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16. Jüdische Musik- und Theaterwoche in Dresden startet mit neuer Ausrichtung

16. Jüdische Musik- und Theaterwoche in Dresden startet mit neuer Ausrichtung

Der Duft war einfach zu köstlich. Esau ließ sich verführen, verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht an seinen Bruder Jakob, wie in der Bibel nachzulesen ist.

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Die Ausstellung "Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen" zeigt im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde die Welt sephardischer Juden mittels historischer Aufnahmen, wie dieser aus Sarajevo, 1917. Repro: Theatertage

Dieses Gericht ist in die Geschichte eingegangen - und unter dem Namen "Die Verlockung des Esau" in der jüdisch-sephardischen Küche durchaus populär (bei Hülsenfrucht-Verächtern natürlich nicht).

Das Rezept dafür ist im umfangreichen Programmheft der 16. Jüdischen Musik- und Theaterwoche abgedruckt, die in diesem Jahr unter dem Motto "Auf den Spuren der Sepharden" steht. Man nimmt jüdisches Leben rund um das Mittelmeer in den Fokus, wirft auf den unterschiedlichsten Ebenen - musikalisch, sprachlich, szenisch und eben auch kulinarisch - einen Blick auf die sephardische Kultur, das Pendant zur aschkenasischen Mittel-/Osteuropas.

Die neue Ausrichtung des Festivals macht's möglich. Was 15 Jahre lang die "Jiddische Musik- und Theaterwoche Dresden" war, ist nun die 16. (wenn auch eigentlich 1.) "Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden". "Wir wollten deutlich machen, dass nicht alles, was jüdisch ist, auch jiddisch ist, dass die jüdische Kultur ungemein vielfältig ist", begründete Festivalleiter Michael Rockstroh gegenüber den DNN den Namenswechsel. Schon lange habe man damit geliebäugelt, nicht immer nur die Kultur der Aschkenasim zu präsentieren, sondern auch mal die der sephardischen Juden, die ihren Ursprung im mittelalterlichen Spanien haben und deren Sprache das Ladino ist, auch Judenspanisch genannt.

Und Andreas Nattermann, Vorstandsvorsitzender des im vorigen Jahr gegründeten Vereins Jüdische Musik- und Theaterwoche e. V., ergänzt: "Die Identifikation der jüdischen Gemeinde mit dem Festival ist damit höher." Auch sei es so möglich, tagespolitische Aspekte und Themen aufzugreifen, etwa das israelisch-arabische Verhältnis.

Schirmherr des diesjährigen Festivals ist Sebastian Krumbiegel, Mitglied der Leipziger "Prinzen". Man hatte ihn nicht zuletzt deshalb angefragt, weil er, so Nattermann, ein "sehr politischer Künstler" sei, der sich etwa seit vielen Jahren für das Jugendfestival "Leipzig. Courage zeigen. - Junge Musiker gegen Gewalt und Rassismus" engagiert.

Der Klezmer - das zur Beruhigung der Freunde dieser Musikrichtung - kommt nicht zu kurz. Aber auch sonst kann man bei diesem vor allem von der Stadt Dresden und von der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen geförderten Festival wahre Entdeckungen machen. Zwischen dem 14. und dem 28. Oktober stehen 45 vielfältige Veranstaltungen mit Künstlern aus zehn Ländern auf dem Programm. Spezielle Veranstaltungen sind Bruno Schulz und Victor Klemperer gewidmet. Es gibt natürlich Gottesdienste, Ausstellungen, Lesungen und Vorträge, aber sie bilden nur den Rahmen für ein Festival, das jüdische Kultur nicht museal, sondern jung und lebendig zeigen will.

Dieser Ansatz findet seinen Niederschlag beispielsweise in einer "Meschugge-Party", die der in Berlin lebende Aviv Netter alias DJ Aviv without the Tel am 20. Oktober ab 23 Uhr in der Scheune steigen lässt. Zu hören sind Elektropop, die größten Grand-Prix-Hits aller Zeiten und vor allem orientalische Sounds, hebräische Schlager und israelische Chart-Hits. "Jew Box", der Name für die Dresdner Party-Reihe, ist ein Ort, an dem man junge jüdische Kultur und (unorthodoxes) israelisches Lebensgefühl hautnah miterleben kann.

Unorthodox ist auch das Stück "The holycoaster s(HIT) circus", das am 18. und 20. Oktober, jeweils 20 Uhr, im Societaetstheater zu sehen ist. In dieser schweizerisch-israelisch-deutschen Koproduktion treffen Klischees auf Gutmenschentum, politisch unkorrekte Witze auf reihenweise Missverständnisse, agieren überkarikierte Charaktere in Situationen, in denen das Lachen im Hals stecken bleibt.

