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25 Jahre Städtische Kunstsammlung Freital

In schöner Konkurrenz zu Dresden 25 Jahre Städtische Kunstsammlung Freital

Die Städtischen Kunstsammlungen Freital werden 25 Jahre alt. Die Sammlung, die nicht nur Werke von Dix, sondern auch von vielen seiner Zeitgenossen beherbergt, muss sich vor den Dresdner Museen nicht verstecken.

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Otto Dix. Porträt Heinar Schilling, 1922. Städtische Sammlungen Freital

Quelle: Städtische Sammlungen Freital

Freital. Man muss auf die Dix-Gemälde schauen. Unwillkürlich erfasst der Blick das „Bildnis Max John“ (1920), das treffend-neusachliche „Porträt Heinar Schilling“ (1922) und das expressionistisch-kubistische „Selbstbildnis als Mars“ (1915). Später wird man frühe Landschaften des Künstlers von 1911/12 entdecken, die verraten, welch großen Eindruck van Gogh auf die damals Jungen machte. Im nur neun Jahre später entstandenen Werk „Alter Arbeiter in der Dachkammer“ (1920) wiederum klingt der Expressionismus dieser Nachkriegszeit nach. Fast altmeisterlich zeigt sich Dix`„Porträt Frau Eberl“ von 1940. Diese neun Gemälde hängen nicht etwa im Dresdner Albertinum oder in einem anderen großstädtischen Museum, sondern in den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk. Selbst mancher hiesige Kunstfreund weiß das bis heute nicht – im Unterschied zu Museumsleuten von nah und fern, die Leihgaben aus Freital schon schätzten, als einer der respektabelsten Bestände Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts noch kaum für die Öffentlichkeit wahrnehmbar war. Erst vor 25 Jahren gelang es, diesen als Städtische Kunstsammlung Freital institutionell und räumlich zu etablieren. Anlässlich des Jubiläums haben die Freitaler Museumsleute nun einige ihrer vielen im Depot schlummernden Schätze, Malerei und Arbeiten auf Papier, unter dem Motto „Auch das gibt’s – Neues und selten Geschautes“ zu einer ergänzenden Präsentation zusammengestellt.

Ihrem Ursprung nach ist die Sammlung auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert und zeigt – in schöner Konkurrenz zur Städtischen Galerie in Dresden – eine bewundernswerte Breite und Qualität. Der Bogen spannt sich von Vertretern der Freilichtmalerei und der Stilkunst zur „zweiten Welle“ des Expressionismus, zur Neuen Sachlichkeit, zu Surrealismus und Realismus. Dix und seine Zeitgenossen wären, um nur einige zu nennen, ohne Bantzer, Kuehl, Gussmann, Zwintscher oder Müller beziehungsweise ohne Unger, Schneider und von Hofmann nicht denkbar. Zum finden sind ebenso Werke von Hegenbarth, Hassebrauk und Rudolph, von Felixmüller, Lachnit, Kriegel, Rüther und Rüther-Rabinowicz sowie Hofmann-Juan, weiter von Beutner, Fraaß, Jüchser, Kröner, Rosenhauer, Wilhelm, Winkler und natürlich Querner, wobei diese Aufzählung viele ungenannt lässt. Eine untilgbare Lücke gibt es allerdings – geschuldet dem hiesigen Zeitgeist in den 50er Jahren, später der Entwicklung der Kunstmarktpreise: Gemeint sind die Maler der „Brücke“.

Zu verdanken ist das Entstehen der ansonsten erstaunlich „runden“ Sammlung vor allem zwei Persönlichkeiten: Willy Eberl und Hellmuth Heinz. Beide Männer wuchsen im dörflichen Umfeld Freitals auf und kannten sich seit der Kindheit. Eberl – der Besucher „begegnet“ ihm in einem sehenswerten Porträt von Willy Kriegel (1933) – hatte an der Kunstgewerbeschule, unter anderem bei Feldbauer, studiert. Wie Arbeiten in Freitaler Besitz zeigen, etwa ein Stillleben von 1945 in der Jubiläumsausstellung, malte er durchaus ansehbar. Vor allem aber blieb der Kontakt zu Dix und vielen anderen einstigen Studienkollegen, als er beruflich andere Wege ging – als Entwerfer für Tapetenmuster. Manches vom dabei verdienten Geld floss seit den 1920er/30er Jahren in den Kauf von deren Bildern. So entstand eine ansehnliche Sammlung (auch die Dix-Werke gehörten dazu), die sich Freital 1949 – Eberl hatte 1947 Selbstmord begangen – durch einen Vertrag mit seiner Witwe sichern konnte.

