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1. Literaturmesse "schriftgut"in Dresden präsentiert alles rings um die Buchproduktion

1. Literaturmesse "schriftgut"in Dresden präsentiert alles rings um die Buchproduktion

"Du Ratte", steht in Großbuchstaben auf der Postkarte. Klingt nicht gerade fein, denkt man sich, da entdeckt man beim näheren Hinsehen im "R" ein kleines Wort, welches die Beschimpfung zum Kompliment wandelt: Auf einmal sieht man sich als "Lese-Ratte" angesprochen.

Das Werben mit vordergründigen Provokationen scheinen die Veranstalter von "schriftgut" zu verstehen. So nennt sich eine regionale Literaturmesse in Dresden, die zum ersten Mal laufen soll, von Freitag, 9. November, bis Sonntag, 11. November, im Messegelände im Ostragehege, im Gebäude der Börse Dresden und in der Ausstellungshalle 3.

Das optische Wortspiel kann man als Gag nehmen, aber es hat durchaus tiefere Bedeutung: Worauf es ankommt, das ist oft klein, unauffällig und wird beim flüchtigen Betrachten leicht übersehen. Auf den Literaturbetrieb trifft dies besonders zu. In Dresden und der Region dürfte er kaum von gewaltiger Dimension sein, wohl aber weit verstreut, also doch nur schwer überschaubar. Nun findet der Besucher dieser Messepremiere zumindest die meisten seiner Vertreter an einem Ort versammelt, kann entdecken, wie viel es gibt, von dem er bislang womöglich nichts wusste.

Weil es ums Kulturgut Buch geht, muss die Präsentation eine andere Form haben als eine gängige Verbrauchermesse, ebenso wenig will sie die überregionalen Buchmessen-Großaufläufe in Frankfurt am Main und Leipzig im Kleinformat kopieren, hat sich Hauptorganisatorin Peggy Salomo gesagt, die mit ihrem Mann Dirk Salomo den Dresdner Buchverlag leitet. "Es wird nicht nur eine Messe mit Ständen und Prospekten sein", kündigte sie gestern auf einer Pressekonferenz an. "Sondern ein Mitmach-Event". Eine Ausstellung, kombiniert mit umfangreichem Begleitprogramm.

Konkret: Die Besucher können durch acht Lese-Räume gehen. In jedem davon bekommen sie Antwort auf eine Frage, die mit der Buchproduktion in ihrer Region zu tun hat. "Wie kommen die Bücher auf die Erde?" zum Beispiel. Da kann man sich das alte Handwerk des Papierschöpfens nicht nur ansehen, man kann auch selbst ausprobieren, Bütten-, Bunt- oder Marmorpapier herzustellen. In anderen Räumen können sich die Besucher einen ehrwürdig alten Setzkasten anschauen, wie Bleilettern gegossen und damit gedruckt wird. Können Illustratoren oder die Meister der schönen Schrift, die Kalligrafen, kennenlernen. Auch seine alten Bücher kann man mitbringen; erfahrene Antiquare schauen sie sich an und sagen einem dann, was sie wert sind.

In einem Raum ist Literatur als öffentliche Veranstaltung zu erleben. Neben Schreibwerkstätten zum Reinschnuppern, Märchenzelten, Filmen, Theater, Spielen und Workshops gibt es vor allem Lesungen. Bei einer "Langen Dresdner Lesenacht" zum Beispiel sind auf das "Rote Sofa" Autoren eingeladen wie der in Dresden lebende Ralf Günther, Verfasser historischer Romane, Jörg Bernig, Romanautor und Lyriker, und der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge. Das soll dann so eine Mischung aus Lesung und Talk sein. Auch der Kabarettist und Schauspieler Wolfgang Stumph und Schriftsteller Norbert Weiß sind zu erleben.

Einen Überblick verschaffen kann man sich auch über die regionalen Verlage. Alle Genres, alle Formen sind vertreten. Selbst Hersteller von Hardware für elektronisch gespeichertes Lesefutter wie die Radebeuler Firma Pocketbook Readers. "Wir wollen einen Bogen schlagen über Jahrhunderte von der Vergangenheit bis in die Zukunft", sagt Peggy Salomo.

