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100. Ausstellung der Galerie Beyer zeigt Papierarbeiten von Sabine Herrmann

100. Ausstellung der Galerie Beyer zeigt Papierarbeiten von Sabine Herrmann

Die Galerie Beyer auf der Seitenstraße, um die es eine Zeit lang beunruhigend still geworden war, sie ist wieder da - mit ihrer 100. Ausstellung im 15. Jahr des Bestehens.

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Weggang von mir selbst, Sabine Herrmann, Pigmente und Acrylbinder auf Büttenpapier, 2,40 Meter mal 1,60 Meter.

Quelle: Repro Galerie Beyer

Gewidmet ist sie der 1960 in Meißen gebürtigen, in Berlin lebenden Malerin und Grafikerin Sabine Herrmann mit einer wie gewohnt konzentrierten Auswahl, die mehrere Facetten ihres Schaffens aufzeigt, aber ohne den Anspruch, die Entwicklung oder das gesamte Spektrum ihrer Arbeit zu beleuchten. Es herrscht atmende Stille, trotz teilweise spektakulärer Dimensionen, denn Papierarbeiten von solch "chinesischem" Format, wie derzeit im vorderen Ausstellungsraum gehängt, sieht man doch nicht alle Tage.

Die beiden mehrfarbigen darunter entstanden bereits Mitte der 90er Jahre, so der "weggang von mir selbst". Einen Schatten zurücklassend, steigt oder flieht eine scharf umrissene amöbenhafte Figur wie aus einer grünlichen bergenden Ursuppe; Gesichtszüge sind auch intuitiv nur fragmentarisch zu erkennen, schwimmen im Grau. In der Folge reduziert sich die Gefühls- bzw. Farbskala auf "Monodien" in Grau bis Schwarz, monochromer, einstimmiger Trauergesänge, auf die später wieder Solitärfarben wie das in die Tiefe lockende "blue" und Kontraste folgen, zu tiefem, sinnlichem, manchmal ins Orange spielendem Rot, die letztlich die kleine Auswahl bestimmen. Leider "verweigern" sich hier die Großformate aufgrund fehlender Entspiegelung beim Versuch einer Betrachtung aus Nahdistanz.

Manche Arbeiten von Sabine Herrmann erscheinen auf den ersten Blick häufig rein abstrakt, als Abkehr vom Gegenständlichen; sie arbeitet gern mit sehr breitem Pinsel, oft mit gleichmäßigen, exakt kreisenden oder geraden Zügen, aber auch im Spiel mit dem Zufall, wenn sie etwa Farbe in Rinnsalen über ein Blatt laufen lässt. Charakteristisch sind jedoch Überlagerungen und Übergänge zu gestischen Formen, zu Figurativem, zu Interieur und Raum und angedeuteten Interieurs.

Gegenständliche Details scheinen auf, reizen zur Erkundung. Die Künstlerin mischt Acrylbinder sparsam mit Pigmenten, was fein abgestufte, lasierende bis transparente Schichtungen erlaubt, eine Tiefe erzeugt, die vor allem emotional nachzuempfinden ist. So löst sich im Betrachten die Distanziertheit allmählich auf. Es gibt auch Schriftblätter von Sabine Herrmann, in denen immer wieder der Name Maria Lassnig auftaucht.

Wer in der neunteiligen Arbeit "Bodden" zunächst nicht mehr als nur ästhetische reizvolle Variationen abstrakter Formen erkennt, wird wohl spätestens mit dem Verweis auf die "Körpergefühlsbilder" der österreichischen Künstlerin auch in der wesentlichen Dimension fündig.

Ganz ähnliche Motive finden sich in einer Serie nobel gedruckter Lithografien, die variierend mit zwei Steinen, wechselnd in Rot und Schwarz gedruckt wurden, wobei sich hier im Untergrund tatsächlich noch Relikte eines Seglerhafens ausmachen lassen.

Etwas aus dem Rahmen fallen die im Kabinett gezeigten Bleistiftzeichnungen aus der 2011 entstandenen Serie "blind". Es sind intime Körperbilder, Akte, und zugleich Psychogramme. Unter Aufgabe der unmittelbaren Kontrolle hat die Künstlerin die Unterwanderung ihrer (bei Dieter Goltzsche geschulten) Handschrift durch die blind tastende Motorik ihrer Hand zugelassen und wahrhaft surreale Bilder von Seelenzuständen geschaffen.

Der Neustart der Galerie erweist sich mit dieser Ausstellung als alles andere als ein auf raschen Erfolg spekulierender "Reload", der sich einem breiteren Publikum anbiedern würde. Eher konzentriert sich Galerist Bernd Beyer noch mehr auf die Kunst und das, was ihm persönlich daran wichtig ist, und er wird sich mit dem Rest des Jahresprogramms ganz skulpturalen Arbeiten widmen (Hede Bühl, Klaus Hack, Gerd Sonntag), plant aber daneben auch erneute Teilnahmen an Kunstmessen.

Auslöser des mehrmonatigen Galerie-Blackouts, erklärt er, waren tragische Ereignisse im privaten Hintergrund, hinzu kamen die Folgen der Wirtschaftskrise, die sich bei der vorwiegend in den westlichen Bundesländern ansässigen Stammkundschaft bemerkbar machten. Gut für die insgesamt so schmale Präsenz zeitgenössischer Kunst in Dresden, gut für die von ihm vertretenen Künstler, dass der Galerist Beyer sowohl moralisch als auch materiell zu einer kalkulierten Trotzreaktion in der Lage ist.

Im benachbarten Café Saite lässt der Unternehmer Beyer derzeit eine zweite Küche einbauen, mit deren Kapazität das Angebot an Bio-Mittagessen für diverse Kindereinrichtungen auf täglich 1000 Portionen erweitert werden soll.

In einer Kunstmarkt-Situation wie der Dresdner mit ihrer wenig entwickelten und schon gar nicht besonders mutigen Nachfrage ermöglicht in vielen Fällen nur die relative Unabhängigkeit vom Verkaufserlös die derzeitig noch vorhandene Vielfalt der Galerienlandschaft.

iBis 18. Mai,l Galerie Beyer, Seitenstraße 4b, 01097 Dresden. Tel. 0351/89960075

Mi-Sa 15-20 Uhr und nach Vereinbarung

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2013

Tomas Petzold

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