Definitiv gelacht werden muss bei einer unter Leitung des bei Tel Aviv lebenden Regisseurs Shlomo Golan kreierten deutsch-israelischen Clownsshow am 15. Oktober im Projekttheater. Sechs deutsche und zwei israelische Künstler testen ihre Beziehungsfähigkeit zwischen Liebe und Krieg, wobei die Show eine Melange aus Clownerie, Akrobatik, Theater, Musik und Tanz sein soll. Christian Ruf

Vorverkauf: Societaetstheater, Konzertkasse im Florentinum, Konzertkasse in der Schillergalerie, Ticketverkauf im Old Abraham, Ticketcentrale im Kulturpalast

online: www.reservix.de

Festivalbüro Jüdische Musik- und Theaterwoche, Bautzner Str. 20 (Mo-Do 12-18 Uhr)

Tel. 0351/26734048

www.juedische-woche-dresden.de

Gemeindezentrum Jüd. Gemeinde bis 28. Oktober: Ausstellung Library of Rescued Memories - Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen, So-Do 12-18 Uhr

14. Oktober: 19 Uhr, Gemeindezentrum: Eröffnungskonzert

15. Oktober: 20 Uhr, Theaterhaus Rudi: Der Mames Nign. Konzert mit Jalda Rebling & Franka Lampe; 20 Uhr, Projekttheater: Beziehungen zwischen Liebe & Krieg. Clownsgruppe "The Clown Way"

16. Oktober: 20 Uhr, Kino Thalia: Dokfilm. Purim - The Tunnels of Memory; 21 Uhr, Scheune: Sounds from Ts'anaa city. Konzert mit dem Ensemble Yaman

17. Oktober: 20 Uhr, Societaetstheater: Di Khumesh Lider. Musiktheater mit Rafaël Goldwaser & Lufttheater Strasbourg

18. Oktober: 18 Uhr, Stadtmuseum: Tagung (auch am 19.10. 9-20 Uhr). Victor Klemperer - Heimat im Wort?; 20 Uhr, Societaetstheater: The holycoaster s(hit) circus. PENG!

19. Oktober: 20 Uhr, Societaetstheater: Die Zimtläden (nach Bruno Schulz). Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau-Görlitz

20. Oktober: 20 Uhr, Societaetstheater: The holycoaster s(hit) circus. PENG!; 20 Uhr, Gemeindezentrum Jüdische Gemeinde: Boda. Sephardische Hochzeitslieder. Ensemble Saltiel; 23 Uhr, Scheune: Party. Jew Box (Meschugge Party)

21. Oktober: 20 Uhr, Projekttheater: Videoperformance. Zuhause bleiben. Natan Ornan; 20 Uhr, Kleines Haus: Konzert mit Kroke

22. Oktober: 20 Uhr, Societaetstheater: Konzert mit Yahli Toren & Tobias Rüger

23. Oktober: 20 Uhr, Societaets-th.: Drei Mütter (Three Mothers). Theatre Company Jerusalem

24. Oktober: 20 Uhr, Societaets-th.: Mus. Lesung. Die Brüder Saphir. Topsy Küppers; 20 Uhr, Societaetstheater: Drei Mütter. Theatre Company Jerusalem

25. Oktober: 20 Uhr, Societaets-th.: chamber.world.music - Klassik trifft Klezmer [JazzTage]. D.-Orlowsky-Trio; 22 Uhr, Scheune: Électro Séfarade. Mazal

26. Oktober: 20 Uhr, Johannstädter Kulturtreff: Tanz und Musik. Tanz in den Schabbat; 20 Uhr, Societaetstheater: Victory Party. Geoff Berner Klezmer Trio

27. Okt.: 17 Uhr, Societaetsth.: Multimediavortr. Sepharad, Sephardische Lieder und Hawdala. Dr. Herbert Lappe & Jalda Rebling; 20 Uhr, Societaetsth.: Songs of Schulz. Edyta Janusz-Ehrlich, Marcin Kulwas u. a.

28. Oktober: 10 Uhr, Café Schoschana: Musikalischer Brunch. Detlef Hutschenreuter & Alina Walew; 17 Uhr, Café Schoschana: Lesung. Das Jiddisch-Café lädt ein: Bella Chagall - Lebenserinnerungen; 20 Uhr, Societaetsth.: Abschlusskonz.: Daughter of the Spring - Die Tochter des Frühlings. Mor Karbasi Quartet

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2012

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