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12. Spielzeit: Musik zwischen den Welten bietet ein abwechslungsreiches Programm

Zwischen Tradition und Moderne 12. Spielzeit: Musik zwischen den Welten bietet ein abwechslungsreiches Programm

Es ist die zwölfte Spielzeit der Reihe „Musik zwischen den Welten“, das Dutzend wäre also erstmal voll. Am Konzept hat Veranstalter Andreas Grosse nichts verändert, wozu auch, es hat sich bewährt. Geboten wird in der Regel eine Art Weltmusik im umfassendsten und besten Sinne – selten läuft es auf mehr oder weniger niveaulosen Stilmischmasch hinaus.

Am 4. September, 20 Uhr, stellt Aino Löwenmark im Kleinen Haus ihre erste Solo-CD „Human“ vor.
 

Quelle: PR

Dresden.  Der Mann ist dreimal so weit gereist wie legendärer Zeitgenosse Marco Polo, doch in der westlichen Welt kennt ihn kaum jemand. Aus einer Pilgerfahrt, die ihn 1325 von Tanger nach Mekka führen sollte, wurde eine 29 Jahre währende Reise in die entlegensten Ecken der damals bekannten Welt. Abu Abdullah Mohammed Bin Abdullah Bin Mohammed Bin Ibrahim al-Lawati, genannt Ibn Battuta, legte getrieben von nie endender Neugier grob geschätzt 120 000 Kilometer zurück. Genau ist das nicht nachzuvollziehen, denn Ibn Battuta verlief sich einige Male, und es gab nun mal – verdammte Axt“ – noch kein GPS. Der Araber bevorzugte den Landweg, denn jedes Mal, wenn er gezwungen war, ein Schiff zu nehmen, ging prompt irgendetwas schief.

 Nicht alles war eitel Sonnenschein In der jemenitischen Königsstadt Ta’izz etwa wirkten die Einheimischen auf Ibn Battuta „arrogant, unverschämt und unhöflich, wie es meistens in Städten der Fall ist, in denen Könige residieren“. Das somalische Zeila schien dem Weltenbummler „die schmutzigste, grässlichste und stinkendste Stadt der Welt“ wegen all des Fischs und des Bluts der Kamele, die mitten auf der Straße geschlachtet werden. Wo es möglich war, konzentrierte sich Ibn Battuta auf die schönen Facetten des Lebens und einer Kultur. Überhaupt war der Muslim Sinnesfreuden nicht abgeneigt, und das jetzt nicht nur , weil er zehn Mal heiratete und unzählige Konkubinen hatte.

Nun präsentiert der Amaan Chor aus Jordanien am 19. September, 20 Uhr, im Rahmen der Reihe „Musik zwischen den Welten“ sein Programm „The Journey... To hear what Ibn Battuta heard“, in dem musikalisch die damalige Reise nachvollzogen wird, mit Musik und mit Klängen, so wie Ibn Battuta sie damals gehört haben mag. Der Chor hat für jede Stadt seiner Tournee einen Partnerchor ausgewählt, mit dem gemeinsam er arbeiten und singen wird – in Dresden hat der Neue Chor die Ehre.

 Es ist die zwölfte Spielzeit der Reihe „Musik zwischen den Welten“, das Dutzend wäre also erstmal voll. Am Konzept hat Veranstalter Andreas Grosse nichts verändert, wozu auch, es hat sich bewährt. Geboten wird in der Regel eine Art Weltmusik im umfassendsten und besten Sinne – selten läuft es auf mehr oder weniger niveaulosen Stilmischmasch hinaus. Nun sind „Original“ und „Authentizität“ zugegebenermaßen ohnehin längst fließende Begriffe. Würde ein Feldforscher nach Ghana oder nach Boliven reisen, so würde er nicht weniger akkulturierte Musik vorfinden als im Rest der Welt. Mag man für die Afrika-Touristen in Souvenirläden auch den Soundtrack von „Der König der Löwen“ in Endlosschleife abspielen, in Addis Abeba in Äthiopien hört man vorzugsweise Jazz, in Südafrika Funk-Rap, in Botsuana Heavy Rock und in Nairobi Goth Rock. Und Hiphop ist eigentlich überall populär“, wie Alex Perry seinem bemerkenswerten Buch „In Afrika – Reise in die Zukunft“ ( S. Fischer Verlag, 544 Seiten, 24,99 Euro) u.a. deutlich macht.

