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100 Werke niederländischer Meister des 16. Jahrhunderts im Dresdner Kupferstich-Kabinett

100 Werke niederländischer Meister des 16. Jahrhunderts im Dresdner Kupferstich-Kabinett

Erneut widmet sich das Kupfer- stich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden seinen niederländischen Zeichnungen. Nach Aus- stellungen, die den Bogen von van Eyck bis Rembrandt schlugen, sich den Rembrandt-Zeichnungen und dem "Geheimnis des van Eyck", widmeten, stellt das Kabinett nun 100 Werke der Meister des 16. Jahrhunderts unter dem Motto "Zeichnen im Zeitalter Bruegels" vor.

Die von Tobias Pfeifer-Helke kuratierte Schau ist die "Krönung" eines langjährigen, nunmehr abgeschlossenen Projekts zur Untersuchung des 750 Blätter umfassenden niederländischen Bestands dieser Periode. Anknüpfen konnten die Bearbeiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und gemeinsam mit der Bundesanstalt für Materialprüfung Berlin realisierten Vorhabens auch an Ergebnisse Christian Dittrichs, der dreißig Jahre die niederländischen Zeichnungen im Kupferstich-Kabinett betreute.

Bedeutsam ist das von Thomas Ketelsen, der mittlerweile in Köln tätig ist, Oliver Hahn und Petra Kuhlmann-Hodick Geleistete, weil erstmals eine geschlossene Bearbeitung dieses Bestandes - einschließlich materialtechnischer Aspekte - in einer umfangreichen Publikation dokumentiert werden konnte, deren Veröffentlichung der Ernst von Siemens Kunststiftung zu danken ist. Stellung genommen wird hier ebenso erstmals umfassend zur Typologie der Zeichnungen der Bruegel-Zeit.

Das im Dresdner Kupferstich-Kabinett Vorhandene bietet auch wegen seines Umfangs für solche Forschungen besonders günstige Voraussetzungen. Oft handelt es sich zudem um Blätter, die zeitnah zu ihrem Entstehen gesammelt wurden. Waren Arbeiten von Hans Boll schon in der Kunstkammer, so kamen viele andere mit dem Erwerb der Sammlung des Leipziger Ratsherrn Gottfried Wagner (1652-1725) ins Haus. Die in vielen Klebebänden verwahrten mehr als 10000 Zeichnungen sind seit 1728 in Dresden.

In der gediegen, in einer Anordnung von Kabinetten präsentierten Ausstellung findet man Überschriften wie "Porträt", "Mikrokosmos", "Landschaft", "Antikenrezeption". Dies verweist auf die erwähnte Typologie, in die auch skurrile und möglicherweise die Menschen einst erschreckende, der Phantasie entsprungene Ungeheuer integriert sind, wie man sie von Gemälden Boschs kennt. Das gilt ebenso für frühe Formen von Naturrezeption, wie sie sich etwa bei Roelant Saverys Aststudien sowie bei Löwendarstellungen finden, die man auf Gemälden wieder antrifft. Als eigenständiges Sujet erscheinen im 16. Jahrhundert erstmals Insektenstudien. Zu den bekanntesten präsentierten Blättern gehören sicher der sogenannte "Gänsehirt" Pieter Bruegels d. Ä. oder Hendrick Goltzius' Rötelzeichnung "Kopf einer alten Frau".

Landschaften - etwa auch die eingangs präsentierte von Dresden (Jacob Hoefnagel) - bringen, mehr oder weniger idealisiert, wichtige Elemente einer Gegend zusammen. Zu nennen sind etwa Italienmotive. Da ein Künstler jener Zeit vielleicht nur einmal im Leben dahin kam, galt es, alles aufzunehmen, was wichtig war. Dies wurde dann wiederum in Bilder umgesetzt, so wie etwa auf Paul Brils kleinem Gemälde "Forum Romanum", das als Solitär die Schau bereichert und eine Zeichnung von circa 1600 ergänzt.

Auf vielen Blättern befinden sich nur einzelne Motive, die wohl Vorbilder für Gemäldeelemente sind. Manche Zeichnungen sind auch quadratiert, um Übertragungen zu erleichtern. Ein besonderes Stück in diesem Zusammenhang ist eine seltene Fischleimpause aus dem Kupferstich-Kabinett (es gibt nur noch ein Exemplar in Basel), die, wie das Wort sagt, zum Pausen benutzt wurde. Erwähnt sei zudem, dass viele der vertretenen Zeichner nicht wirklich bekannt sind und deshalb "Notnamen" wie "Absalom-Meister" (nahezu die Hälfte der bisher bekannten Werke sind in Dresden) tragen.

Dass Bernhard Maaz, Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Gemäldegalerie Alte Meister, mit Verweis auf den Bestand der Bruegel-Zeit von einem "Grünen Gewölbe der Zeichenkunst" spricht, das sich derzeit für den Besucher öffne, ist nicht verwunderlich angesichts von dessen Umfang und Qualität.

Bis 22. Januar 2012, täglich 10 bis 18 Uhr (Di geschlossen)

Erschienen sind ein Bestandskatalog, 38 Euro (48 Euro im Buchhandel) sowie ein Ausstellungsführer, 14,90 Euro.

Führungen und Workshops siehe www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2011

Lisa Werner-Art

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