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300. Geburtstag des früheren Dresdner Kreuzkantors Homilius mit einem Symposium und vielen Konzerten

300. Geburtstag des früheren Dresdner Kreuzkantors Homilius mit einem Symposium und vielen Konzerten

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde das, was in der deutschen evangelischen Kirchenmusik direkt nach Johann Sebastian Bach kam, unter "Zeit des Verfalls" subsumiert.

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Das einzige überlieferte Bildnis von Gottfried August Homilius ist eine Radierung von Christian Ludwig Seehas von 1782.

Quelle: Dresdner Kreuzchor

Erst in jüngerer Zeit richtete sich der Blick wieder auf die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Schatten des Thomaskantors gesäten Pflänzchen.

Das betrifft etwa das Werk von Gottfried August Homilius, der mit dem Geburtsjahr 1714 zu den Jubilaren dieses Jahres gehört. Nun war Homilius mit seiner - auf 13 Jahre als Organist der Dresdner Frauenkirche folgenden - drei Jahrzehnte währenden Amtszeit als Kreuzkantor zumindest hier nicht ganz in Vergessenheit geraten. Doch die große Wertschätzung, die der 1785 verstorbene Musiker zu Lebzeiten auch überregional genoss, hatte sich zwei Generationen nach ihm erschöpft.

So ist es eine Premiere, wenn am Wochenende seines 300. Geburtstages - Homilius wurde am 2. Februar 1714 in Rosenthal/Sächs. Schweiz geboren - in Dresden ein ihm gewidmetes Internationales Symposium stattfindet. Beginnend am 30. Januar, wird es veranstaltet von Kreuzchor, Katholischer Akademie des Bistums Dresden-Meißen und - da Homilius wegen der Zerstörung der Kreuzkirche für den größeren Teil seiner Amtszeit in der Frauenkirche wirkte - Stiftung Frauenkirche Dresden. Wissenschaftler und Musiker aus Deutschland und den USA kommen zusammen, um eine Zwischenbilanz der bisherigen Wiederentdeckung zu ziehen.

Daneben ist es natürlich die selbst in Gelegenheitswerken als handwerklich stets hochqualifiziert einzuschätzende Musik Homilius', die das Jubiläumsjahr prägt - in Kreuz- und Frauenkirche sowie andernorts. Für den nächstliegenden Termin zeichnen der Chor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und das Dresdner Barockorchester unter Stephan Lennig verantwortlich: In der Annenkirche, in der Homilius als Schüler der Annenschule einst Orgel spielte, bringen sie am Sonntag, 17 Uhr, zwei Kantaten und das "Weihnachtsoratorium" des Komponisten zu Gehör.

Am darauffolgenden Wochenende gibt es sechs begleitende Veranstaltungen zum Symposium. Den Reigen eröffnen am 31. Januar in der Loschwitzer Kirche das Vocal Concert Dresden unter Peter Kopp und Sebastian Knebel (Orgel) mit Motetten und Orgelwerken von Homilius und Zeitgenossen. Zwei Kantaten zum Fest Mariae Reinigung stellt Matthias Grünert am 2. Februar mit Kammerchor und ensemble frauenkirche erstmals wieder in der Frauenkirche vor. Ebenfalls am Geburtstag Homilius' lädt der Kreuzchor, der nicht zuletzt in jeder Vesper dieses Jahres ein Werk seines ehemaligen Kantors singt, unter Roderich Kreile in die Kirche Rosenthal ein und singt dort Motetten des Meisters sowie von anderen Kreuzkantoren.

Homilius in Schrift und Ton bei Carus

Schon seit längerem um das Werk von Gottfried August Homilius bemüht ist der Stuttgarter Carus-Verlag. Cheflektor Dr. Uwe Wolf, aus persönlicher Begeisterung seit Jahren Homilius-Forscher, betreut ein anlässlich des Jubiläums erscheinendes Werkverzeichnis, in dem erstmals die gesamte greifbare Überlieferung von Homilius' Werk ausgewertet wurde. Das stolze 688 Seiten umfassende Verzeichnis wird zum Internationalen Symposium in Dresden druckfrisch vorliegen.

