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30 Jahre Karin Weber in der Dresdner Galerie Mitte

30 Jahre Karin Weber in der Dresdner Galerie Mitte

"Ich wusste schon sehr zeitig, dass Kunst mein Leben bestimmen wird. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen. Allerdings dachte ich daran, als ich am Rostocker Konservatorium bei einem Cezannisten das Rüstzeug der Malerei und Grafik vermittelt bekam, immerhin elf Jahre lang, Künstlerin zu werden", schreibt die Dresdner Galeristin, Laudatorin, Kunstexpertin, Kuratorin und Kunstschriftstellerin Karin Weber in ihren Erinnerungen zu ihrer nun dreißig Jahre währenden Arbeit in der Galerie Mitte.

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Karin Weber vor einer Arbeit von Angela Hampel in der Galerie Mitte.

Quelle: Heinz Weißflog

Seitdem richtete sie in der Galerie 210 Ausstellungen sowie Lesungen und musikalische Veranstaltungen aus. Darüber hinaus kuratierte sie in diesem Zeitraum zahlreiche Ausstellungen und andere Aktivitäten außerhalb von Dresden, in Polen und Russland und wurde damit zur Botschafterin sächsischer Kunst im östlichen Ausland. Bedeutend ist auch ihr Engagement für den Kulturraum Mittelsachsen, nun Erzgebirge Mittelsachsen. Derzeit ist eine Ausstellung im Schloss Augustusburg (im Sommerhaus bis 2. Februar 2015) zu sehen. Im Neuen Sächsischen Kunstverein ist sie seit 1999 als künstlerische Beraterin und seit 2009 als Leiterin der Geschäftsstelle tätig.

Weiter schreibt Karin Weber: "Meiner Mutter ist es zu danken, dass ich mit neun Jahren eine Sprachenschule in Rostock besuchen konnte. Es stellte sich heraus, dass ich besonders begabt war. Mit siebzehn Jahren packte mich dann das Fernweh". Karin Weber studierte nach dem Abitur an der ABF Halle und zum Erlernen der polnischen Sprache in Krakow an der legendären Jagiellonen-Universität Kunstgeschichte. Dort erlebte sie das für sie unglaubliche Wunder von Weltoffenheit und Toleranz, die sie in der Enge der DDR nicht finden konnte.

Dass sie im September 1981 Polen wegen des sich ankündigenden Kriegszustandes verlassen musste, empfand sie als die größte Enttäuschung ihres Lebens. Im Oktober 1981 setzte sie ihr Studium an der Karl-Marx-Universität Leipzig im Fach Kunstwissenschaft fort, ein Übergang, der nicht leicht war, zumal sie in dieser Zeit ihre Tochter Anne bekam und die Frage nach der eigenen Perspektive unbeantwortet blieb. Nach dem Studium schrieb sie für die Kulturredaktion der UNION als freie Mitarbeiterin Kunstrezensionen.

1984 existierte die Galerie Mitte in Dresden fünf Jahre unter der Leitung von Gabriele Muschter. Sie brach in diesem Jahr nach Berlin auf, um an der Humboldt-Universität ihre Doktorarbeit über Fotografie zu schreiben. Karin Weber übernahm die Galerie als Nachwuchswissenschaftlerin: "Ich begann am 20. August 1984 meinen Dienst... Innerhalb von zehn Tagen wurde ich in die wichtigsten Geheimnisse der Galeriearbeit eingewiesen. Danach musste ich frei schwimmen." Von Anfang an setzte sich Karin Weber beherzt für die Künstler und ihre Kunst ein. Ihre Ausstellungstätigkeit begann sie mit zahlreichen Experimenten, die heute noch der Erwähnung wert sind: Am 4. September 1986 eröffnete sie die Ausstellung "Struktur-Figur-Raum". Andreas Dress, Claus Weidensdorfer und Thea Richter traten in einen Dialog mit dem Galerieraum, in dem sie große Papierbahnen mit einem Netz pulsierender Linien überzogen und in ihn lebensgroße Gipsfiguren integrierten.

Im Frühjahr 1987 kam eine Rauminstallation mit Eva Anderson, Angela Hampel, Ulrike Rösner und Gudrun Trendafilov zustande, die die Geburtsstunde der Dresdner Sezession 1989 einläutete.

"1990 lösten sich die Strukturen der Stadtbezirke auf. Die Galerie Mitte gehörte nun zur Verwaltung der Stadt Dresden. Zu Beginn des Jahres 1991 trat Dresdens Kulturlandschaft in eine heiße Phase ein. Man demonstrierte gegen den Kulturbankrott der Stadt. Die Galerien wurden aus der kommunalen Obhut entlassen. Zu dieser Zeit tauchten zwei Architekten aus Westberlin im Kulturamt auf, die das Philip Morris Kunststipendium für junge Dresdner Maler installieren sollten und geeignete Partner suchten", erinnert sich Karin Weber weiter. Bei der Agentur "CONCETTO" unterschrieb sie einen Arbeitsvertrag mit ihr sowie einen Aufhebungsvertrag mit der Stadt.

Zum ersten April 1994 meldete Karin Weber das Gewerbe als "Galerie mit kunstwissenschaftlicher Ausrichtung" an. 1997, nach der Trennung von der Philip Morris Kunststiftung, konzentrierte sie sich auf ihre kunstwissenschaftliche Tätigkeit. Bis heute liebt Karin Weber ihren Beruf, die Begleitung von Künstlern auf ihrem nicht immer leichten Weg. Leidenschaftlich gern organisiert sie Ausstellungen, vom Atelierbesuch, dem Verfassen von Texten und Reden bis hin zur Hängung der Bilder vor Ort. Dass dabei auch die eigene Weltsicht geformt wird, schätzt sie am Umgang mit der Kunst. Die Begegnung mit den unterschiedlichen Handschriften vermittelt positive Impulse für eine intensive kunstschriftstellerische Arbeit. Schließlich schätzen die Künstler ihren Einsatz, der immer von menschlicher Wärme begleitet wird.

Karin Weber formulierte ihr Credo so: "Meine Kunst und meine Droge waren in all diesen Jahren Worte, die ich öffentlich vertrat. Das Wort war mir zur Seite, um brennende Wahrheiten zu verkünden, um mit der Kunst auch davon zu sprechen, was mich bewegt."

Ausstellung "Phönix, was sagst Du?" zum Jubiläum mit 47 "Stammkünstlern" bis 25. Oktober. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Tel. 0351/4 59 00 52, Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr, www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2014

Heinz Weißflog

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