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40 Jahre und der Ton sitzt: Die Blue Wonder Jazzband Dresden begeht Jubiläum

40 Jahre und der Ton sitzt: Die Blue Wonder Jazzband Dresden begeht Jubiläum

Januar 1975 erhielt eine bis dahin namenlose Oldtimejazz-Band von 2400 Konzertbesuchern im Dresdner Kulturpalast einen Namen. Die glorreichen Sieben, Frank Geipel, Manfred Böhlig, Gert Müller, Klaus-Georg "Jockel" Eulitz, Lutz Rethberg, Dietmar Bazant und Lutz Käubler, firmieren seither unter dem Namen Blue Wonder Jazzband Dresden.

Lutz Käubler, Lutz Rethberg, "Jockel" Eulitz, Gert Müller, Manfred Böhlig, Frank Geipel und Dietmar Bazant 1978 und 2013 in der Reihenfolge Bazant, Geipel, Käubler, Müller, Böhlig, Rethberg, Eulitz (v.l.).

Quelle: PR

Am 31. Januar 2015 - fast genau 40 Jahre später - feiern die sieben ihr Jubiläum in der Comödie Dresden in haargenau der gleichen Besetzung. Personell hat sich über die Jahrzehnte überhaupt nichts verändert, erlebt haben die Mannen allerdings allerhand: besondere Auftritte und Reisen, aber auch Missgeschicke wie eine vergessene Posaune. "Der Schreck war gewaltig, aber wir konnten gleich drei andere Posaunen organisieren", erzählt Müller, dem das Unglück passierte. Und wie reagierte der Rest der Band? "Mit der herrlichsten Schadenfreude." Untereinander herrscht ein lockerer Ton, "obwohl man sich auch mal auf den Geist geht", resümiert Bandleader Eulitz.

Kein Wunder, sieht man sich doch jede Woche zur Probe im Käublerschen Keller. "Unsere Stammbesetzung ist unsere Stärke, auch wenn wir alle keine Bombenmusiker sind", so Eulitz. Man ist eingespielt, seit Jahrzehnten. Gert Müller, der als Korrepetitor auch beruflich mit Musik zu tun hat, sorgt seit 40 Jahren als musikalischer Leiter der Band dafür, dass die Feinheiten trotzdem stimmen. "Wir wollen die Substanz dieser mittlerweile historischen Musik pflegen, wir machen kein Disney-Dixieland, wie es auch in Dresden häufig der Fall ist", sagt er bestimmt. "Mittlerweile liegt der Probenschwerpunkt aber darauf, das Repertoire zu halten, statt neues zu arrangieren", so Eulitz, spielt dabei auch auf die Gedächtnisleistung im fortgeschrittenen Alter an. Nicht dass die schlecht wäre, immerhin bringen es die Hobbymusiker auf insgesamt elf Stunden Musikrepertoire, anders ausgedrückt: rund 120 von Gert Müller für die Gruppe arrangierte Stücke Oldtimejazz, dazu um die 30 Standards.

Diese gab die Band zum Beispiel 1986 bei eine Reise in Gummistiefeln entlang einer Erdgastrasse im Ural zum Besten oder 1989 zur Meisterfeier von Dynamo Dresden, anwesend waren Egon Krenz und Erich Mielke. Beim Bundespresseball 1992 waren die Dresdner die erste Band aus dem Osten, die dort auftrat. Eulitz erinnert sich besonders gern an das 25. Dixieland Festival im Mai 1995, als sich der Umzug mehrere Stunden verspätete. Die Blue Wonder Jazzband unterhielt die rund 30 000 Gäste während der zweieinhalb Stunden Wartezeit vom Balkon des Kulturpalastes aus. "Der gesamte Altmarkt und die Wilsdruffer Straße waren schwarz vor Menschen. Das war ein Wahnsinnserlebnis", erinnert sich der Banjospieler mit dem imposanten Bart, der als Professor an der TU Dresden lehrt. Allerdings spielte die Blue Wonder Jazzband auch schon vor null Zuschauern in einem Jugendclub an der Kohlenstraße. Erinnerungen gibt es viele. Zum 25. Geburtstag der Band erschien bereits eine Broschüre mit Namen "Rillenforscher". Die Ausgabe zum 40. wäre wohl mehr als doppelt so dick. Das passende Album "40 Jahre Blue Wonder Jazzband - Rückblick" ist bereits auf dem Markt, nun steht die Party an.

Zur Geburtstagsfeier in der Comödie haben sich die Musiker die Bluessängerin Sidney Ellis zur Unterstützung geladen. Wie immer gibt es Geschenke für das Publikum, Geschenke aus dem Publikum sowie die traditionelle Satire-Einlage von Tubist Dietmar Bazant, der als "Geburtstagsminister" mit dem vergangenen Jahr abrechnet. Thema Geschenke: Seit Jahren finden die Dresdner auf der Bühne ab und an Zuckerkuchen vor. "Der Zuckerkuchenmann", wie er im Bandjargon heißt, hat sich zu DDR-Zeiten tagelang für Dixielandfestival-Karten angestellt. Die Blue Wonder Jazzband spielte den Wartenden regelmäßig Ständchen. Dafür gibt es bis heute Kuchen. "Einmal stand sogar in Braunschweig Zuckerkuchen auf der Bühne", erinnern sich die Musiker.

Aus Anlass des Jubiläums ist die Blue Wonder Jazzband auch beim Dixieland-Festival 2015 mehrmals vertreten, spielt in der Semperoper und in der Jungen Garde. Ans Aufhören denken die Musiker - fünf der sieben sind inzwischen in Rente, und es gibt bereits einen Urenkel - immer mal, aber noch nicht ernsthaft. "Der Saal für unseren 41. Geburtstag ist schon gebucht", sagt Eulitz.

40. Jubiläumskonzert am 31. Januar, 19.30 Uhr, Comödie, ausverkauft

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2015

Franziska Schmieder

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