Dass in Dresden die umfassende Wiederentdeckung des ehemaligen Kreuzkantors jener der Geschichte der Dresdner Hofkapelle im 18. Jahrhundert sehr hinterherhinkt, erklärt sich nicht zuletzt durch die im Vergleich dürftige Quellenlage zur städtischen Kirchenmusik. Überhaupt ist Homilius kein einfacher Fall: Zwar belegen vom Baltikum bis in die Schweiz, von Hessen bis nach Siebenbürgen und in Einzelfällen gar bis in die Herrnhuter Siedlungen in Nordamerika verstreute Manuskripte das zeitgenössische Interesse an seiner Musik, doch finden sich darunter laut Aussage von Uwe Wolf nur gut eine Handvoll Autographe. Dafür existieren von einzelnen Werken gleich zig Abschriften - im Fall der seinerzeit besonders beliebten Passion "Ein Lämmlein geht" sind es stolze 80! -, deren Korrektheit stets zu hinterfragen ist.

Neben dem Werkverzeichnis präsentiert Carus auch drei neue CDs, die der Musik Homilius' - der Uwe Wolf einen für die Zeit außergewöhnlichen Formenreichtum bescheinigt - Aufmerksamkeit verschaffen sollen. Eine Jubiläumsbox "Musik an der Dresdner Frauenkirche" mit zwei CDs enthält eine Zusammenstellung von Archiv-Aufnahmen Dresdner Ensembles wie Dresdner Kreuzchor unter Roderich Kreile oder Sächsischem Vocalensemble und Virtuosi Saxoniae unter Ludwig Güttler (CV 83.268).

Nach der 2005 erschienenen Motetten-Sammlung mit dem Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius gibt es nun eine zweite Auswahl aus den über 60 Motetten des Meisters - "Habe deine Lust an dem Herrn" mit dem Vokalensemble sirventes Berlin unter Stefan Schuck (CV 83.266).

Der dritte neue Silberling trägt den Titel "Warum toben die Heiden" und präsentiert fünf Kantaten zu Advent, Neujahr und Epiphanias, eingespielt von der Handel's Company und dem Handel's Company Choir unter Rainer Johannes Homburg (CV 83.267). syg

Homilius Hören - die nächsten Termine

26. Januar - 17 Uhr, Annenkirche: Konzert u.a. mit dem Oratorium "Die Freude der Hirten über die Geburt Christi" - Solisten, Chor der Hochschule für Kirchenmusik, Dresdner Barockorchester

31. Januar - 20 Uhr, Loschwitzer Kirche: Konzert "Homilius & Co.", Motetten und Orgelwerke - Vocal Concert Dresden, Sebastian Knebel (Orgel)

1. Februar - 12 Uhr, Frauenkirche: Orgelwerke von Homilius in der Mittagsandacht - Samuel Kummer (Orgel); 17 Uhr, Kreuzkirche: Kantate "So spricht der Herr Zebaoth", Kreuzchorvesper

2. Februar - 11 Uhr, Frauenkirche: Teile aus Homilius-Kantaten im Gottesdienst - Kammerchor der Frauenkirche, ensemble frauenkirche; 15 Uhr, Frauenkirche: Kantaten "Die richtig für sich gewandelt haben" und "Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" in der Geistlichen Sonntagsmusik- Kammerchor der Frauenkirche, ensemble frauenkirche; 15 Uhr, Kirche Rosenthal (Sächsische Schweiz): Konzert mit Motetten von Homilius und anderen Kreuzkantoren - Dresdner Kreuzchor

Weitere Aufführungen von Homilius-Werken (u.a. Kreuzorganist Holger Gehring, Domchor Meißen, Sächsisches Vocalensemble, Windsbacher Knabenchor) folgen im Jahresverlauf.

iInformationen zum Internationalen Symposium, bei dem interessierte Zuhörer herzlich willkommen sind, unter www.katholische-akademie-dresden.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2014

Sybille Graf

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