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20. Jüdische Musik- und Theaterwoche mit reichem Programm

Brücken bauen 20. Jüdische Musik- und Theaterwoche mit reichem Programm

Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto „„Schalom/Salaam“ und will nicht zuletzt auch zu den muslimischen Migranten Brücken bauen.

Adi Boutrous bei der Performance „We love Arabs“.

Quelle: Gadi Dagon

Dresden.  In Amerika war und ist ein Deli ein jüdischer Delikatessenladen- bzw. ein Spezialitätenrestaurant – und auch ein Zeichen der Integration der jüdisch-osteuropäischen Einwanderer. Sie konnten in der Neuen Welt ihre kulinarischen Traditionen pflegen, sie aber auch mit ihren vielen anderen Mitbürgern im „Schmelztiegel“ New York teilen. Nun ist es aber so, dass vor einiger Zeit Peter Wells, Restaurantkritiker der New York Times, eine Reise nach good old Germany unternahm, um sich umzuschauen, was sich hierzulande kulinarisch so tut. Und siehe da: Er musste konstatieren, dass das klassische New Yorker Pastrami-Sandwich inzwischen in Deutschland besser schmeckt. Überhaupt ist das traditionelle jüdische Deli in der deutschen Gastro-Szene voll trendy, wohingegen von den hunderten New Yorker Delis, die es Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch gab, gerade 15 übrig geblieben sind, darunter Katz’s Deli und das Carnegie Deli.

Markt der koscheren Köstlichkeiten

Auch in Dresden ist es mit koscherer Kost nicht weit her. Wer mal reinschmecken oder sich wenigstens ein bisschen informieren möchte, könnte beim 2. Gefilte Fest Dresden vorbeischauen. Wie Mitorganisator Kai Lautenschläger mitteilte, wird es bei diesem auf orientalische Küche setzenden Foodfestival etwa eine Kochshow mit der italienischen Köchin Silvia Nacamulli oder auch Workshops geben, in denen man etwa sephardischen Orangenkuchen oder Challah, ein typisches Sabbatbrot, backen kann. Der Gefilte Fest Dresden ist ein junger Verein, gerade mal ein Jahr alt – und will nun die jüdische und die arabische Küche gleichermaßen erlebbar machen.

Das Foodfestival, bei dem Besucher auch auf einem Markt der koscheren Köstlichkeiten einfach ihrer Nase folgen können, findet am 6. November, 13 bis 18 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum statt – und zwar im Rahmen der Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden, die in diesem Jahr ihr Zwanzigjähriges feiert und vom 23. Oktober bis 6. November an verschiedenen Orten in Dresden über die Bühne geht. Was klein begann, als ausschließlich der jiddischen Sprache und Kultur verpflichtetes Festival, hat sich mittlerweile zu einem zweiwöchigen Fest der jüdischen Kultur gemausert, das fester Bestandteil des Dresdner Kulturherbstes ist.

Das Thema in diesem Jahr lautet „Schalom/Salaam“, will man doch laut Festivalleiterin Valentina Marcenaro eine künstlerische Brücke bauen, vor dem Hintergrund der Immigration vieler Zuwanderer und Flüchtlinge aus dem muslimischen Kulturkreis die friedliche Begegnung neu beleben und interpretieren. Um auch Muslime, ob nun schon vor längerer Zeit oder erst kürzlich nach Dresden gekommen, auf die Angebote aufmerksam zu machen, ist man laut Marcenaro gezielt an Vertreter der muslimischen Gemeinde herangetreten.

„Dresden sucht die Superminderheit“

Für jeden Geschmack sollte etwas zu finden sein. Es gibt (Tanz-)Theater, reichlich Musik (etwa Balkan-Jazz-Punk aus Polen mit dem Quintett „Klezmafour“), Einführungskurse in jiddische sowie auch die arabische Sprache und Kultur, Filme, wobei das Spektrum von der Komödie wie „90 Minuten – bei Abpfiff Frieden“ mit Detlev Buck bis zum mystischen Thriller „Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen“ des polnischen Regisseurs Marcin Wrona reicht. Bei einer Nacht der Synagoge am 29.10. lassen sich ab 19 Uhr die Neue Synagoge und jüdisches Leben in Dresden kennenlernen (Eintritt in diesem Fall frei). Am 31.10. kann man im Societaestheater einem interreligiösen Poetry-Slam lauschen, der von der muslimischen Künstlergruppe „i, Slam“ dargeboten wird. Wie heißt es in der Bibel so schön: „Am Anfang war das Wort.“ Wortreich dürfte es auch am 1.11., 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde zugehen, wo unter dem Motto „Dresden sucht die Superminderheit“ Vertreter unterschiedlicher Ethnien diskutierten. Am 27.10., 20 Uhr, gastiert „We love Arabs“ im Societaetstheater, eine Tanzperformance mit Hillel Kogan und Adi Boutrous lebt laut Marcenaro nicht zuletzt davon, dass hier allerlei Vorurteile, die Israelis gegenüber Palästinensern haben, parodistisch-humorvoll bloßgestellt werden.

Eröffnung mit den „Klezmatics“

Eröffnet wird die 20. Ausgabe des Festivals mit einem Konzert der legendären, seit 30 Jahren bestehenden New Yorker Formation „The Klezmatics“ am 23. Oktober, 19 Uhr im Hygiene-Museum. Mit ihrem lustvoll experimentierfreudigen Sound haben die Künstler die Musikwelt nachhaltig neu definiert – weg von der Tradition des Shtetls zu einer Weltmusik, die die globale Bandbreite jüdischer Kultur zelebriert.

Auch sonst erklingt reichlich Musik: So nimmt das Ensemble SemiTones am 30.10, 20 Uhr, im Konzertsaal der jüdischen Gemeinde in fünf verschiedenen Sprachen – Arabisch, Hebräisch, Ladino, Türkisch und Französisch – die Besucher mit auf eine Reise in die vielseitige, musikalische Welt der Sepharden. Musik & Texte aus dem jüdischen Venedig des 16. Jahrhunderts bringt dann das Ensemble Lucidarium unter dem Motto „Musica per un mercante“ Lieder aus Mittelalter und Renaissance zu Gehör.

Weitere Infos über (0351) 26734048 und

www.juedische-woche-dresden.de

Von Christian Ruf

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