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30. Internationales Pantomimefestival in Dresden endete mit Improvisationsabend

30. Internationales Pantomimefestival in Dresden endete mit Improvisationsabend

Antonia musste sich wohl schon einmal in unmittelbarer Nähe von Russlands Präsidenten Wladimir Putin aufgehalten haben. Wie sonst hätte sie dem "starken Mann des Kreml" so überzeugend und täuschend echt Mimik und Gestik verleihen können.

Vor allem dann, als es in jenem Kapitel um den Begriff "Emotionen" ging. Eine dieser Emotionen war und ist die Wut. Mit ihr gemeinsam schlüpfte Antonia (sie gehört zur Petersburger Pantomimengruppe "MI Minor") für wenige Minuten in die Figur Putins, fingerte nervös an einer imaginären Krawatte herum, zuckte unschlüssig die Achseln und lief mit kurzen Schritten aufgeregt hin und her. Russlands Präsident schien an diesem Abend tatsächlich auf der Maternistraße in Dresden eine Zwischenstation einzulegen.

Das alles aber erschloss sich dem Zuschauer ohne ein einziges Wort, nur darüber, was sich im Gesicht und in der Körperhaltung des Mimen abspielte. "Kauderwelsch" sei die eigentliche Sprache des Mimen, meinte Schauspieler Jürgen Stegmann, der souverän durch den letzten Abend des diesjährigen Pantomimefestivals führte. Natürlich meinte er damit jenes spezielle mimische Kauderwelsch. Das besondere Talent, mittels Mimik und Gestik und ohne ein einziges Wort ganze Geschichten erzählen zu können. Das passierte in den vergangenen zehn Tagen an den verschiedensten Orten Dresdens; in Theatern, Kinos und auf Kabarettbühnen öffnete sich die "Blume der Kunst". Der Titel des diesjährigen Pantomimefestes traf zugleich den berühmten Nagel auf den Kopf; denn bunten, leuchtenden Blütenblättern gleich erschloss sich dem Zuschauer das weite Spektrum mimischer Kunst. Die kam im Jubiläumsjahr aus Japan, Russland, der Schweiz, den USA, aus Ungarn und natürlich Deutschland selbst; die Künstler fühlten sich in der gastfreundlichen, ja familiären Atmosphäre sehr wohl. Die Veranstalter zählten mehr als 1000 Besucher.

Der Abschlussabend galt traditionsgemäß dem weiten Feld der spontanen Improvisation. Die Themen dafür lieferte genauso traditionell das Publikum selbst. Und die Vorschläge waren an Originalität wie auch an Skurrilität kaum zu überbieten. Da wurde das "Verirren im Dschungel einer Großstadt" ebenso gefordert wie "Eine kurze Begegnung zweier Rollatorbenutzer". Da mimte man die Bredouille eines Autofahrers, der eine sexy Anhalterin mitgenommen hat. Und begleitete einen Fußballbegeisterten bei seiner vergeblichen Suche nach Mitspielern. Letztendlich versuchte man sogar "-eine tropische Insel in der Karibik mit französischem Flair" zu beleben und zu beschreiben.

Die mimische und gestische Improvisation auf der Bühne setzte sich bis in die musikalische Begleitung dieses Abschlussabends fort. Denn der Dresdner Percussionist Georg Wieland Wagner lieferte den auf der Bühne Agierenden stets einen nicht nur passenden, sondern auf die jeweilige Art der pantomimisch erzählten Stories zugeschnittenen musikalischen Background. Und der entsprang immer - wie die Pantomime selbst - der Improvisation. Nichts war lange vorher geprobt; alles war dem großen Bruder Zufall überlassen. Gerade dieses spontane Agieren macht die "stumme Kunst" zu einer gewichtigen Kunst. Von daher ist besonders bemerkenswert, dass Dresden sein Pantomimefestival schon seit drei Jahrzehnten feiert. Und hoffentlich auch noch weiterhin feiern wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.11.2012

W. Zimmermann

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