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14 Nationen in kreativer Atmosphäre der Dresdner Meisterkurse Musik

Interdisziplinäre Ganzheitlichkeit 14 Nationen in kreativer Atmosphäre der Dresdner Meisterkurse Musik

Improvisation mit Abstimmung: Offenes Ende Ja oder Nein? Vier von fünf Kursteilnehmern stimmen für Ja, auch Schlagzeuglegende Günter Baby Sommer als Leiter des für alle Teilnehmer der diesjährigen Dresdner Meisterkurse Musik (DMM) offenen Kurses befürwortet dies, um mehr Gespür für das Gefühl im Zusammenspiel zu erzeugen.

Benjamin Kedem, eigentlich Posaunist, der zum zweiten Mal aus Israel zu den Meisterkursen gekommen ist, hat dieses Mal seine zwölfjährige Tochter Dana mitgebracht, die als jüngste DMM-Teilnehmerin bei der Geigenvirtuosin und Echo-Preisträgerin Rebekka Hartmann unterwiesen wird.

Quelle: Ronny Waleska

Dresden. Improvisation mit Abstimmung: Offenes Ende Ja oder Nein? Vier von fünf Kursteilnehmern stimmen für Ja, auch Schlagzeuglegende Günter Baby Sommer als Leiter des für alle Teilnehmer der diesjährigen Dresdner Meisterkurse Musik (DMM) offenen Kurses befürwortet dies, um mehr Gespür für das Gefühl im Zusammenspiel zu erzeugen. Und so legen sie denn alle los, zwei Pianistinnen, ein Gitarrist, zwei Schlagzeuger sowie ein Posaunist, um nach einer, nach fünf oder vielleicht auch erst nach mehr als zehn Minuten zu einem gemeinsamen Ende zu finden.

Die Posaune dominiert das Sextett, alle anderen bleiben zunächst zaghaft, werden dann aber immer mutiger und mischen sich ein, geben eigenen Ton an im wachsenden Kosmos aus Klängen, die so nur für diesen einen Moment da sind. Und tatsächlich, nach einem Kulminieren, einem ersten Höhepunkt dieser Improvisation, stellt sich das Gefühl für ein Abebben zum baldigen Schlusspunkt ein – das aber nicht alle teilen. Als käme nach dem Intro nun die Durchführung, beinahe klassisch, will nochmal jemand forcieren, steckt die anderen an, reißt mit, bis das offene Ende dann doch irgendwann erreicht ist. Ein schönes Ende, sind sich alle einig.

Es geht bei den Meisterkursen an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden nicht um konzertreife Aufführungen, sondern um gemeinsames Erarbeiten. Allein dieser Improvisationskurs, den auch „klassisch“ orientierte Instrumentalisten besuchen können, verbindet deutsche, englische, hebräische und italienische Muttersprachler. Insgesamt sind dieses Jahr 14 Nationen in Dresden vertreten, betont Florian Uhlig, der Prorektor für Künstlerische Praxis, mit Freude. Sie alle verstehen sich, sind einander verbunden in der Sprache der Musik.

Deutschstunden bei Fürnbergs Tochter

Doch Hebräisch lässt in dieser Internationalität eben doch aufhorchen. Benjamin Kedem, der Posaunist, hat tatsächlich die weite Reise aus Israel nach Dresden auf sich genommen. „Ich war vor zwei Jahren schon mal hier, das hat mich so begeistert, dass ich unbedingt wiederkommen wollte.“ Allerdings hat Benjamin diesmal seine zwölfjährige Tochter Dana mitgebracht, die in ihrer Heimat Violinunterricht nimmt und nun als jüngste DMM-Teilnehmerin bei der Geigenvirtuosin und Echo-Preisträgerin Rebekka Hartmann unterwiesen wird. Schon nach der ersten Begegnung klingt sie äußerst zufrieden, hat technische Details erfahren, die ihr neu sind, erprobt eine andere Bogenhaltung, die nicht nur dem Spiel, sondern auch dem Körper gut tut.

