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3.DNN- Adventsfenster: Ein Blick in den Requisitenfundus der Semperoper

3.DNN- Adventsfenster: Ein Blick in den Requisitenfundus der Semperoper

Kerzenhalter liegen neben Aktenordnern, Trompeten neben Geschirr, Schirme neben Ferngläsern: Ein seltsamer Anblick, der sich dem Betrachter in diesem kleinen Raum ohne natürlichem Licht offenbart.

Doch wenn man genauer hinschaut, lagern hier keine Gerümpelsachen, sondern unendlich viele Schätze. Es sind all die kleinen Details, die eine Theater- und Opernaufführung lebensecht erscheinen lassen. Denn mit "hier" ist der Requisitenfundus der Semperoper gemeint und damit das Reich von Elisabeth Schröter.

Seit 13 Jahren leitet Schröter diese Abteilung. Jede Produktion begleiten sie und ihre Mitarbeiter vom Beginn der Proben bis zur Premiere. "Ganz am Anfang gehen wir mit dem Regieteam durch den Fundus und schauen, was wir verwenden können", erklärt Schröter. Dann werden die Sachen peu à peu nach den Vorstellungen der Regie umgearbeitet und angepasst. "Selbst in der Generalprobe kann es noch einmal zu Änderungen kommen", erzählt die Leiterin. Oft müssen aber Requisiten ganz neu angeschafft werden. Auch dafür ist die Dresdnerin zuständig.

Der gekaufte Nussknacker zum Beispiel, der im gleichnamigen Ballett mitspielt, musste dem originalen Kostüm der Bühnenfigur angepasst werden, mit all den Farben, Borten und kleinen Details. Die Requisiten dieser Produktion, die kürzlich ihre Premiere an der Semperoper feierte, bestimmen momentan ohnehin das Bild eines der zahlreichen Requisitenräume. Auch ein großer Korb voller Puppen steht für den "Nussknacker" bereit. Die stammen ursprünglich aus der Produktion "Utoper". Vor drei Jahren hatte die Semperoper für dieses Stück dazu aufgerufen, alte Puppen abzugeben und die Resonanz sei überwältigend gewesen, wie sich Schröter sich erinnert.

Da der Platz im Fundus beschränkt ist und meist mehrere Produktionen parallel bearbeitet werden, ist Organisationstalent wohl die dringlichste Eigenschaft, die die Requisitenabteilung besitzen muss. "Neben den Szenariumsunterlagen wird auch auf Karteikarten notiert, wo das zur Zeit nichtspielende Stück gelagert ist", gibt die Leiterin Einblick in das System. Aber ihre Mitarbeiter hätten auch ein unheimlichen großen Erfahrungsschatz, auf den sie sich berufen können. Viele arbeiten bereits seit Jahrzehnten in der Semperoper, die jüngste Kollegin ist 42 Jahre alt. Mit dem Nachwuchs sehe es da schon schwieriger aus.

Eine Produktion, an die sich Schröter aufgrund der Menge an verwendeten Requisiten noch erinnern kann, ist "Gisela", das vor einem Jahr Premiere feierte. Das Stück spielte auf einem Flughafen und benötigte dementsprechend unter anderem unzählige Koffer, Vitrinen mit Parfüm oder Spirituosen, eine Ski- und eine Taucherausrüstung. Auch für essbare Requisiten ist Schröter zuständig, dafür gibt es eine kleine Küchenzeile in einem Raum auf Bühnenhöhe.

Schröter kann sich beinahe an jedes Stück und die dafür benötigten Requisiten erinnern, hat sie doch alle in ihrer Entstehungsgeschichte begleitet. Und dennoch geht sie auch in ihrer Freizeit gern ins Theater oder in die Oper. "Im Sommer fahre ich gern nach Bayreuth. Ich bin ein großer Wagner-Fan", verrät sie. Und eines sagt sie ganz zum Schluss, als sich die Tür zum Fundus schon längst geschlossen hatte, was aber die ganze Zeit zwischen ihren Zeilen geschrieben stand: "Es ist eine wunderbare Arbeit!"

Christin Grödel

In diesen Tagen werden überall im Land unzählige Adventskalendertürchen geöffnet. Und auch die Dresdner Neueste Nachrichten öffnen für Sie, liebe Leser, bis zum 24. Dezember jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Türen. Heute werfen wir einen Blick in den Requisitenfundus der Semperoper, den Elisabeth Schröter leitet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2011

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