Großes Verdienst daran kommt Hellmuth Heinz zu, der zudem von 1955 bis 1971 das damalige Haus der Heimat leitete und der selbst intensiv sammelte, nicht zuletzt Werke Querners, mit dem er befreundet war und für dessen Anerkennung er viel tat. Eines der bedeutendsten Querner-Werke, das monumentale Bild „Der alte Rehn“ (1951), fand sicher auch dank der so entstandenen Verbundenheit der Familie mit dem Freitaler Museum den Weg nach Burgk. Heinz’ Sammlung konnte sich das Museum 1989 sichern. Noch unter seiner Ägide waren zudem die Nachlässe von Ewald Schönberg und Karl Hanusch sowie Stiftungen von Georg Gelbke, Richard Birnstengel oder Karl Kröner ins Haus gekommen. Die Krux: Lange standen für die Kunst nur zwei kleine Räume zur Verfügung. Erst seit 1988 begann die bekannte Erweiterung durch Einbeziehung des Ostflügels des Schlosses, die Voraussetzung für die 1991 realisierte Gründung der Städtischen Kunstsammlung Freital war und die Rolf Günther bis heute leitet. Diesem gelang es, das Vorhandene weiter abzurunden. Schwerpunkte waren in den 1990er Jahren vor allem Vertreter der zweiten Welle des Expressionismus sowie die Kunst um 1900, etwa Werke des Symbolismus. Um die Mitte der 1990er Jahre orientierte Günther auch auf aktuelle Dresdner Künstler, wobei er – dem Charakter der Sammlung entsprechend – vor allem auf jene setzt, die das malerische „Erbe“ der sächsischen Moderne fortschreiben. Dank einer räumlichen Erweiterung werden nun beispielsweise auch Werke von Peter Graf, Eberhard von der Erde, Hubertus Giebe, Angela Hampel, Horst Leifer, Reinhard Springer oder Werner Wittig gezeigt.

Für die geleistete Arbeit sprechen ebenso 70 Sonderausstellungen, die in den vergangenen 25 Jahren auf Schloss Burgk zu sehen waren. Oft gab es dazu auch einen Katalog. Die Expositionen widmeten sich häufig weniger beleuchteten Aspekten der Kunstgeschichte. Oft standen Themen oder Künstler im Fokus, die eine Art Alleinstellungsmerkmal der Freitaler Sammlung sind. Erinnert sei an Ausstellungen zu Ludwig von Hofmann, zum Symbolismus in Sachsen (etwa zur gleichen Zeit, als in Chemnitz die internationale Schau „Die Maler der Seele“ zu sehen war), zu Fritz Hofmann-Juan, dessen Werk hier erstmals auf gearbeitet wurde. Nirgends sonst wurde auch das Schaffen von Irina Rüther-Rabinowicz, der ersten Frau, die an der Dresdner Kunstakademie zugelassen wurde, so beleuchtet wie in Freital. Ähnliches gilt für die „Goppelner“. Ausstellungen widmeten sich zudem den, wegen ihrer unterschiedlichen Verstrickungen in die Naziherrschaft als „heiße“ Eisen geltenden Richard Müller und Willy Kriegel.

Ein den 1990er Jahren zuzurechnender Gewinn ist zudem die Stiftung Friedrich Pappermann, die im ausgebauten Obergeschoss des Ostflügels ihr Domizil hat, wodurch sich der Kunsthorizont in Freital-Burgk auf einen Schlag bis ins späte 18. Jahrhundert erweiterte. Angesichts des Jubiläums der beeindruckenden, alles andere als provinziellen Freitaler Sammlung, die gleichwohl die sich ins Erzgebirge erstreckende künstlerische „Provinz“ einbezieht, kann man nur hoffen, dass sich alle politisch Verantwortlichen bewusst sind oder werden, welches Kleinod überregionaler Bedeutung auf Schloss Burgk zu Hause ist.

Bis 4. April, Di–Fr 13 bis 16, Sa/So 10 bis 17 Uhr. Erworben werden können der Bestandskatalog sowie der Katalog der Stiftung Pappermann, jeweils 19 Euro.

www.freital.de

Von Lisa Werner-Art

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