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Vorwurf: Planer trieben Kosten für Dresdner Rathaussanierung in die Höhe

Vorwurf: Planer trieben Kosten für Dresdner Rathaussanierung in die Höhe

Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hat gestern - aus seiner Sicht - die Reißleine gezogen: Als Chef des Hochbauamtes hat er den Vertrag mit der ARGE msp Architekten/IB Schmid zum 31. März gekündigt.

Die ARGE war für Planung und Bauüberwachung bei der Sanierung des Rathauses verantwortlich. "Das Vertrauensverhältnis zwischen Auftraggeber und der ARGE war irreparabel beschädigt", begründete Stadtsprecher Karl Schuricht die Kündigung.

Differenzen hatte es schon seit längerer Zeit gegeben (DNN berichteten). "Leider hat sich die Zusammenarbeit nicht verbessert. Sondern das Vertrauen der Stadt Dresden in die Fähigkeit der ARGE, das Bauvorhaben mit den gegebenen Mitteln und mangelfrei durchzuführen, ist vollends entfallen", erklärte Schuricht.

Auf Nachfrage nannte der Stadtsprecher zwei Beispiele: So habe die ARGE im sogenannten Tiefkeller vorgesehen, als Vorsichtsmaßnahme gegen drückendes Grundwasser die Bodenplatte zu verstärken. Kostenpunkt: 600 000 Euro. Das städtische Hochbauamt habe die Planungen geprüft und festgestellt: Der Statiker habe mit falschen Zahlen gearbeitet. Die Verstärkung sei gar nicht erforderlich. Einspareffekt für die Lan- deshauptstadt: 600 000 Euro. "Trotzdem verlangte die ARGE für ihre unbrauchbare Planung ein Honorar von über 13 000 Euro", so der Stadtsprecher.

Bei der Turmkuppelhalle habe die ARGE vehement darauf gedrungen, die ursprünglichen, historischen Wandleuchten zu installieren. Obwohl dieser Posten im Budget nicht vorgesehen sei, sollten die Lampen in Einzelanfertigung entstehen. Kostenpunkt für ein einziges Muster: rund 20 000 Euro. Die komplette Ausrüstung mit historischen Leuchten hätte Mehrkosten von 100 000 bis 200 000 Euro verursacht. "Die ARGE hat sogar noch schriftlich dagegen protestiert, dass der Bauherr ihre äußerst kostspieligen Vorstellungen nicht weiterverfolgt", erklärte Schuricht.

Die Stadt verkenne nicht, dass eine Vielzahl von Gründen zu den Mehrkosten von rund zwölf Millionen Euro bei der Rathaussanierung geführt hätte. "Die Stadt hat aber auch feststellen müssen, dass die ARGE zahlreiche Mängel ihrer Leistungen, vor allem in der Auftrags- und Nachtragsbearbeitung, der Rechnungsprüfung und der Bauüberwachung - die wiederum zum Teil in mangelhafter Planung wurzeln - trotz vielfacher Mahnung nicht abgestellt hat oder hat abstellen können", erklärte Schuricht. Das Handeln der ARGE habe eher kostentreibend gewirkt. Die ARGE habe Kritik stets zurückgewiesen, nach Schuldigen gesucht statt zu kooperieren und sich unangemessen gegenüber dem Auftraggeber verhalten. "Eine weitere Zusammenarbeit ist unzumutbar", stellte der Stadtsprecher fest.

In den nächsten Tagen werde die Fortführung der Arbeiten vom Hochbauamt sichergestellt. Danach werde die Stadt kurzfristig ein Planungsbüro mit den restlichen Leistungen beauftragen, so Schuricht. Ein Zeitverzug der Arbeiten sei gegenwärtig nicht ersichtlich, die Gesamtkosten des ersten Bauabschnitts würden sich nicht noch einmal erhöhen.

Rechtsanwalt Richard Althoff, der die ARGE vertritt, erklärte gegenüber DNN, ihn treffe die Kündigung völlig überraschend. "Wir müssen jetzt erst einmal über die nächsten Schritte beraten." Die Schritte der Stadt würden deshalb auf völlige Verständnislosigkeit stoßen, da sich beide Seiten in den vergangenen Wochen angenähert hätten, so Althoff. "Wir haben jetzt große Bedenken, dass das Projekt ordentlich zu Ende geführt werden kann."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2014

Thomas Baumann-Hartwig

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