Ein Raum widmet sich unter der Überschrift "Lesen soll Spaß machen" speziell der Leseförderung. Die Städtischen Bibliotheken laden dort zum Mitmachen ein. Dafür ist besonders der Freitag reserviert. Dass ganze Klassen diese Möglichkeit für etwas nutzen können, das Bestandteil des Lehrplans ist, scheint allerdings bislang nur an wenigen Dresdner Schulen angekommen zu sein, wie die Organisatorinnen nach vielen Gesprächen dort feststellen mussten.

Selbst der Extremfall in Sachen Leseförderung soll eine Rolle spielen: die Bekämpfung des Analphabetismus. Ein Problem, dass man schnell in andere, ferne Länder steckt, das aber auch hier gegenwärtig ist, wie Lutz Huchel sagte, Leiter der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie Dresden (EWS): "In Dresden gibt es schätzungsweise 20 000 Analphabeten." Seine Einrichtung will sie mit Alphabetisierungskursen in die Lage versetzen, am normalen Leben teilzunehmen.

Mit 3000 bis 5000 Besuchern rechnen die Organisatoren. Bei den Ausstellern soll das Interesse, anfangs sehr verhalten, rasch gewachsen sein. Erst planten sie mit 50 Ausstellern, nun sind es 78. Deshalb expandierte die "schriftgut" in ihrer ersten Auflage und nutzt nun auch Halle 3.

Tomas Gärtner

verlosung

Die DNN verlosen für diese Messe fünf mal zwei Eintrittskarten. Wer gewinnen möchte, ruft morgen zwischen 15 und 15.10 Uhr unter Tel. 01805/ 21 81 00 (0,14 Euro/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute) an. Die ersten drei Anrufer, die durchkommen, gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Eintritt: Tageskarte 6 Euro, ermäßigt (Schüler, Stud., Schwerbehinderte, Rentner, Erwerbslose) 4,50 Euro, Kinder bis 10 J. in Begleitung ihrer Eltern frei, Schulklassen nach Anmeldung 2 Euro p. P.

9. November: 9-18 Uhr Kinder- und Jugendtag, 18-21 Uhr Abendveranstaltung, u.a. 17.15 Uhr Jens Uwe Sommerschuh, 19 Uhr Wolfgang Stumph und Norbert Weiß "Sächsische populäre Irrtümer"

10. November: 10-23 Uhr; 18-24 Uhr Lange Dresdner Lesenacht, u.a. 18 Uhr "Das Rote Sofa" mit Ralf Günther, Jörg Bernig, Friedrich Wilhelm Junge, 20 Uhr Messe-Poetry-Slam

11. November: 10-18 Uhr; u.a. Manfred-Streubel-Gedächtnislesung; Barockbühne Dresden, Short-Stories-Nachmittag, Präsentation Goldenes Buch der Stadt Dresden

Lese-Räume: 1. "Wie kommen die Bücher auf die Erde?"; 2. "Wie kommen die Buchstaben aufs Papier?"; 3. "Wer illustriert und gestaltet die Bücher?"; 4. "Wer verkauft die Bücher?" - Buchhandlungen, Antiquariate, Buchausstellung, Bücherbörse, Begutachtung mitgebrachter Bücher; 5. "Das Buch heute" - Betriebe der Buchbinderinnung Sachsen, Informations- und Schauraum, Diskussionen; 6. "Lesen soll Spaß machen - Leseförderung" - Bibliotheken, Volkshochschule, Schulen, Therapeuten, Aktion "Lesestark!" zum Mitmachen, Workshops, Diskussionen um Leseförderung; 7. "Wer verlegt bzw. publiziert die Bücher?" - kleine und große Verlage aus Dresden und der Region, selbst verlegende Autoren, Archive, Krimi als Schwerpunkt 2012; 8. "Literatur erleben! Raus aus'm Schrank - rauf auf die Bühne!" - Lesebühnen, Messe-Slam, Autorengruppen, Theater und Kabaretts, Buchpräsentationen, Diskussionen mit Autoren

Internet: www.schriftgut-messe.de

Veranstalter: Messe Dresden; Betreuung und Organisation: Verein Dresdner Gesellschaft für Literatur

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2012

Tomas Gärtner

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