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Von Bürgern und Sitzungen - Ein Tag im Landtag mit Julia Bonk und Patrick Schreiber

Von Bürgern und Sitzungen - Ein Tag im Landtag mit Julia Bonk und Patrick Schreiber

Vom Landtag in Dresden kennen viele nur den Plenarsaal mit der großen Sachsenkarte über den Rednerpulten. Doch wie sieht der Berufsalltag der Landtagsabgeordneten eigentlich aus? DNN-Online hat sich auf die Suche begeben und die Abgeordneten Julia Bonk (die Linke) und Patrick Schreiber (CDU) begleitet.

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Julia Bonk bei einem Abendtermin.

Quelle: Julia Vollmer

Der Tag mit dem 33-jährigen CDU-Abgeordneten Patrick Schreiber, der seit 2009 im Landtag sitzt, beginnt mit der Führung einer Besuchergruppe. „Die Besucher können sich anmelden und entweder direkt Wünsche äußern, wer sie begleitet oder ihnen wird ein Abgeordneter aus dem Wahlkreis zugeordnet. Ich bin der Besuchergruppenkönig unter den Abgeordneten“, erzählt Schreiber lächelnd. An diesem Tag hört er sich gemeinsam mit seiner Kollegin Anja Jonas von der FDP die Sorgen der Besuchergruppen zum Thema Ärzte und Krankenkassen an. „So bin ich nah dran an den Wählern“, erklärt er.

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Der CDU-Abgeordnete Patrick Schreiber zu Besuch bei Jugendlichen.

Quelle: Julia Vollmer

Beim nächsten Termin bei der Handwerkskammer Dresden besucht er Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, die zu einer Ausbildung motiviert werden sollen. In einer Reihe mit den Teenagern sitzend, lauscht er den Ausführungen des Kammerchefs Andreas Brzezinski. Die Arbeit ist vielfältig und so ist der Terminplan eng gestrickt. Einmal im Monat öffnet Schreiber die Türen zu seinem Büro zur Bürgersprechstunde. Von Schwierigkeiten mit der Suche nach einem Kitaplatz oder mit der Beantragung von Hartz IV berichten ihm die Menschen.

Trotz seines Landtagsmandats will sich Patrick Schreiber einen Teil seiner Unabhängigkeit bewahren und arbeitet nebenbei noch für seine Werbeagentur, erzählt er. Denn wenn ein Abgeordneter sein Mandat verliert, muss er wieder auf eigenen Beinen stehen. Für fünf Monate zahlt das Land ein sogenanntes Übergangsgeld. Rund 5000 Brutto erhalten die sächsischen Abgeordneten derzeit als monatliche Diät. Zum Vergleich, ein bayrischen Abgeordnete bekommt rund 10.200 Euro. Bei einem Hamburger Abgeordneten stehen 2800 Euro auf dem Lohnzettel. Für die Zeit der Mandatsausübung werden die Abgeordneten dann nach ihrem Ausscheiden gesetzlich nachversichert. Nach zehn Jahren Mitgliedschaft im Landtag erwirbt ein Volksvertreter einen Rentenanspruch, welcher mit dem 67. Lebensjahr wirksam wird.

Auf dem Weg in den Landtag gab es allerlei Stationen für den Abgeordneten. Nach einer angefangenen Lehre als Restaurantfachmann entschied sich Patrick Schreiber später doch für ein Studium. Lehrer wollte er eigentlich auch mal werden, entschied sich später für den Magisterstudiengang Neuere/Neueste Geschichte, Romanistik-Kulturwissenschaften (Spanisch) und Politik im Nebenfach. Zur Politik kam er eher durch einen Zufall. „Wir mussten in der Schule im Fach Gemeinschaftskunde Wahlflyer sammeln und analysieren. Nachdem das Büro der SPD zu hatte, lud uns der Geschäftsführer der Jungen Union zum Kaffee ein.“

