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Zustrom von Asylbewerbern in Dresden nimmt rasant zu

Zustrom von Asylbewerbern in Dresden nimmt rasant zu

Die Zahl bestimmt sich nach dem sogenannten "Königsteiner Schlüssel", bei dem unter anderem auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Kommune eine Rolle spielt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Wieviele Asylbewerber muss Dresden aufnehmen?

Dresden muss 12,9 Prozent der dem Freistaat Sachsen zugeteilten Asylbewerber unterbringen.

Was heißt das in Zahlen?

Gegenwärtig leben 870 Asylbewerber in Dresden. 2011 kamen 312 Flüchtlinge, 2012 waren es schon 470. In diesem Jahr soll Dresden 554 Asylbewerber aufnehmen.

Aus welchen Ländern kommen die Asylbewerber?

Am stärksten vertreten in Dresden sind Inder und Nordafrikaner, also Menschen aus Marokko, Ägypten und Tunesien. Einen hohen Anteil haben auch Personen aus Afghanistan. Stark angestiegen ist der Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien.

Warum kann die Stadt die Zahl der Heimplätze nicht planen?

Weil der Zustrom von Flüchtlingen Wellenbewegungen unterliegt. Im Moment ist ein starker Anstieg zu verzeichnen. So hatte der Freistaat Dresden im vergangenen Jahr zunächst 378 Asylbewerber prognostiziert, diese Zahl im Verlaufe des Jahres dann aber zwei Mal auf schließlich 470 erhöht. Da Plätze für Asylbewerber Geld kosten, kann die Stadt nicht eine unbegrenzte Zahl vorhalten.

Wo sind die Asylbewerber untergebracht?

In acht Übergangswohnheimen mit 534 Plätzen. Hinzu kommen 169 Plätze in 32 Wohnungen, die die Stadt angemietet hat. 245 Asylbewerber leben in eigenen Wohnungen und bekommen wie die Empfänger von Hartz IV von der Stadt die Kosten für die Unterkunft erstattet. 60 Prozent der Asylbewerber leben in Heimen, 40 Prozent sind dezentral untergebracht.

Was kostet die Unterbringung eines Asylbewerbers?

In der "Koje" 32 Euro pro Tag, in einem Hostel 28 Euro täglich und im Wohnheim in der Florian-Geyer-Straße lediglich zehn Euro pro Tag.

Was tut die Stadt für die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern?

Sie mietet weiter Wohnungen an. Im Januar hat sie noch einmal vier Wohnungen gemietet, die jetzt ausgestattet und dann Asylbewerbern zur Verfügung gestellt werden.

Warum sind dann trotzdem Wohnheime wie das in Klotzsche geplante erforderlich?

Weil Menschen aus anderen Kulturkreisen eine gewisse Anlaufzeit benötigen, bevor sie selbstständig in einer Wohnung in einer mitteleuropäischen Großstadt leben können. Sie sollen für den Übergang in einem Heim auf diese Anforderungen vorbereitet werden. Es gibt aber auch Asylbewerber, die gar nicht in einer Wohnung leben möchten, sondern lieber in der Nähe von Landsleuten, berichtet Frank Bauer, der im Sozialamt der Stadt für die Unterbringung der Asylbewerber verantwortlich ist.

Weshalb schreibt die Stadt nicht einfach Asylbewerberheime aus statt selbst welche errichten zu wollen?

Die Stadt hat zwei Ausschreibungen in den vergangenen beiden Jahren für Heime mit 60 bis 80 Personen durchgeführt. Es gab laut Bauer keine Interessenten.

Warum Klotzsche? Warum nicht ein anderer Standort, der nicht so abgelegen ist?

Die Stadt hat laut Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) seit 2008 insgesamt 37 Standorte für ein mögliches Asylbewerberheim untersucht. Ohne Erfolg. Ende 2012 sei man bei der Wetterwarte angekommen, die ein großzügiges Außengelände und genügend Fläche im Inneren des Gebäudes für eine lockere Belegung biete.

Aber werden die Flüchtlinge An der Wetterwarte nicht an den Waldrand abgeschoben?

Manche würden genau das wollen, sagt Seidel. Er nennt das Beispiel einer älteren Frau aus Syrien, die mit ansehen musste, wie ihr Mann und einer ihrer Söhne erschossen wurden. Sie sei schwer traumatisiert und brauche Ruhe, um wieder zu sich zu kommen. Diese finde sie in einem Heim in der Stadt nicht.

Wie begegnet die Stadt Ängsten und Befürchtungen von Einwohnern?

Seidel betont: "Es hat noch nie einen Übergriff auf einen Einwohner aus einem Asylbewerberheim heraus ge- geben." Es gab innerhalb mehrerer Heime Gewalttätigkeiten unter Asylbewerbern. "Aber sonst ist noch nie etwas passiert. Die Ängste der Bevölkerung lassen sich objektiv nicht untersetzen."

Unterstützt der Freistaat die Stadt bei den Kosten?

Laut Seidel muss die Stadt 50 Prozent der Kosten für eine Pflichtaufgabe des Landes tragen - in diesem Jahr zwei Millionen Euro. "Wir müssen fragen, ob das nicht rechtswidrig ist."

Das von der Stadt geplante Asylbewerberheim in einer ehemaligen Außenstelle des Gymnasiums Klotzsche ist am Montagabend im Ortsbeirat des Stadtteils knapp durchgefallen (DNN berichteten). Die Stadt sucht im Moment händeringend nach Plätzen für Asylbewerber und musste zeitweise sogar das leerstehende Herbergsschiff "Koje" als Unterkunft nutzen. Die DNN analysieren, warum gegenwärtig Plätze fehlen und was die Stadt gegen den Mangel tun muss.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2013

Baumann-Hartwig, Thomas

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