbei, der ihr wieder Raum für das eigene künstlerische Schaffen öffnet. Die Nachfolge im Verein wird bis zu ihrem endgültigen Abschied geklärt sein, und sie wird sich Mühe geben, jemanden mit Visionen zu finden, der ihr Aufbauwerk ebenso offen und prozessorientiert weiterführt, wie sie es jetzt über einen langen Zeitraum getan hat. Ihr persönliches Kurzresümee überrascht: „Die Werkstatt lebt durch die Anregung aus der Kunst. Durch den Trieb, Dinge zu bearbeiten, zu wandeln, Neues zu schaffen, aus dem Nichts zu gebären. Die über 20 Jahre Werkstattarbeit sind für mich eine fruchtbare, auch lernintensive Zeit in Zusammenarbeit mit Künstlerkolleginnen, als Ideenschmiede für die Durchführung von Projekten. Sie vertieften meinen Einblick in Schaffensprozesse und forderten intensive Auseinandersetzung mit der Kunst der Anderen. Sie bereichern mich durch eine Vielzahl von Begegnungen. Mein Talent ist es vielleicht, dass mein Pool nicht austrocknet und die Menschen meine Ideen annehmen.“

bis 2.7., Ausstellung im Erlweinsaal der Messe, Messering 6, Fr 16–18 Uhr, Sa und So 11–18 Uhr

Von Claudia Reichardt

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