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Im Jahr 2004 wurde er in den Dresdner Stadtrat gewählt. „Schon das war eigentlich ein Fulltime-Job“, erzählt er. Jetzt als Mitglied des Landtages arbeite er meist 60 bis 80 Stunden in der Woche. Zum Ausgleich gehe er regelmäßig zum Sport oder besucht ferne Länder. Zuletzt ging es im Januar nach Jamaika. Urlaub muss ein Abgeordneter übrigens nicht beantragen, nur eine Vertretung müsse abgesichert sein, berichtet der CDU-Mann. Ganz allein muss Schreiber seine Arbeit jedoch nicht bewältigen. Jedem Landtagsmitglied steht ein Budget für Mitarbeiter zur Verfügung, Schreiber teilt seines unter drei Mitarbeitern auf.

Der größtmögliche Gegensatz zu CDU-Mann Schreiber im Landtags scheint Julia Bonk zu sein. Während Schreiber vorher eine Lehre begonnen und studiert hatte, verbrachte die Linken-Politikerin ihre gesamte Studentenzeit im Landtag. Im Jahr 2004 absolvierte sie ihr Abitur und zog vier Monate später in den Landtag ein. Mit 18 Jahren war sie jüngste Abgeordnete und ist es bis heute geblieben. „Ich musste mir zunächst ganz schön den Respekt erkämpfen und schnell erwachsen werden“, so Bonk. Die gebürtige Magdeburgerin arbeitete seit sie 14 Jahre war im Stadtschülerrat Dresden mit und wurde als stellvertretende Landesschülersprecherin gewählt.

Seit Juni 2012 ist sie Mitglied des Parteivorstands der Linken und verbringt nun also auch viel Zeit in Berlin. „Derzeit ist es für mich aber keine Option nach Berlin zu gehen. Ich fühle mich in Dresden und mit der Landespolitik sehr wohl.“ Etwa 20 Stunden in der Woche müsse sie für Landtagssitzungen einplanen, die restliche Zeit liest sie Akten und Protokolle und ist in ihrem Stadtteil, der Dresdner Neustadt unterwegs. Die Sitzungen im Landtag ziehen sich zum Teil von 10 Uhr am Morgen bis 23 Uhr am Abend hin, erzählt die Abgeordnete. Ich begleite Julia Bonk zu einer Anhörung des Technikausschusses zum Thema Breitbandausbau und fühle mich um Jahre zurückversetzt. Wie in der Universität lauschen wir den Sachverständigen, die einer nach dem anderen ihre Argumente vortragen. Bei der anschließenden Diskussion stellt Julia Bonk jede Menge Fragen - der Breitbandausbau ist eines ihrer Spezialthemen.

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Julia Bonk bei einem Abendtermin.

Quelle: Julia Vollmer

Nach genau anderthalben Stunden beendet der Vorsitzende des Ausschuss die Sitzung und es ist Zeit für ein Mittagessen. Für rund 3,50 Euro gibt es Schnitzel mit Reis. Preis und Qualität des Essens erinnern durchaus an eigene Studienzeiten. Am Nachmittag widmet sich die Abgeordnete der Kunstszene in der Neustadt. Beim Kaffee mit der Videokünstlerin Eva Olivin bespricht Julia Bonk die Idee zu einem Konzeptvideo zum Thema „Transparenz im Internet“. Die Politikerin hat konkrete Vorstellungen, was das Video ausdrücken soll. Die kreative Szene in der Neustadt zu unterstützen, liegt Bonk besonders am Herzen. „Mir war es zum Beispiel wichtig, dass Panzerstrickprojekt vor dem 13. Februar des Louisenkombinahts zu fördern. Bei solchen Aktionen gehe ich auch gern persönlich vorbei.“

Auch die Abende verbringt Julia Bonk oft im Dienst. Jede Woche besucht sie den Stammtisch der Linken oder trifft sich beispielsweise mit den Programmierern ihrer Homepage. Aber wenn sie mit Freunden unterwegs ist, will sie auch mal abschalten. „Ich bin dann froh, wenn meine Freunde einmal nicht über Politik reden wollen“, erzählt sie lachend.

Julia Vollmer

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