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"Wir wollen die schwarz-gelbe Regierung stürzen" - DNN-Gespräch mit Marcel Ritschel, dem neuen Chef der Dresdner Piraten

"Wir wollen die schwarz-gelbe Regierung stürzen" - DNN-Gespräch mit Marcel Ritschel, dem neuen Chef der Dresdner Piraten

Frage: Herr Ritschel, Sie stehen seit Ende Oktober an der Spitze der Dresdner Piraten. Marcel Ritschel: Wir möchten 2014 in den Stadtrat gewählt werden, ganz klar - in der Hoffnung, zusammen mit den anderen Fraktionen die schwarz-gelbe Mehrheit zu kippen.

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Plädiert für weniger Autos, mehr Fahrräder und den fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr und hofft, dass seine Partei bei der nächsten Stadtratswahl 10 bis 12 Prozent der Stimmen bekommt: Marcel Ritschel, neuer Chef der Dresdner Piraten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Frage : Herr Ritschel, Sie stehen seit Ende Oktober an der Spitze der Dresdner Piraten. Wohin soll die Reise gehen?

Marcel Ritschel : Wir möchten 2014 in den Stadtrat gewählt werden, ganz klar - in der Hoffnung, zusammen mit den anderen Fraktionen die schwarz-gelbe Mehrheit zu kippen.

Ihr Ziel ist es, die CDU zu stürzen?

Ja, das ist richtig. Wir wollen die schwarz-gelbe Regierung stürzen. Wie die Opposition auch. Am besten nicht nur in Dresden, sondern gleich in ganz Sachsen. Gelingt das, kann nach vielen Jahren endlich mal eine andere Schiene gefahren werden.

Wie sieht denn Ihre Wunsch-Koalition aus?

Das ist schwer zu sagen. Wir beobachten mittlerweile seit zwei Jahren den Stadtrat, haben viele Kontakte geknüpft. Wo es Gemeinsamkeiten gibt, können wir auch zusammenarbeiten, egal mit welcher Partei.

Wirklich mit jeder Partei?

Ich weiß, die CDU wird immer gleich verteufelt. Doch ich möchte niemanden ausschließen. Letztlich geht es um Inhalte. Wenn die stimmen, ist eine Zusammenarbeit mit jeder Partei vorstellbar.

Auch mit der NPD?

Selbstverständlich nicht. Die NPD lehnen wir komplett ab. Niemals würden wir uns mit ihr an einen Tisch setzen.

Die Piraten sind als Visionäre groß geworden, als Verfechter von Transparenz, Informationsfreiheit und Basisdemokratie. Doch reichen die Visionen für die politische Alltagsarbeit? Oft wird den Piraten Konzeptlosigkeit vorgeworfen.

Die Zeiten der fehlenden Konzepte sind vorbei. Wir haben jetzt ein Grundsatzprogramm zu allen wichtigen Themen. Uns ist bewusst, dass es nicht nur um visionäre Konzepte, sondern um Politik zum Anfassen geht. Viele Leute von uns wollen das wirklich. Seit Monaten arbeiten wir intensiv in einer Arbeitsgruppe "Verkehr". Eine Arbeitsgruppe "Haushalt" ist in Planung.

Wie sieht die Piraten-Lösung für den Verkehr in Dresden aus?

Wir plädieren für den "individuellen Nichtverkehr". Also weniger Autos, mehr Fahrräder und den fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr. Gut finden wir auch eine W-Lan-Verbindung in Bahnen und Bussen. Mit solchen Schritten versuchen wir, die Leute vom Auto abzubringen.

Parlamentarische Arbeit kann langatmig und manchmal auch zermürbend sein. Eine Gefahr für die visionären Piraten, dabei unter die Räder zu kommen?

Die Gefahr sehe ich nicht. Die Berliner Parteikollegen haben sich sehr gut bewährt. Sie leiten den Untersuchungsausschuss zum Flughafen Berlin-Schönefeld und sind ernstzunehmende politische Partner geworden. Langfristig möchten wir natürlich visionäre Ideengeber bleiben und nicht nur reaktiv arbeiten.

Dabei stehen Sie in Konkurrenz zu den Grünen, die bisher oft die innovativen Ideen mitbrachten.

Ja. Die Gefahr, dass wir uns gegenseitig die Stimmen wegnehmen, ist da. Ganz einfach auch, weil wir gemeinsame Positionen haben. Wir wollen natürlich nicht die Stimmen der Grünen, sondern der CDU. Solange die Stimmen bei den Grünen oder den Piraten bleiben, ist das ok. Hauptsache sie landen nicht bei der CDU.

Sind die Piraten eine moderne Partei?

Die Frage ist: Was ist modern? Sagen wir lieber: zeitgemäß. Ja, wir sind jung und mit den neuen Medien aufgewachsen. Der Rechner gehört bei uns zum Alltag und anscheinend trifft unsere Partei den Nerv der Zeit.

Wie stark sind die Piraten geworden?

Mittlerweile zählen wir in Dresden 260 Mitglieder. Allein in diesem Jahr sind 70 neue Piraten dazugekommen. Wir hoffen auf weitere zahlreiche Aktive.

Gibt es schon eine Strategie für den Wahlkampf?

Wir möchten versuchen, den Fokus auf den ländlichen Raum zu legen. Das wollen wir nicht länger der NPD überlassen. Wir werden jedes einzelne Dorf plakatieren. Schon allein um zu zeigen, dass es eine Alternative zur NDP gibt.

Kritiker meinen, der Höhenflug der Piraten sei längst vorbei.

Auch wenn wir jetzt manchmal als tot hingestellt werden: Wir sind es noch lange nicht. Wir werden spätestens bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr zeigen, dass wir keine Eintagsfliege sind. Wir werden richtig Krach machen und die Fünf-Prozent-Hürde knacken.

Wie ist Ihre Prognose?

Sieben bis neun Prozent.

Was halten Sie für wahrscheinlicher: Bundestag oder Dresdner Stadtrat?

Gute Frage: Stadtrat. Es gab in der Vergangenheit Umfragen, die haben uns 18 Prozent der Stimmen attestiert. Ich glaube, wir können 10 bis 12 Prozent der Stimmen in Dresden bekommen.

Sie chatten, twittern, posten und diskutieren. Die Piraten haben auf ihrer Erfolgswelle in den vergangenen 14 Monaten drei Länderparlamente und das Stadtparlament von Berlin geentert. Jetzt wollen sie auch Dresden, am liebsten gleich ganz Sachsen erobern. Der Umzug der Partei von einem kleinen Büro im achten Stock der Borsbergstraße in ein repräsentatives Lokal in der Neustadt steht symptomatisch für den Aufstieg eines neues politischen (Zeit-)Geistes, aber auch für eine langersehnte Alternative in der Parteienlandschaft. DNN-Redakteurin Katrin Tominski sprach mit Marcel Ritschel, dem neuen Chef der Dresdner Piraten, über seinen Wunsch, die CDU in Stadt und Land zu stürzen sowie erfolgreich in die Kommunalpolitik einzusteigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

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