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Tagung in Dresden: Forscher bezweifelt Erstarken des Rechtsextremismus

Tagung in Dresden: Forscher bezweifelt Erstarken des Rechtsextremismus

Der Politikwissenschaftler Uwe Backes sieht keine Belege für ein erfolgreiches Vordringen des Rechtsextremismus in die Mitte der Gesellschaft. Eine anderslautende These lasse sich weder an Wahlergebnissen noch an der Mitgliederentwicklung rechtsextremer Parteien begründen, sagte der Professor am Montag auf einer Tagung in Dresden.

Deutsche Presse-Agentur dpa

„Die NPD hat ihren Höhepunkt schon lange überschritten.“ Er rechne eher damit, dass die Partei weiter schwindet. Backes zufolge hat die NPD nicht vom Aderlass anderer rechtsextremer Parteien wie DVU und Republikaner profitieren können. Ihr sei es auch nicht gelungen, nachhaltig in die Gruppe jener einzudringen, die sie als Wähler mobilisieren konnte.

Allerdings betrachtet Backes Rechtsextremismus als gravierendes Problem für die innere Sicherheit in Deutschland - weil es einen hohen Anteil gewaltbereiter Neonazis gibt. Deshalb sei auch die Gefahr „rechtsterroristischer Gruppenbildung“ wie im Fall der Terrorzelle NSU gegeben. Backes warnte jedoch vor Aktionismus. „Wir brauchen ein realistisches Bild von den Bedrohungen und Gefahren“, sagte er. Dramatisierungen seien nicht hilfreich. „Wir sollten uns immer bemühen, differenziert zu analysieren und angemessene Lösungen zu entwickeln.“

Backes gab sich als Skeptiker des NPD-Verbotsverfahrens zu erkennen. „Die Gefahr, dass das NPD-Verbot eher kontraproduktiv wirkt, ist groß.“

Die Dresdner Tagung war gemeinsam vom Verfassungsschutz in Sachsen und Brandenburg organisiert worden. Dazu waren Experten aus ganz Ostdeutschland angereist. Die Wissenschaftlerin Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin widersprach Vorstellungen, wonach Rechtsextremismus allein ein männliches Problem sei.

Im Alltag blieben rechtsextreme Frauen und Mädchen oft unerkannt. Sie handelten aber auch strategisch und gingen gern in Studiengänge wie Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaften, um später in der Kita oder im Jugendclub zu arbeiten. Radvan verwies auf eine Studie, wonach die Hälfte aller Menschen mit rechtsextremen Einstellungen weiblich sind. „Wir haben zunehmend Kinder, die in rechtsextremen Familien aufwachsen“, sagte Radvan. Es stelle sich die Frage, wie man mit Kindern umgehe, die später im Leistungskurs Geschichte ein rechtsextremes Weltbild vertreten. Radvan forderte Aussteigerprogramme, die sich spezifisch am Bedarf von Frauen orientieren.

dpa

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