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17 Hippies gastieren im Alten Schlachthof Dresden

17 Hippies gastieren im Alten Schlachthof Dresden

Fast 20 Jahre ist es her, dass in Berlin die Band 17 Hippies begann, ihr akustisches Unwesen zu treiben. Was 1995 als Trio begonnen hat, mauserte sich zu einem Orchester, das mit einer eigentlich stetig wechselnden Zahl an Musikern Kultstatus erreicht hat, auch wenn es in den letzten Jahren um die Band wieder ein wenig ruhiger geworden ist, der große Hype nach Andreas Dresens Film "Halbe Treppe" abgeklungen ist.

Längst ist daraus eine professionelle Band geworden, ja ein seriöses Unternehmen - inklusive eigener Plattenfirma, eigenem Tonstudio, eigenem Verlag. Nun haben die 17 Hippies gleich zwei CDs veröffentlicht. Zum einen das für Kinder gedachte Album mit dem Titel "Titus träumt", zum anderen einen Silberling mit Namen "Biester".

Vom Booklet des letzteren schaut einem ein farbenfrohes Fabelwesen entgegen, eine Mischung aus Eule und Mensch, eine Gestalt in einem Hobbit-Zyklus von Peter Jackson oder auch im nächsten Avatar-Film von James Cameron. "Biester" ist ein scheinbar wahllos buntes, tanzbares Konglomerat aus Einflüssen von gefühlt einem Dutzend Zeitzonen und 17 Kulturkreisen. Und als sei das derzeit gute Dutzend an zur "Firma" gehörenden Musikern nicht genug, spielt auf jedem Lied auch noch ein eigener Percussionist mit, nebst etlichen weiteren Gästen, frei nach dem bewährten Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden". So ist auf dem Tanzstück "Geamparalele" aus dem Südosten Rumäniens der Tunesier Tunji Beyer für Percussion zuständig, während Max Weissenfeldt aus Berlin bei "The Beast On Your Tracks" Hand an die Drums legt. Ein Dutzend Songs ist auf "Biester" versammelt, darunter Coverversionen von Dickey Betts, den Allman Brothers, Frank Zappa und Bill Laswell. Der Sound scheint bewusst analog gehalten worden zu sein. Dass Mexiko, Ziel der letzten Tournee, ungemein inspirierend war, ist dem Album auch anzumerken. Ob "Hinter den Hügeln" reicht, um zum Mariachi-Musiker ehrenhalber ernannt zu werden, wird sich erweisen. Vergleichsweise ruhig und gerade deshalb ungemein faszinierend: Das Lied "Hand vorm Gesicht" mit Zeilen wie "Draußen stürmt, kalt, es tobt mein Herz vor Raserei. Im tiefen Wald fliegt ein Kuckuck vorbei".

Mal geht es um tiefe Sehnsüchte, mal um einen verregneten Tag im März. Mal liegt mit einem Chanson ein Hauch von Frankreich in der Luft, dann hat man das Glück, auf den Balkan verschlagen zu werden, bevor es dann bei einem englischsprachigen Song im Stile eines Tom Waits rumpelt. Die 17 Hippies haben eine Vorliebe für die bunte Mischung, das spiegelt sich auch in der vielfältigen Instrumentierung ihrer neuen Stücke wieder: Akkordeon, Balafon, Banjo, Bassquerflöte, Blockflöte, Bouzouki, Bratsche, Cello, E-Bass, E-Bow, Euphonium, Glockenspiel... Unter X und Y findet sich nichts, beim Buchstaben Z liest man Zither und Zoura (was auch immer das ist). Fest steht jedenfalls, dass man in Deutschland keine zweite Band finden wird, die so konsequent das Credo der Vielfalt zelebriert.

Auf dem zweiten neuen, dem eigens für Kinder abgemischten Album träumt sich Titelfigur Titus zu Frau Lamouche mit ihrem Grammophon, zu Schweinchen Bunt, zu Jan und Hain und Klaas und Pit, die Bärte haben und auf Kaperfahrt gehen, und natürlich zu der Kieschka, einer Presswurst, so lecker, dass sich Wachmann Bernhard vom Dieb einen Zipfel geben lässt: Denn "Bernhard ist bestechlich und er fühlt sich schwächlich, die Wurst, sie schmeckt vortrefflich". Auch diese CD führt die Hörer in bester Hippie-Tradition musikalisch durch die Welt, auch hier gibt es - "Arriba!" - einen Ausflug nach Mexiko, kann - "Plinka, Plinka, Pling" - die Fiesta losgehen. Auch auf diesem Werk kommt ein großes Arsenal an Instrumenten zum Einsatz, wobei besonders Akkordeon und Geige zum Zuge kommen.

Sonnabend, 20 Uhr, spielen die 17 Hippies im Alten Schlachthof

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2014

Christian Ruf

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