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Wende bei Wendeberichten - Gedächtnisprotokolle vom Herbst 1989 sind jetzt öffentlich

Wende bei Wendeberichten - Gedächtnisprotokolle vom Herbst 1989 sind jetzt öffentlich

Sie sind ein wichtiges Zeugnis der jüngeren Geschichte - die Gedächtnisprotokolle aus dem Wendejahr 1989. Konkret handelt es sich um Berichte von Menschen, die bei den schweren Zusammenstößen von Dresdner Bürgern mit dem Staatsapparat der damaligen DDR verhaftet, "zugeführt" und teilweise misshandelt wurden.

Über 350 dieser Gedächtnisprotokolle gibt es. Über zwei Jahrzehnte lagerten die Originale im Stadtjugendpfarramt, Kopien bei der Stadtverwaltung - unter Verschluss.

Günter Hofmann, bekennender Christ, einstiger Kirchenvorsteher in Freital-Döhlen, Ex-Kreisrat des Weißeritzkreises, Entwicklungsingenieur und heutiger Rentner, engagiert sich seit Jahren dafür, dass diese historischen Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Jahrelang blitzte er mit seinem Ansinnen bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche ab. Sie habe die Sicherungsverwahrung und Datenschutzgründe würden gegen eine Veröffentlichung sprechen, hieß es (DNN berichtete mehrfach).

Doch Hofmann gab nicht auf, trug einige Berichte zusammen und veröffentlichte sie in einem Buch "Vergeßt den Oktober 1989 nicht". Aufgrund der Nachfrage wurde bereits eine zweite Auflage gedruckt. An dem Buch verdiene Hofmann nichts, versicherte Christoph Hille, Stadtrat und Besitzer von Druckerei und Verlag Hille in Dresden, gegenüber DNN.

Dem Freitaler Rentner ging und geht es nicht ums Geld. Er engagiert sich für eine Veröffentlichung, weil er findet, dass die Gedächtnisprotokolle auf sehr eindrückliche Weise Zeitgeschichte dokumentieren. "Die Berichte zeigen der Jugend, die Diktatur nicht kennengelernt hat, wozu diese fähig ist." Hofmann ließ nicht locker, schrieb sogar an Landesbischof Jochen Bohl. Mit Erfolg. Die Gedächtnisprotokolle wurden vom Stadtjugendpfarramt in das Archiv der Sächsischen Landeskirche in der Lukasstraße überführt und sind jetzt öffentlich zugänglich. Das betätigte auf DNN-Anfrage Matthias Oelke, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. Protokolle, wo nicht explizit ein Einwilligungsvermerk zur Veröffentlichung vorlag, habe man anonymisiert. Das Archiv sei, wie die Bibliothek, "natürlich öffentlich". Allerdings müsse man ein berechtigtes Interesse formulieren, damit der Aufwand kalkulierbar sei. Von Seiten der Kirche seien derzeit "noch keine Überlegungen im Gange, die Protokolle von uns aus in ein Forschungsprojekt einzubeziehen", so Oelke weiter. Catrin Steinbach

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2012

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