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22. Tanzwoche zeigt alte und neue "Sacre"-Choreografien

22. Tanzwoche zeigt alte und neue "Sacre"-Choreografien

Wie diese Tanzwoche Dresden permanent immer wieder zustande kommt, da kann man angesichts des kleinen Teams sowie knapp bemessener Finanzen einfach nur staunen und sich wundern.

Und ebenso darüber, dass das nun schon der 22. Jahrgang gewesen ist - wie sich doch die Zeiten, Spielstätten, Formate, Themen verändert haben. Je nach absolviertem Pensum tritt schlussendlich für Mitwirkende wie Besucher gleichermaßen eine gewisse "Sättigung" ein. Und gute wie auch weniger aufregende Eindrücke haben oft dicht beieinander gelegen - manchmal war nur eine Pause von zehn Minuten dazwischen.

Aber missen möchte man sie nicht, diese Tanzwoche, weil es eben in jeder Kunst und auf allen Ebenen Entdeckungen geben kann. Und die Dichte des Programmes machte es möglich, gleich mehreres quasi auf einen Streich zu erleben. Speziell natürlich bei der Gala, die erneut im Kleinen Haus stattgefunden hat und die reichlich vollgepackt sowie bestens besucht gewesen ist. Wo man sich plötzlich auch für eine kleine Company in Nordhausen zu interessieren begann - das passiert doch eher selten bei einer Gala. Aber bei dieser schon.

Publikumslieblinge waren auch 2013 wieder die Gäste von Vesele Skoky/Jolly Jumps Theatre Prag, und die unternehmungslustige Schar hat sich diesmal auf "Chabrus Line" eingeschossen - die Fans werden das zu deuten wissen. Unglaublich, wie sich diese Tausendsassas auf der kleinen Bühne vom Projekttheater behaupten konnten - sie sind einfach rundum so sympathisch und dabei Vollblutkünstler, dass man seine Freude daran hat. Und mit ihrem speziellen Humor stellen sie sich auch noch selbst in Frage. Was im Tanz eher die Ausnahme ist.

Selbstreflektion bringt auch Vorteile für neu gegründete Tanzformationen

Etwas mehr Selbstreflektion dürfte wohl auch für jene von Vorteil sein, die sich gerade erst zusammengefunden haben und mit einer kleinen Company ins Dickicht der Tanzstädte starten. Dabei muss man ja nicht zwingend auftrumpfen; es reicht einfach schon, Farbe und Format zu zeigen. Zumal dann, wenn es gleich um "integrative sowie separative Prozesse" gehen soll. "Spacesbetween" vom J.A.P. Julius Art Projekt Leipzig hat da offenbar noch ein paar Schritte vor sich, und keiner muss wahrhaft davon träumen, durchsichtig zu sein. Man ist es einfach schon beim Herumschreiten wie ein Gockel oder bei Äußerlichkeiten, die zu viel Gewicht erhalten.

Möglicherweise wird sich die während der diesjährigen Tanzwoche täglich wechselnde und je zweimal vorgestellte Performance "schaulustig" von den carrot dancers in der Schaufensterfront von "Schaulust" auf der Hauptstraße als neuer Dauerbrenner der Tanzwoche erweisen. Wo sowohl zufällige wie auch gezielt erscheinende "Zaungäste" angelockt werden und der Fabulierkunst hinter der Scheibe keine Grenzen gesetzt sind.

Zumal dann, wenn es Geschichten gibt wie diese, wo Nicole Meier als gruselig-böse Stiefmutter mit ihrem Sohnemann Apfel und "Apple" tauscht und an dem giftigen Stück zugrunde geht, derweil er vergnügt an seinem gesunden Obst knabbert und schon mal über die erste Gage fürs Ritterbuch nachdenkt. Eine Geschichte voller Moral.

"Le Sacre du Printemps"in verschiedenen Perspektiven absolut sehenswert

Obwohl das Theaterhaus Rudi relativ "weit draußen" liegt, waren auch hier die Aufführungen ziemlich gut besucht. Und speziell das Tanz-Schauspiel von Gundula Peuthert "Viva Valeska" als Uraufführung aus Leipzig zog viele Interessierte an. Ebenfalls mit einer neuen Produktion kam aus Cottbus die Choreografin Golde Grunske mit der Hüftgold Tanzwerkstatt nach Dresden, und die so spürbar verschiedenen Frauen haben sich deutlich viel zu brav an die offenbar selbst gesetzten Grenzen gehalten. Da möchte man doch lieber sehen, wenn sie losgelassen und voller Fabulierlust sind, und dazu sollte sie Golde Grunske unbedingt auch ermutigen.

Wer übrigens den Sonntagsbrunch im kleinen, feinen Filmtheater Thalia verpasst hat, muss sich schon ein wenig darüber ärgern. Was Boris-Michael Gruhl da an historischen und neueren Filmbeispielen zu "Le Sacre du Printemps" aufbieten konnte, war absolut sehenswert. Mit Ausschnitten aus der rekonstruierten Originalchoreografie oder Arbeiten beispielsweise von Maurice Bejart und Pina Bausch.

Und zu sehen war auch eine der letzten Choreografien von Uwe Scholz, die Klavierversion von "Le Sacre du Printemps", uraufgeführt 2003 an der Oper Leipzig. Dieses Solo mit Giovanni di Palma zur musikalischen Fassung für zwei Klaviere - im zweiten Teil des Aufführungsabends gab es die Orchesterfassung mit großer Gruppenbesetzung - ist von all seinen Choreografien das wohl persönlichste Werk überhaupt. Hier hat sich Scholz frei gemacht von allen Kompromissen. Vor allem auch von jenen, die er mit sich selbst eingegangen ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2013

Gabriele Gorgas

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