Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Google+
20 Jahre Galerie Kunstkeller Dresden: Eros‘ Spur führte zur Aktfotografie

Vernissage am Dienstag 20 Jahre Galerie Kunstkeller Dresden: Eros‘ Spur führte zur Aktfotografie

Bevor die Kunst in den Keller ging (und das ist keine Metapher, sondern wörtlich gemeint), stand dort in grauer Vorzeit mal das Bett des Hausmeisters und lagerten gleich daneben die Kohlen. Es ist eine ganz normale Villa, wie es viele im Preußischen Viertel gibt, die auf verschlungenen Pfaden zum Stammplatz für Eros wurde

Voriger Artikel
Junge Kreative erhalten in Dresden den Deutschen Multimediapreis mb21
Nächster Artikel
Die Mimenbühne feiert das 33. Dresdner Pantomimefestival

Erotik ist keine Frage des Alters – viele der Bilder belegen das.

Quelle: Volkmar Fritzsche

Dresden. Bevor die Kunst in den Keller ging (und das ist keine Metapher, sondern wörtlich gemeint), stand dort in grauer Vorzeit mal das Bett des Hausmeisters und lagerten gleich daneben die Kohlen. Es ist eine ganz normale Villa, wie es viele im Preußischen Viertel gibt, die auf verschlungenen Pfaden zum Stammplatz für Eros wurde. Zunächst hatte sich der – inzwischen längst aufgelöste – Verband Sächsischer Kunsthandwerker sein Büro und Ausstellungsmöglichkeiten hier eingerichtet. Und damit auch Publikum in die versteckten Räume fand, erinnerten sich einige Mitglieder ihrer erotisch angehauchten Arbeiten. Die Resonanz gab der Idee Recht.

Als der Verband sein Büro aufgab, sorgte Volkmar Fritzsche dafür, dass Gott Eros auch weiterhin die Kellertreppe hinuntersteigt. Im November 1996 wurde der Dresdner Künstler (Metalldesign, Fotografie) zugleich Galerist und eröffnete die Galerie „erotic art“. Die erste Ausstellung vereinte Arbeiten aus dem angewandten Bereich, Malerei, Grafik, Plastik bis zu Karikatur und Fotografie. Erstaunlich viele Künstler holten bisher versteckte Werke aus ihren Schubladen, so dass es schon zu Beginn ziemlich eng wurde im Keller. Da half nur, aus dem Kohlenverlies ein zusätzliches Kabinett zu zaubern.

Seitdem wechselten sich Angebotsausstellungen vieler Genres, Gemeinschaftsprojekte und Einzelausstellungen ab. Namen wie Wieland Förster, Hans-Georg Anniés, Jürgen Schieferdecker, Hermann Naumann, Helmut Trauzettel, Leonore Adler, Siegfried Haas, Vinzenz Wanitschke, Horst Hille oder Barbara Henniger und Erich Rauschenbach waren darunter. Auch die Fotografie setzte gleich in ihrer ersten Ausstellung 1997 mit dem Aktfotografen Günter Rössler ein Achtungszeichen. Zur Finissage hatte der Leipziger Künstler sogar ein Modell mitgebracht und live vor seine Kamera geholt. Kurz vor seinem Tod war er mit Arbeiten aus fünf Jahrzehnten noch einmal zu Gast in der kleinen Galerie.

Der Platz blieb auch weiterhin eingeschränkt. Große Formate haben im Kunstkeller Dresden keine Chance. Und richtig eng wird es, wenn die Mini-Bühne zu Veranstaltungen einlädt. Denn zu Galerie und Fotoatelier in einem ist noch ein „Theaterort“ für maximal 20 Zuschauer gekommen. Sie können Kunst wirklich hautnah erleben. So hat sich der Keller immer mal wieder ein wenig gewandelt. Nach zehn Jahren Genrevielfalt konzentrierte sich Fritzsche nunmehr ganz auf die zeitgenössische Aktfotografie mit eigenen Ausstellungen und Arbeiten anderer Fotokünstler. Um Eros im ganzen künstlerischen Spektrum kümmerte sich im Kunstkeller die Porzellanmalerin Janett Noack, bevor sie eigene Räume bezog.

2009 wurde dann aus der Galerie „erotic art“ die Galerie „aktfotoARTdresden“. Das ist sie bis heute und sowohl in dieser Spezialisierung als auch in ihrer Entwicklung wohl einmalig in Dresden. Es ist erstaunlich, welche Facetten Fotokünstler rund um den menschlichen Körper entdecken und mit wie viel Phantasie das Thema Aktfotografie bedient wird. Für Fritzsche selbst endet diese Entdeckung nicht an einer Alters- oder Schönheitsgrenze. Seine Modelle dürfen ruhig auch reifer sein. Er findet alle Menschen, die sich mutig dem Kameraauge stellen, auf ihre Weise schön – und die Resonanz der Besucher gibt ihm überwiegend recht.

Im Laufe der Jahre hat sich ein Kreis Stammpublikum herausgebildet. Erstbesucher merken in der Regel schnell, dass der Gang in den Keller zwar ein Prickeln verursachen kann, aber nichts „Verruchtes“ an sich hat. Spezielles Merkmal: Vernissagen werden zur Einstimmung meist durch eine kleine Performance garniert. Auch zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung „The Best Of“ am 15. November, 20 Uhr wird es so sein. Volkmar Fritzsche zeigt als Resümee der Arbeit der vergangenen Jahre je eine Fotografie von 70 Modellen. Es wird auch eine Jubiläumsrevue „Hetären und andere Weibereien“ am 25. November, um 20.30 Uhr geben. Sie ist bereits ausverkauft. Christina Nell

Vernissage: „The Best Of“, Aktfotografie mit 70 Modellen, 15. November, 20 Uhr im Kunstkeller Dresden, Radeberger Straße 15; geöffnet bis 23. Februar 2017, Di. 15 bis 21.30 Uhr, Mi. und Do. 16.30 bis 18.30 Uhr und nach Vereinbarung.

www.kunstkeller-dresden.de

Von Genia Bleier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr