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13. Februar - traditionelle Konzert der Dresdner Philharmonie in der Kreuzkirche

13. Februar - traditionelle Konzert der Dresdner Philharmonie in der Kreuzkirche

Blaulicht, Straßensperren, Chaoten zur Randale bereit - man war froh, dass es auch und immer noch Menschen gibt, die den Ernst dieses Dresdner Gedenktages empfinden und die seit Jahrzehnten gepflegte Dresdner Gedenkkultur weiterleben.

An stillen Ecken in der Stadt und hinter Kirchentüren. Das traditionelle Konzert der Dresdner Philharmonie, jetzt in der Kreuzkirche, war ein Teil davon - und diesmal mit einem besonders schlichten und beziehungsreichen Programm. Ein großes Konzerterlebnis, das die vielen Menschen im weiten Kirchenrund unmittelbar erreichte und berührte.

Die bohrende Frage nach dem "Warum" bildete die gedankliche und musikalische Klammer des Abends - zum einen im persönlichsten aller Werke, die sich mit Krieg und Vernichtung insbesondere in Dresden auseinandersetzen, der Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst" des früheren Kreuzkantors Rudolf Mauersberger, aber auch in der Brahms-Motette "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" op. 74/1 (wie oft hat sie der Dresdner Kreuzchor an dieser Stelle schon aufgeführt!). Der Philharmonische Chor unter seinem neuen Chef Gunter Berger sang beide mit Intonationssicherheit, kristallin durchsichtig und so ausdrucksintensiv, wie man sich das immer wünscht.

Von Rudolf Mauersberger ist der Weg zum früheren Kreuzorganisten Herbert Collum nicht weit. Auch ihn hat das Erlebnis von Dresdens Zerstörung geprägt. Seine Orgelvariationen über das alte Lied "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod" beeindruckt durch herbe, holzschnittartige Schönheit und durch ihre kunstvolle Vielgestaltigkeit. Einer von Collums Nachfolgern im Amte, Holger Gehring, nahm sich dieses Zyklus mit der nötigen Übersicht, dem ihn auszeichnenden Empfinden für Ausdrucksnuancen und Farben an.

Der Gedanke vom Totentanz, der Collums Variationen zugrunde liegt, findet sich auch in Modest Mussorgskys um 1875 entstandenen, dunklen Liedzyklus "Lieder und Tänze des Todes" wieder. Niemanden lässt er aus, nicht das fiebernde Kind, nicht den betrunkenen Bauern, das todessehnsüchtige Mädchen und auch nicht den kampferprobten Kriegsmann. Hier erklang die Orchesterversion. Chefdirigent Michael Sanderling und seine Philharmoniker überzeugten mit ihrem Sinn für lebhaft ausgekostete Kontraste, Präzision, die nicht mit orchestraler Sterilität zu tun hatte, und den jederzeit präsenten, richtigen Ausdrucksmitteln. Seine sonore Prachtstimme und sein individueller, leidenschaftlicher Zugang zu Mussorgskys eigenwilliger, spröder Tonsprache machten den Bassisten Sergei Leiferkus zum idealen Interpreten. Irgendwie schien es, er habe Mussorgsky im Blut.

Im Anblick der geschundenen Stadt Dresden schrieb Dmitri Schostakowitsch 1960 in Gohrisch sein berühmtes 8. Streichquartett, das aber auch viel über die Lebensqual des Komponisten aussagt. Der Freund Rudolf Barschai schuf davon eine wunderbar sensible Fassung für Streichorchester. Und bei deren Interpretation wuchsen die Philharmoniker und ihr Chef nun absolut über sich selbst hinaus. Der lange Atem und die Ruhe, mit der Sanderling dirigierte, ließ genügend Raum für die harten, aufbrausenden Passagen, aber auch für die Herztöne der langsamen Sätze. Das Ausdrucksspektrum, das er und das Orchester bereithielten, die spürbare, knisternde Spannung, die über allem lag, die Konturenschärfe ließen die Hörer nicht kalt. Ob der ungekünstelten, inneren Dringlichkeit der langsamen Ecksätze hielt man den Atem an.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2013

M.Hanns

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