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"Viel gegenseitiges Vertrauen" - Die neue Doppelspitze der Linken im DNN-Interview

"Viel gegenseitiges Vertrauen" - Die neue Doppelspitze der Linken im DNN-Interview

Tilo Kießling:Es funktioniert menschlich zwischen uns sehr gut, denn wir kennen uns schon lange. Ich war ja zum Beispiel, als wir uns zum ersten Mal trafen, Vorsitzender des Vereins "Roter Baum", Anne hat dort gearbeitet.

Frau Klepsch, Herr Kießling, wie viele Gemeinsamkeiten gibt es innerhalb der ersten Doppelspitze der Linken in Dresden?

Tilo Kießling: Es funktioniert menschlich zwischen uns sehr gut, denn wir kennen uns schon lange. Ich war ja zum Beispiel, als wir uns zum ersten Mal trafen, Vorsitzender des Vereins "Roter Baum", Anne hat dort gearbeitet. Wir haben gemeinsam Ferienlager und andere Dinge bestritten. Wir kennen unsere Stärken, Schwächen und unterschiedlichen Herangehensweisen, fanden bislang aber trotz Reibungen bei Problemen immer zu guten Ergebnissen. Dadurch ist viel gegenseitiges Vertrauen entstanden.

Annekatrin Klepsch: Dazu kommen sicherlich auch die kulturellen Gemeinsamkeiten bei uns beiden. Zur Wendezeit gehörten wir noch der jüngeren Generation an. Entsprechend haben wir das Zusammenwachsen Deutschlands anders mitbekommen als der Großteil unserer Mitgliedschaft.

Die Linken kämpfen mit zurückgehenden Mitgliederzahlen und insbesondere einem sinkenden Frauenanteil, worauf Sie mit dem Modell Doppelspitze reagieren wollen. Reicht das, um das Image der SED-Nachfolgepartei abzuwerfen?

Annekatrin Klepsch: Der Zulauf zu uns über die Linksjugend ist im Verhältnis zu anderen Parteien nicht geringer, aber das Interesse an Parteien insgesamt nimmt in der Gesellschaft ab. Bei den Jugendlichen unter unseren Mitgliedern scheint mir aber das Thema SED-Nachfolgeschaft kein Hinderungsgrund zu sein. Wer bei uns eintritt, entscheidet sich bewusst dafür. Dahinter stecken weltanschauliche, politische Haltungen.

Tilo Kießling: Niemand kann sich von seiner Vergangenheit lösen, auch wir als Linke nicht. Wichtig ist, die gesammelten Erfahrungen an die junge Generation weiterzugeben. Dazu gehört das Aufarbeiten von Fehlern, die gemacht wurden, und das hat keine Partei so intensiv gemacht wie die PDS. Insgesamt stehen wir auf den Schultern sehr vieler Ahnen. Eine dieser Quellen ist auch die aus Widerstandsmomenten im Westen entstandene WASG, die heute Teil der Linken ist. Es kommt darauf an, sich zu all diesen Wurzeln zu bekennen, aus ihnen zu lernen und nicht eine zu vergessen oder zu vernachlässigen.

Welche Ziele haben Sie sich als Vorsitzende des Stadtverbandes der Linken auf die Fahnen geschrieben?

Tilo Kießling: Ich glaube, es ist fühlbar, dass die Konservativen in Dresden, Sachsen und im Bund mit ihrem Latein am Ende sind. Machtoptionen schwinden und damit lokal gesprochen auch die Fähigkeit, für die Probleme unserer Stadt gute Lösungen mit breiter Akzeptanz vorzuschlagen. Es bedarf einer anderen politischen Richtung und um die nach vorn zu bringen, bedarf es einer starken Linken und die wollen wir inhaltlich und personell aufstellen.

Annekatrin Klepsch: Unser Ziel ist es, aus Dresden eine sozialere Stadt zu machen. Investitionen in Schulen, Kultur und Soziales dürfen bei Haushaltsdebatten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Insgesamt geht es Dresden gut, aber wir beobachten zwischen den Stadtteilen sehr unter- schiedliche Entwicklungen. In Prohlis, Gorbitz und Reick etwa sind größere Bevölkerungsgruppen von der gesellschaftlichen Teilhabe abgehängt, weil sie langzeitarbeitslos sind und viele Kinder in Armut aufwachsen. Eine Möglichkeit, für stärkeren Ausgleich zu sorgen, wäre zum Beispiel die Rückkehr zu einem kommunalen Wohnungsbestand verbunden mit Nachverhand- lungen zwischen Stadt und Gagfah, um einen sofortigen Abrissstopp zu erwirken.

Gemeinsam mit der SPD und den Grünen wollen Sie die Stadtrats- und Oberbürgermeister-Wahlen 2014 und 2015 gewinnen. Das Machtverhältnis innerhalb dieser Triangel spräche im Erfolgsfall für einen linken OB...

Annekatrin Klepsch: Bei der Frage nach geeigneten Personen ist die Fraktionsstärke meiner Meinung nach nicht endscheidend. Es eint uns, dass wir gemeinsam die CDU an der Stadtspitze ablösen wollen.

Tilo Kießling: Wichtig ist, dass die sehr unterschiedliche Wählerschaft unserer drei Parteien Vertrauen in einen gemeinsamen Kandidaten oder die Kandidatin entwickelt. Darüber reden wir, wenn es so weit ist.

Die Landtagsabgeordnete Annekatrin Klepsch (34) und der Stadtrat Tilo Kießling (41) führen als Doppelspitze während der kommenden zwei Jahre den Stadtverband der Linken in Dresden. Auf einem Parteitag am Sonnabend wurden die beiden jeweils mit rund 90 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Klepsch ist Mutter eines Sohnes, Kießling Vater von drei Söhnen. Das Duo löst Hans-Jürgen Muskulus ab, der den Stadtverband seit 2006 geführt hatte und nicht mehr antrat. Im DNN-Interview äußert sich die neue Doppelspitze der Linken unter anderem zu ihren Zielen und dem Umgang mit dem Image als SED-Nachfolgepartei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2011

Interview: Christoph Stephan

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