Das Mysterium, Mensch zu sein

Am 4. September, 20 Uhr, stellt Aino Löwenmark bei der zwischen Tradition und Moderne wandelnden Reihe im Kleinen Haus ihre erste Solo-CD „Human“ vor. Die Künstlerin ist vielen bekannt als die eine Hälfte des Duos „Fjarill“, wobei sie nicht ganz auf Solopfaden wandelt, stehen ihr doch vier Männer musikalisch zur Seite. Der rote Faden des Albums ist „das Mysterium, Mensch zu sein“, die Arrangements sind vielfach akustisch angelegt, aber nicht reduziert auf unverstärkte Klänge. Flügel, Cello, Kontrabass und Percussion werden durch oszillierende Sounds von Wurlitzer- oder Rhodes-Piano, Hammondorgel und E-Gitarre bereichert.

Der Essenz des Fado ist Telmo Pires mit seiner Band am 11. September im Kleinen Haus auf der Spur. Lissabon, die Stadt am Tejo, gilt als ein Zentrum des Fado. Er ist in Portugal das, was der Flamenco in Spanien ist. Eine Musik, eine Tradition, ein Lebensgefühl. Die Lieder sind Ausdruck der Saudade, ein Wort, das sich schwer übersetzen lässt. In ihm schwingt Sehnsucht mit. Und Wehmut. Beim Fado läuft es aber beileibe nicht immer auf Schmermut und Tristesse-Stimmung hinaus, er kann auch durchaus fröhlich klingen.

Am 18. September, 20 Uhr, schaut die Paul McKenna Band, die diesem Jahr ihr zehn-jähriges Bühnenjubiläum begeht, in der Dreikönigskirche vorbei. Ihr Markenzeichen: schottische Folklore im modernen Gewand. „bach-transparent“ ist dann der Titel eines Konzerts am 20. September, 20 Uhr, im Kleinen Haus, dem Instrumente eingesetzt werden, die es zu Bachs Zeiten so nicht gegeben hat. Sowohl die Schlüsselfidel, in ihrer Heimat Schweden „Nyckelharpa“ genannt, die in ihrer heutigen Form erst seit ein paar Jahren wieder in der (hauptsächlich Folk-) Musik zu finden ist, als auch die akustische Stahlseiten-Gitarre sind Instrumente, die in ganz anderen Musikrichtungen beheimatet sind. Mit von der Partie ist Marco Ambrosini, der im Vorfeld beteuerte: „Wenn Bach die Nyckelharpa gekannt hätte, hätte er nur noch für dieses Instrument komponiert.“

Viele der Gruppen und Solisten sind gute alte Bekannte

Im Oktober sind acht Konzerte angesetzt, im November sind es deren gar zwölf. Gut die Hälfte der Gruppen oder Solisten sind jeweils gute alte Bekannte, der Neuigkeitswert hält sich insofern dieses Mal in Grenzen. Manche Bands wie Tworna (3.10., Dreikönigskirche) stellen immerhin ein neues Programm vor, mache bringen wenigstens eine neue CD mit, im Fall von Kroke aus Krakau (3.10., Kleines Haus) wäre das Silberling mit Titel „Cabareth of Death“. Am 16. Oktober, 20 Uhr, wird El Nene, mit bürgerlichem Namen Pedro Lugo Martinez, ein bisschen Karibik-Feeling ins Kleine Haus bringen. Auf seinem letzten Tonträger „Lagrimas de Amor“ („Tränen der Liebe“) zeigt er die ganze Bandbreite seines Könnens: mit dem Klassiker „Fiebre de ti“ seine sentimentale, mit „Felize recuerdo“ seine feurige, kubanische Seite.

Ungewöhnlich das Projekt „Indian Stretchable Time“ am 3. November, 20 Uhr, in der Dreikönigskirche. Vier indische Musiker spielen zusammen mit fünf europäischen. Nicht festgelegt auf ein bestimmtes musikalisches Genre lassen sich die Musiker von altenglischem Folk ebenso inspirieren wie von klassischen indischen Ragas, von old-school-Jazzstandards ebenso wie von Werken klassischer europäischer Komponisten wie Bach und Bartok. Charmante Chansons zwischen Leichtigkeit werden dann laut Programmheft für das Konzert von dem seit einigen Jahren in Berlin lebenden Franzosen Antoine Villoutreix am 5.11., 20 Uhr, versprochen. Der Sänger und Gitarrist reist mit Isabelle Klemt (Cello) von der Spree aus an.

Sämtliche Termine unter:

www.mzdw.de

Von Christian Ruf

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