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25 Jahre Dresdner Sezession 89 e.V. - Ausstellung in der Galerie drei

25 Jahre Dresdner Sezession 89 e.V. - Ausstellung in der Galerie drei

Angela Hampels Mischtechnik "Die Letzten" in der Ausstellung zum 25. Bestehen der Dresdner Sezession 89 e.V. gehört in die Reihe von Bildern, die sie Heiligen gewidmet hat, darunter auch der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die aus einer Blechschüssel die letzten wenigen Fische an Bedürftige verteilt.

Die Menge der zu Speisenden ist zu groß. Das mutet wie eine Parabel auf heutige Verhältnisse an, in denen die soziale Not immer größer zu werden droht. Aber es ist auch die "geistige Speise", die sich anschickt auszugehen, sprich die immer mehr voranschreitende Ausdünnung einer historisch gewachsenen Kunst- und Kulturlandschaft, die Sachsen, insbesondere aber Dresden betrifft.

Im Dezember 1989 trafen sich 23 Künstlerinnen der Stadt und des Umkreises und gründeten auf Vorschlag der Kunsthistorikerin Sigrun Hellmich den Verein Dresdner Sezession 89 e.V., dessen eigentliche ideelle Initiatorin die Malerin Angela Hampel war und bis heute geblieben ist. Ausgangspunkt war für sie die bereits zu DDR-Zeiten bestehende Männerdominanz in den Galerien der Stadt und eine trotz DFD oft frauenfeindliche Atmosphäre, die es den Künstlerinnen schwer machte, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Mehrfachbelastung, wie Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, war auch in der DDR trotz "Haushaltstag" weit verbreitet. Und es war auch die spezifisch weibliche Wahrnehmung in der Kunst, die abschreckte und manchmal unverhohlen abgelehnt wurde.

Deshalb war die Künstlerinnenvereinigung, die nicht nur ihrem Namen nach an die Sezessionen von 1919 und 1932 in Dresden anknüpfen wollte (übrigens waren in ihnen nur zwei Frauen, Elfriede Lohse-Wächtler und Erna Lincke vertreten) von Anfang an als eine Solidar-und Interessengemeinschaft von künstlerisch tätigen Frauen gedacht, ohne dem Charakter nach eine Produzentengalerie zu sein. Ziel ist dabei die Förderung von Künstlerinnen durch Künstlerinnen auch außerhalb der Vereinsgrenzen, ohne politische und ideologische Ausrichtungen zu favorisieren. Das trug wesentlich dazu bei, dass die gemeinnützig-ehrenamtliche Arbeit als Kern der Vereinsarbeit begriffen wurde (nicht die eigene künstlerische Profilierung) und das Tun für andere bis heute im Vordergrund steht. Ein Phänomen, das in Dresden viel zu wenig wahrgenommen wird, aber durch die ostdeutsche Sozialisierung wesentlich bestimmt wurde.

Ein Solidargedanke dominiert

Zum Stamm gehören die Gründungsmitglieder Angela Hampel, Kerstin Quandt, Christa Donner, Kerstin Franke Gneuß, Gabriele Reinemer, die Kunstwissenschaftlerin und Galeristin Karin Weber, sowie die Ehrenmitglieder Gerda Lepke, Christa Grunicke und Heidemarie Dreßel. Die hier genannten Frauen bringen sich auf unterschiedliche Weise in das Vereinsleben ein, jede auf ihre besondere Art: Angela Hampel treibt mit ihren oft unbequemen Impulsen und Hinterfragungen den Motor an, versucht, den Charakter des Zusammenschlusses zu motivieren, indem sie an seine im Statut formulierten Aufgaben und Ziele erinnert und die moralische Verantwortung für den Verein wachhält. Die Zeiten sind in Fragen der "Gleichstellung" nicht besser geworden. Für die Galeriearbeit, die Betreuung und Ausrichtung von Ausstellungen innerhalb der vereinseigenen Galerie Drei ist Kerstin Quandt verantwortlich. Unter ihrer Leitung wurden seit 1996 über 100 Ausstellungen in der Galerie und außerhalb ausgerichtet. Die institutionelle Förderung durch das Kulturamt Dresden ermöglicht die Galeriearbeit. Zu den Dresdner Salonabenden, die von Thea Richter ins Leben gerufen wurden, sprechen Koryphäen aus Kunst, Philosophie und Wissen über aktuelle Fragen der Zeit.

Gabriele Reinemer ist die 1. Sprecherin des Vereins. Sie lud Musiker für die Galeriekonzerte aus der "Dynamite"-Reihe ein, die sich besonders bei jungen Leuten großer Beliebtheit erfreuen. Mit großem Engagement betreut Heidemarie Dreßel im Auftrag der Sezession seit vielen Jahren das Mnemosyne-Projekt, das mit seinen Installationen entlang der Fließgewässer im urbanen Raum von Dresden die Aufmerksamkeit auf das Phänomen Wasser richtet. Die Gründung des WasserKunstWeges am Kaitzbach legt die elementare Bedeutung des Wassers als Sinnbild des Weiblichen offen. Kerstin Franke-Gneuß, ebenfalls mit eigenen Arbeiten am verborgenen Wasserlauf des Kaitzbaches dabei ("Innere Mitte", beleuchtetes Acrylglas, 2000, Standort Gustav-Adolf-Platz), hilft im Verein in vielen Fragen bei der Bewältigung von unvorhergesehenen Aufgaben und Engpässsen. Christa Donner regelt mit Akribie und Geduld in täglicher Kleinarbeit die vereinseigenen Finanzen. Karin Weber betreut als Kunstwissenschaftlerin den Verein von Beginn an mit eigenen Texten in der Presse, in Katalogen und Laudatien, kuratiert Ausstellungen von Künstlerinnen im Rahmen der Arbeit der Galerie Drei und darüber hinaus.

Nicht immer öffentlich honoriert

Es mutet wie ein Wunder an, dass die Dresdner Sezession 89 e.V. über 25 Jahre hinweg kontinuierlich arbeitet und das Kunstgeschehen der Stadt mit ebenbürdiger Kunst wesentlich mitbestimmt. Leider wird das nicht immer von der Öffentlichkeit gewürdigt und honoriert. Die zunehmende Verknappung der Mittel verschärft die Situation. Zu den tatkräftigen Unterstützern neben den Fördermitgliedern (zu denen auch der Vermieter der Räume der Galerie Drei gehört) zählen vor allem das Kulturamt Dresden und die Ostsächsische Sparkasse Dresden. "Man kann nur hoffen, dass die nachfolgende Generationen sich mit einem ebenso zündenden Idealismus für die Kunst stark machen und dabei persönliche Belange im Dienste der Gemeinschaft zurückstecken werden" (Karin Weber). In der Ausstellung zum Jubiläum sind 32 Künstlerinnen der Sezession im Alter von 34 bis 77 Jahren (darunter auch bereits verstorbene) mit mehreren Werken vertreten, die von der Vielfalt und hohen Qualität femininer Kunst in Dresden erzählen.

bis 10. Januar. Vernissage der Jahresendausstellung heute um 19.30 Uhr in der Galerie drei, Prießnitzstraße 43, Kontakt: 0351/ 8026710, geöffnet Mi-Fr 15-18, Sa 12-14 Uhr

11. Dezember, 19.30 Uhr: 28. Dynamite mit Buckijit - Musik aus aller Welt

18. Dezember, 19.30 Uhr: Lesung zum Dresdner Salonabend: "Wilder als alles Vergängliche", Christian Lehnert, Dichter und Theologe

www.sezesssion89.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2014

Heinz Weißflog

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