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16. Ausgabe des Irish Spring-Festivals

Tanz 16. Ausgabe des Irish Spring-Festivals

Eine Umarmung wurde nun von dem Musiker Andrew White dem oder der ersten versprochen, der/die die eigene Lethargie überwindet und zur Musik der Gruppe Dallahan endlich das Tanzbein schwingt. Und da es letztlich nur drei Frauen waren, die keine Lust mehr hatten, nur das Sitzfleisch zu strapazieren, ließ sich White nicht lumpen und umarmte – nachdem er sein Akkordeon weggelegt hatte, glatt alle drei Tänzerinnen.

Dresden. „Den Baum berühren, den Baum spüren, eins werden mit dem Baum.“ Das ist das Mantra einer Frau, die zum Personalbestand des famosen Zeichners Tom gehört, dessen Strips in der taz zu finden sind. Fast alle sind Figuren Toms sind auf ihre Weise skurril und verschroben, diese ständig Bäume umarmende Öko-Tante ist es besonders. Gelegentlich ist die „Tree-Huggerin“ allerdings selbst des Baumes größer Feind, etwa wenn sie auf eine Art Sean Connery unter den Bäumen mit Kreide ein Kreuz aufmalt, um ihn wiederzufinden – für Waldarbeiter allerdings ein Zeichen, dass der auch abgeholzt werden kann.

Eine Umarmung wurde nun von dem Musiker Andrew White dem oder der ersten versprochen, der/die die eigene Lethargie überwindet und zur Musik der Gruppe Dallahan endlich das Tanzbein schwingt. Und da es letztlich nur drei Frauen waren, die keine Lust mehr hatten, nur das Sitzfleisch zu strapazieren, ließ sich White nicht lumpen und umarmte – nachdem er sein Akkordeon weggelegt hatte, glatt alle drei Tänzerinnen.

Die Gruppe Dallahan kommt aus Edinburgh, trat aber trotzdem im Rahmen der 16. Ausgabe des Irish (!) Spring Festivals auf, das nun in der ausgesprochen gut besuchten Dreikönigskirche, deren Altar passenderweise in grünes Licht getaucht war, einen Zwischenstopp einlegte. Nur zwei Mitglieder des Quintetts sind allerdings waschechte Schotten, es mischen auch noch ein Ire und zwei in Edinburgh gestrandete Ungarn mit, was den Sound dann mitunter ziemlich gen Balkan abdriften lässt. Aber sonst waren die fünf „Dallahanisten“ so frei, für allerlei Genres offen zu stehen. Bluegrass? Jazz? Csárdás? Funk? Alles mal in Spurenelementen, mal in geballter Ladung drin – und je nachdem schluchzt mal mehr die Geige, dass man sich in einem Budapester Kaffeehaus wähnt, mal wird mit dem Banjo eingeheizt, was für ein gewisses Appalachian-Flair sorgt. Aber das Gros an Instrumentals waren dann doch Jigs, Hornpipes und Reels, also das, was das musikalische Erbe der Grünen Insel wie Schottlands so hergibt.

Das krasse Gegenteil an musikalischer Auffassung pflegen Caítlin Nic Gabhann und Ciarán Ó Maonaigh, deren Namen jedes nichtgälische Rechtschreibprogamm in die pure Verzweiflung treiben. Die beiden Iren, die seit einiger Zeit sogar verheiratet sind, vertrauen ganz auf die reine, urtümliche Kraft traditioneller Melodien. Und wenn dann doch mal eine Eigenkomposition mit im Spiel ist, dann klingt sie trotzdem, als hätte sie schon 300 Lenze auf dem Buckel. Gabhanns Spiel auf der Concertina lässt Kenner regelrecht mit der Zunge schnalzen vor Begeisterung (lautlos natürlich nur) – und wie Ó Maonaigh seine Geige zu handhaben weiß, ist auch allererste Sahne. Mitunter ist da nur ein Hauch von Ton, liegt eine unglaubliche Intimität in der Luft.

Und dann war da noch Blás, ein All Star Quartett, das eigens für dieses Festival zusammengestellt wurde, und zwar von dem Akkordeon- und Flötenspieler Stephen Doherty. Beim Namen des Gitarristen zuckt man erst mal zusammen! Shane McGowan? Aber es ist „nur“ ein Namensvetter, nicht jener Shane McGowan, der einst bei den Pogues Stimmbänder wie Leber extremen Belastungstests unterzog. Dieser McGowan, der aus dem rauen und dünn besiedelten Sligo in Nordwesten von Irland stammt und von der Sängerin Anne Brennan nachdrücklich als „netter Junge“ bezeichnet wurde, schrubbt und zupft einfach nur die Gitarre, aber das derart famos, dass auf Anhieb nachvollziehbar ist, dass er auf vielen Hochzeiten „tanzt“, bei Jazzgruppen ebenso mitspielt wie zusammen mit dem indischen Tabla-Meister Zakir Hussain. Musikalisch war es erlesen, aber wie Caítlin Nic Gabhann und Ciarán Ó Maonaigh brachte auch Blás keinen dazu, zu tanzen. Naja, es wurde auch kein „Hug“, keine Umarmung, angeboten.

Von Christian Ruf

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