Benjamin Kedem, ganz stolzer Vater, unterstützt seine Tochter, wo er nur kann. Er weiß genau, was Musik zu bewirken vermag: „Ich wollte unbedingt Sergiu Celibidache erleben und von ihm lernen. Also bin ich vor vielen Jahren nach München gegangen und habe mir diesen Wunsch erfüllt.“ Damals wollte er selbst Dirigent werden und absolvierte nach seinem Universitätsabschluss in Israel noch Studien in Weimar und Köln. Daher also stammt sein gutes Deutsch?

„In Weimar hatte ich eine wunderbare Sprecherzieherin, das war die Tochter von Louis Fürnberg!“ Heute leitet Benjamin die Blasabteilung an der Universität von Be’er Scheva, unterrichtet Musikgeschichte und Theorie an Schulen sowie am Konservatorium. Vor allem aber schwärmt er vom hohen Niveau der musischen Ausbildung in Deutschland, wo er einige Zeit als Dirigent tätig war: „In Israel sehen wir Deutschland derzeit in einer Spitzenstellung, was klassische Musik betrifft. Das hat leider zur Folge, dass viele unserer Musiker in deutschen Orchestern spielen und bei uns als Lehrer fehlen. Aber ich bin diesem Land sehr dankbar für solche Meisterkurse und die Finanzierung durch den DAAD.“ Mit solchen Stipendien würde der internationale Kontakt bewahrt, zudem sollten Meisterkurse wie dieser auch für Israel als Ziel stehen. „Das ist der Maßstab für uns!“ In den 80er Jahren habe es dort noch Warteschlangen gegeben, um in ein Jugendorchester zu kommen, erzählt er. „Heute suchen wir nach Kindern, die Musikausbildung ist viel zu teuer geworden.“

Was ihn in Dresden fasziniert, sei das interdisziplinäre Angebot: „Dieser Meisterkurs ist ein Gesamtkunstwerk für Musiker, wirklich!“ Denn die Teilnehmer werden nicht nur an ihrem Instrument unterwiesen, sondern erhalten Bildung für Körper und Seele, können Yoga-Kurse besuchen, lernen, wie sie sich dem Publikum präsentieren und bekamen etwa durch den Skispringer Sven Hannawald nützliche Tipps aus einer anderen Erfahrungswelt. Vor allem aber fasziniere ihn das Engagement der Lehrkräfte, unter denen viele Koryphäen seien, so Benjamin Kedem.

„Ein Gesamtkunstwerk für Musiker!“

Eine dieser Koryphäen ist Pianist Florian Uhlig, der ebenfalls das Interdisziplinäre der Meisterkurse hervorhebt. „Musikwissenschaft und Physioprophylaxe sind wichtige Zusatzangebote,“ betont er. „Dieses Ganzheitliche ist unser Alleinstellungsmerkmal. Es bringt frischen Geist in die Hochschule und fördert den Austausch von eigenen und externen Dozenten.“ Zudem wecke es grenzüberschreitend die Neugier auf Dresdens Musikhochschule sowie auf das Landesgymnasium, nennt Uhlig, der über wichtige Erfahrungen mit einem Festival in Südafrika verfügt, weitere Pluspunkte der DMM.

Logisch, dass die Meisterkurse nicht nur hinter geschlossenen Türen stattfinden, sondern heute beispielsweise unter dem Motto „DMM bewegt“ in der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Flughafen sowie am Freitag und Samstag in zwei Abschlusskonzerten zu hören sein werden.

Und was hat eine so junge Kursteilnehmerin wie Dana davon? Die schwärmt von all den tollen Kontakten in Dresden, ihr ist es wichtig, in diese Welt der Musik einzutauchen. Denn ihrer israelischen Heimat sei sie eher eine Ausnahme mit ihren Ambitionen. Die allerdings gehen weit über die Geige hinaus. Berühmt werden will sie, schon jetzt komponiert und textet sie eigene Popsongs, hat bei Instagram bereits 20.000 Follower, obendrein kreiert sie Mode- und Designstudien. Mit dieser Vielfalt an Interessen scheint sie in der kreativen Atmosphäre der DMM richtig gut aufgehoben.

Von Michael Ernst

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